Start-up-Unternehmen

Berliner Firma entwickelt neue Zugangskontrollen für Büros

Das Berliner Datensicherheits-Start-up Nexenio entwickelt neuartige Zugangskontrollen. Es gibt bereits mehrere Interessenten.

Patrick Hennig (l.) und Philipp Berger haben Nexenio im November 2015 gegründet

Patrick Hennig (l.) und Philipp Berger haben Nexenio im November 2015 gegründet

Foto: Amin Akhtar

Berlin.  Möglicherweise öffnet schon bald eine Technologie aus Berlin im berühmten New Yorker Rockefeller Center die Türen: Das Start-up Nexenio hat ein neuartiges System entwickelt, das bisherige Zugangskontrollen etwa vor Büros bald ersetzen könnte. Lästiges und zeitaufwendiges Einchecken per Chipkarte könnte für Mitarbeiter dann bald der Vergangenheit angehören.

Die Nexenio-Technik funktioniert so: Sensoren, die unter anderem in Smartphones und Smartwatches verbaut sind, sollen die Arbeitnehmer identifizieren. „Das System erkennt so das einzigartige Verhalten eines jeden Nutzers, beispielsweise anhand des Laufstils“, erklärt Nexenio-Gründer Patrick Hennig.

Das Berliner Start-up will den unsichtbaren Schlüssel jetzt testen. „Das Pilotprojekt startet demnächst“, sagt Hennig. Drei Konzerne konnte Nexenio für den Versuch begeistern: Dazu zählt ein großer deutscher Automobilkonzern, die Telekom und der US-amerikanische Immobilienkonzern Tishman Speyer Properties. Dem Unternehmen gehört neben dem Rockefeller Center auch das Quartier 205 an der Friedrichstraße.

Tishman Speyer wird die Nexenio-Technologie zunächst in Teilen des Bürogebäudes in der deutschen Hauptstadt verwenden. Entscheidet sich der Immobilienkonzern danach dafür, die Technik im größeren Stil einsetzen zu wollen, könnte die Berliner Zugangskontrolle auch in anderen Gebäuden wie eben dem New Yorker Rockefeller Center eingesetzt werden.

Nexenio hat die Idee bereits in mehreren Ländern zum Patent anmelden lassen. Die Schutzrechte sichern vor allem die Codes hinter der Technologie. Nicht das Nutzen von Bewegungsdaten an sich ist der Kern der Erfindung, sondern die Verschlüsselungstechnik. „Die Sensordaten verbleiben die ganze Zeit auf den Smartphones der Menschen“, sagt Hennig. Ausschließlich das Gerät wisse auch, wie sich der Nutzer bewege, so der Fachmann. Über eine Schnittstelle werde der Nutzer identifiziert. Dann öffnen sich die Türen.

Branche in Berlin ist auf Wachstumskurs

50 Mitarbeiter sind mittlerweile bei dem Start-up, das seinen Sitz direkt am Gendarmenmarkt in Mitte hat, beschäftigt. Nexenio ist eine Ausgründung des Potsdamer Hasso-Plattner-Instituts (HPI). Die privat finanzierte Forschungseinrichtung zählt zu den führenden Zentren in Fragen der Digitalisierung. Auch die Nexenio-Gründer Patrick Hennig und Philipp Berger haben an der Hochschule studiert.

Forschungsprojekte, an denen die Entwickler immer wieder arbeiteten, fanden jedoch nur selten den Weg in die Praxis. „Um diesen Spalt zu schließen und Forschungsergebnisse schneller und effizienter in neue Produkte und Lösungen einfließen zu lassen, haben wir Nexenio gegründet“, sagt Patrick Hennig.

„Bdrive“ hieß das erste Produkt des Start-ups. Den Berlinern ist es damit gelungen, das Verschicken von großen Datenmengen sicherer und nutzerfreundlich zu machen. Viele Firmen versendeten noch immer Daten über handelsübliche Cloud-Lösungen. Sicher seien die Dokumente auf den Servern aber nicht, so Hennig. Bdrive zerlege nun die einzelnen Daten und speichere die Teile bei verschiedenen Cloud-Diensten in Deutschland. Um das Puzzle zusammenzuführen, benötigen Nutzer nicht nur die digitalen Baupläne, sondern auch einen persönlichen Registrierungsschlüssel.

