Ernte

Lebensmittel: Bauern erwarten weiter steigende Preise

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Beate Kranz
Dürre hat Deutschland fest im Griff

Dürre hat Deutschland fest im Griff

Flüsse trocknen aus, Straßenbäume sterben ab, die Schifffahrt ist beeinträchtigt: Derzeit sind die Folgen der Dürre in vielen Teilen Deutschlands schmerzhaft zu spüren.

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Die Getreideernte ist trotz Dürre besser ausgefallen. Teure Energie und Dünger belasten die Bauern. Warum vor allem Bio-Bauern leiden.

Berlin. Die Verbraucher in Deutschland müssen sich auf weiter steigende Preise für Obst, Gemüse und Getreide einstellen. "Wir gehen von stabilen bis steigenden Preisen bei allen Lebensmitteln aus", sagte der Präsident des Deutschen Bauernverbands, Joachim Rukwied, am Dienstag bei der Vorstellung des Ernteberichts 2022. Steigende Preise bei Energie, Düngemittel und Saatgut sorgten dafür, dass die Landwirte ein höheres Preisniveau für ihre Erzeugnisse bräuchten.

Angesichts der vielerorts herrschenden Dürre ist die Ernte in diesem Jahr regional sehr unterschiedlich ausgefallen. Während im Süden und Norden die Erträge gut seien, warten die Bauern in Sachsen-Anhalt vergeblich auf Regen. Insgesamt ernteten die Bauern mit 43 Millionen Tonnen knapp zwei Prozent mehr Getreide als im Vorjahr. Dennoch blieb die Ernte damit mit rund 6 Prozent unter dem durchschnittlichen Mittel der vergangenen sieben Jahre.

Die Öko-Getreideernte liegt auf Vorjahresniveau. Allerdings treffen die Bio-Bauern angesichts der Inflation auf sparsame Verbraucher. Die Absätze von Bio-Produkten seien um rund 6 Prozent zurückgegangen, berichtet Rukwied. Bei konventionell angebauten Produkten waren es 3,2 Prozent. Die Öko-Landwirte drohten die Zuwächse, die sie während der Corona-Pandemie erzielt haben, wieder zu verlieren.

Dürre: Bauern leiden unter extremen Wetterlagen

Die Bauern leiden zunehmend unter extremen Wettersituationen. Mal seien die Sommer trocken und heiß, mal zu feucht und kühl. Dies sei eine große Herausforderung. "Als Winzer kann ich sagen: Der Klimawandel ist da", sagte Rukwied. Bereits heute setzen Landwirte auf wassersparende, bodenschonende Verfahren und versuchen neue trocken- und hitzeresistente Sorten zu entwickeln und anzubauen.

Die Ernährungssicherheit für Deutschland sieht Rukwied bis ins erste Quartal 2023 gesichert. Bis dahin könnten die Bauern die Bevölkerung mit Weizen selbst versorgen. Die weitere Entwicklung hänge davon ab, wie verfügbar Dünger sei, für dessen Herstellung Gas dringend erforderlich sei. Sollten die Bauern keinen Stickstoffdünger erhalten, könnten die nächsten Ernteerträge stark einbrechen, sagte Rukwied. Eine weitere Prognose wollte der Bauernpräsident deshalb nicht wagen.

Der wirtschaftliche Erfolg der deutschen Bauern ist in diesem Jahr bundesweit sehr unterschiedlich. Je nachdem wieviel Regen in der jeweiligen Region gefallen ist, zu welchem Zeitpunkt die Landwirte ihr Getreide verkauft sowie Dünger und Saat eingekauft haben, sind sie auf der Gewinner- oder Verliererseite.

Bauern-Präsident: Wein wird in diesem Jahr ausgezeichnet

Die Preise für Dünger hätten sich mittlerweile fast verdreifacht, die Verkaufspreise für Getreide am Weltmarkt schwankt sehr stark um mehrere hunderte Euro. "Es wird Betriebe mit einem sehr guten Wirtschaftsjahr geben und solche, die tiefrote Zahlen schreiben", berichtet Rukwied.

Gut sieht es für alle Weinfreunde aus. Die Qualität in Deutschland sei diesem Jahr hervorragend, berichtet der Bauernverbandspräsident, Landwirt und Winzer: "Wir erwarten einen ausgezeichneten 2022er-Jahrgang."

Staatliche Hilfen wegen der Trockenheit und Dürre fordern die Bauern aktuell nicht, sagte der Verbandspräsident: "Diese Diskussion führen wir derzeit nicht."

Dieser Text erschien zuerst auf morgenpost.de

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