Mobilität

Fahrdienst Blacklane nimmt Fahrt auf

Das Berliner Start-up Blacklane vermittelt jeden Monat Zehntausende Fahrten an Limousinen-Unternehmen.

Die Blacklane-Chefs Jens Wohltorf (r.) und Frank Steuer

Die Blacklane-Chefs Jens Wohltorf (r.) und Frank Steuer

Foto: Impress Picture - Buddy Bartelsen

Berlin.  Vor der großen schwarzen Limousine wartet Artur Silber. Er weiß genau, was seine Fahrgäste verlangen. Die Tür hält er wie selbstverständlich auf. Innen glänzt das Leder, stehen Wasserflaschen bereit. Wie es geht, fragt Silber, der seit vier Jahren für ein Berliner Chauffeur-Unternehmen arbeitet. Er ist fest angestellt und hat eine Lizenz zur Fahrgastbeförderung. „Mein Job macht mir Spaß. Ich lerne viele Leute kennen“, erzählt er. Dann zeigt Silber ein Foto des Schauspielers Moritz Bleibtreu, den er vor einigen Wochen mal durch Berlin gefahren hat. Mit derart illustren Fahrgästen bringt Silber ein Algorithmus zusammen, den das Berliner Start-up Blacklane entwickelt hat. Weltweit vermittelt das Unternehmen über das Internet Fahrten mit professionellen Chauffeuren in schwarzen Oberklasse-Limousinen.

Blacklane selbst besitzt allerdings weder Autos noch Fahrer. Die Kunden des Start-ups buchen über eine App, die Aufträge vermitteln die Berliner weiter an Partner-Firmen. Auch der Arbeitgeber von Artur Silber arbeitet mit Black­lane zusammen. Was 2011 mit einer Test-Website begann, hat sich zu einem gut laufenden Unternehmen entwickelt: Jeden Monat werden Zehntausende Fahrten über die Blacklane-App gebucht. Den Limousinen-Service bietet das Start-up in mehr als 50 Ländern und 260 Städten an.

Die meisten Kunden buchen in den USA und Europa. Ein neuer Investor soll dem Unternehmen jetzt dabei helfen, im Mittleren Osten Fuß zu fassen, sagt Blacklane-Geschäftsführer Jens Wohltorf. Rund 40 Millionen Euro soll Blacklane wohl in der letzten Finanzierungsrunde eingesammelt haben. Wohltorf selbst schweigt dazu, spricht nur von dem größten Betrag in der Black­lane-Geschichte. Neben den bestehenden Investoren Daimler und btov Partners legte auch der arabische Mischkonzern Alfahim frisches Geld auf den Tisch. Was macht den Berliner Fahrten-Vermittler so wertvoll?

Blacklane ist es gelungen, den Markt für professionelle Fahrdienste in das Internet zu ziehen. Bislang waren die Chauffeur- und Limousinen-Unternehmen nur wenig digitalisiert. Vor allem Konzerne und Privatleute mit dem nötigen Kleingeld buchten die Fahrten – und das direkt bei den jeweiligen Firmen. Das sei häufig aber viel teurer als nötig, sagt Blacklane-Gründer Jens Wohltorf. Die Branche krankte dabei auch an der ausufernden Regulierung: Anders als Taxi-Fahrer müssen Chauffeure nach einem Auftrag zu ihrem Betriebssitz zurückkehren, können nicht etwa am Flughafen auf neue Fahrgäste warten. Blacklane hat mit dem zentralen Buchungssystem nun für mehr Limousinen-Verkehr gesorgt. „Wir haben uns zunutze gemacht, dass diese Industrie nicht gut ausgelastet ist“, erklärt Wohltorf.