Mittlerweile entwickelt Nexenio die Idee für die Bundesdruckerei weiter. Das Bundes-Unternehmen kümmert sich auch um neue Abnehmer, die von der Nexenio-Lösung profitieren können.

In Berlin gibt es mehr als 100 Unternehmen, die an ähnlichen Produkten wie Nexenio arbeiten. Die Digital-Security-Branche ist seit Jahren auf Wachstumskurs. Nach Angaben einer Studie des Fraunhofer-Instituts Fokus beschäftigen die Firmen derzeit rund 3000 Mitarbeiter und erwirtschaften einen Jahresumsatz von etwa 460 Millionen Euro. Seit 2011 seien in der Hauptstadt-Region 13 Start-ups entstanden. Zahlreiche Universitäten und Forschungseinrichtungen würden dabei helfen, diesen Wirtschaftszweig weiter auszubauen, heißt es. Und Berlin sei auch im internationalen Vergleich gut aufgestellt, müsse aber noch an der Sichtbarkeit der Branche arbeiten.

Helfen soll dabei ein neues Unternehmensnetzwerk, das demnächst gegründet werden soll. „Die zunehmende Digitalisierung eröffnet viele neue Möglichkeiten für Wirtschaft, Forschung und Gesellschaft. Gleichzeitig nimmt damit auch die Verwundbarkeit der IT-Infrastrukturen und Systeme zu“, sagt der Staatssekretär in der Wirtschaftsverwaltung, Christian Rickerts (parteilos für Grüne). Das neue Netzwerk solle auch die Wirtschafts- und Innovationskraft der Branche nochmals steigern, erklärt der Politiker.

Noch mehr Ideen

Nexenio hat unterdessen schon weitere Ideen: Vor allem die verhaltensbasierte Authentifizierung mithilfe von Sensoren dürfte weitere Geschäftsmodelle hervorbringen. Die Bewegungsanalyse könnte etwa auch dazu genutzt werden, Hilfe zu rufen. Sensoren könnten erkennen, wenn ein Mensch in Ohnmacht fällt. Ein anderes Projekt ist weiter fortgeschritten.

Nexenio geht davon aus, dass die Technik mithilfe von Bewegungsanalysen auch Verletzungen von Spitzensportlern vorhersagen könnte. Ein Test laufe derzeit mit dem Australian Institute of Sport, sagt Patrick Hennig. Die Athleten können dabei übrigens getrost auf ihr Smartphone verzichten: Auch in Funktionsshirts sind heute die dafür notwendigen Sensoren eingenäht.

Das Unternehmen

Ausgründung

Nexenio ist im November 2015 von Patrick Hennig und Philipp Berger gegründet worden. Die Unternehmer hatten zuvor am Potsdamer Hasso-Plattner-Institut (HPI) studiert. Ziel von Nexenio ist es, Forschungsprojekte der Hochschule in Produkte umzusetzen. Der Austausch zwischen Nexenio und HPI ist deswegen sehr eng. HPI-Direktor Christoph Meinel ist einer der Gesellschafter des jungen Unternehmens.

Datensicherheit

Firmen stehen immer wieder im Visier von Hackern. Die Bereitschaft vieler Unternehmen, mehr Geld für den Schutz ihrer Betriebsgeheimnisse auszugeben, hat sich deswegen erhöht. Das spürt auch die Branche in Berlin: Laut einer Studie, die das Fraunhofer-Institut Fokus im Auftrag der Wirtschaftsverwaltung erstellt hat, haben sich seit 2011 13 Start-ups im Bereich Digital-Security in der Stadt gegründet. Derzeit erwirtschaften 3000 Mitarbeiter in mehr als 100 Unternehmen einen Umsatz von etwa 460 Millionen Euro jährlich.

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