Jede gebuchte Fahrtfindet garantiert statt

Das System Blacklane beginnt mit einem Versprechen: Bucht ein Kunde, findet die Fahrt auch garantiert statt. „Das ist unser Verkaufsargument“, sagt der Gründer. Und mitunter ist es teuer erkauft. Zwar ist der Fahrpreis für die Blacklane-Kunden – natürlich abhängig von der Strecke – immer gleich. Die Limousinen-Unternehmen verdienen allerdings mit einer Fahrt unterschiedlich viel.

Das liegt an dem Auktions-System, das Blacklane für die Fahrer entwickelt hat: Bucht ein Kunde etwa eine Fahrt für 100 Dollar, stellt Blacklane die Anfrage für deutlich weniger Geld in ein internes System. Schlägt ein Fahrer ein, muss er die Fahrt durchführen. Ansonsten steigt der Preis so lange, bis ein Unternehmen annimmt. Mitunter zahlt Blacklane deswegen auch drauf. Laut Wohltorf sei davon ein kleiner einstelliger Prozentsatz aller Fahrten betroffen. Demgegenüber stehen Buchungen, bei denen das Unternehmen mehr Marge erzielt. „Wir sind gesund. Jeder Markt für sich ist profitabel“, sagt Wohltorf.

Das lockt naturgemäß Investoren an. Der Automobilkonzern Daimler hat Black­lane bereits vor vier Jahren mit Geld ausgestattet. Jetzt ist Alfahim aus Abu Dhabi dazugekommen. Bislang verdiente das Unternehmen aus den Emiraten sein Geld auch im alten Automobilbereich. Wer im Mittleren Osten etwa einen Porsche kaufen wollte, musste das in einem der Autohäuser von Alfahim machen. Doch das Geschäft verändert sich. Die junge Generation interpretiert Mobilität anders: Das Auto hat als Statussymbol ausgedient. Immer mehr Sharing-Dienste setzen sich durch. Deswegen sind auch andere Mobilitätslösungen wie MyTaxi, Uber oder Lyft bei Geldgebern gefragt.

In die Metropolen und wieder hinaus

Das Berliner Start-up Blacklane will die neueste Finanzspritze nun für das weitere Wachstum nutzen. Am Ende dieses Jahres soll der Blacklane-Dienst bereits in rund 300 Städten auf der Welt verfügbar sein. Der neue Investor soll jetzt vor allem dabei helfen, im arabischen Raum Fuß zu fassen. Blacklane will aber auch endlich seine neueste Erwerbung in den bestehenden Dienst integrieren. Im Oktober des vergangenen Jahres hatten die Berliner Solve gekauft, einen Airport Concierge Service. „Wir wollen den Stress aus der Reise nehmen“, sagt Jens Wohltorf mit Blick auf die Neuerwerbung. Mit dem Dienst Solve, der bald Blacklane Pass heißen soll, wollen die Berliner die Lücke zwischen Flugzeug und Auto schließen. Der Concierge Service am Airport soll dem Business-Kunden die Gepäck-Suche abnehmen und die Einreise erleichtern.

Der Blacklane-Chef hat ambitionierte Ziele, kennt aber auch seine Grenzen. Den Kurzstrecken-Markt in der Stadt, der von den Taxis dominiert wird, will er nicht angehen. Blacklane konzentriere sich darauf, die Menschen in die Me­tropolen und wieder hinaus zu bringen, sagt er. Wachstumsmöglichkeiten sehe das Berliner Unternehmen auch im Verkehr zwischen den Städten. Kurzstreckenflüge, Züge und Mietwagen hat Wohltorf dabei als Konkurrenz ausgemacht. Der Flug von München nach Zürich etwa koste ein Vermögen, sagt er. Mit einer Fahrt sparten Kunden Zeit am Flughafen und könnten währenddessen arbeiten, so Wohltorf. Diesen Markt müsse sein Unternehmen aber neu erfinden. „Wir werden dem Kunden beibringen müssen, dass er fahren könnte, auch wenn er heute noch gar nicht daran denkt“, erklärt Wohltorf.

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