Junge Profis

Bei der Digitalisierung sollen alle mitreden können

Leonie Beining will unsere Gesellschaft mitgestalten. Darum entwickelt die Projektmanagerin Ideen für die Stiftung Neue Verantwortung.

Leonie Beining hat Politik- und Verwaltungswissenschaften studiert.

Leonie Beining hat Politik- und Verwaltungswissenschaften studiert.

Foto: Sven Lambert

Berlin.  Leonie Beining will etwas verändern. Darum arbeitet die 31-Jährige bei der Stiftung Neue Verantwortung in Berlin. Als Mitarbeiterin in dieser Denkfabrik, einem sogenannten Thinktank, setzt sie sich mit Fragen auseinander, die gesellschaftlich relevant sind oder es voraussichtlich werden.

Beining hat sich auf Projekte spezialisiert, in denen es vor allem um diese Frage geht: Wie kann Deutschland bei der Digitalisierung vorankommen? Gerade hat sie ein Projekt abgeschlossen, das nächste wartet schon auf sie und ihre Mitstreiter.

Den Begriff „Denkfabrik“ mag die Projektmanagerin eigentlich gar nicht. „Das klingt so nach Fließband. Ich bevorzuge Expertenorganisation“, sagt sie und erklärt: „Wir entwickeln Vorschläge und Empfehlungen für Politik und Gesellschaft, wie die Digitalisierung gelingen kann, sodass sie allen Teilen der Gesellschaft zugutekommt.“

Zivilgesellschaft soll mehr mitreden können

Das Projekt, an dem Leonie Bei­ning zuletzt mitgewirkt hat, hieß „Gemeinwohl im digitalen Zeitalter“. Es hatte zum Ziel, Organisationen der Zivilgesellschaft, zum Beispiel Stiftungen und Wohlfahrtsverbände, für das Thema Digitalisierung zu sensibilisieren, erklärt die Projektmanagerin. „Wir möchten sie befähigen, sich an der politischen und gesellschaftlichen Debatte über die Gestaltung der Digitalisierung zu beteiligen.“

Denn bislang werde die Richtung in der Digitalisierung vor allem von wirtschaftlichen Interessen bestimmt, sagt Beining. „Gemeinwohlorientierte Akteure fehlen in der Diskussion, was dazu führt, dass gesamtgesellschaftliche Interessen weniger Berücksichtigung finden.“

Ihre Aufgabe im Projekt bestand darin, Workshops inhaltlich und organisatorisch vorzubereiten, Stellungnahmen und Vorträge zu verfassen sowie an Diskussionsveranstaltungen teilzunehmen. „Das wird auch im neuen Projekt so sein“, kündigt sie an. Und freut sich auf die neue Aufgabe: Das Projekt verspreche, noch spannender zu werden.

Komplizierte Materie

„Seit Oktober dieses Jahres beschäftige ich mich mit einem Projekt, das Designprinzipien für gemeinwohlorientierte Algorithmen entwickeln will“, erklärt sie ein wenig kryptisch. Sie versucht, die kompliziert klingende Materie zu veranschaulichen: „Algorithmen sind mathematische Verfahren, die verwendet werden, um Datensätze zu analysieren und daraus Erkenntnisse zu gewinnen oder Entscheidungen abzuleiten.“

Heute werde im Internet bereits vieles über Algorithmen gesteuert, zum Beispiel welche Meldungen einem in sozialen Netzwerken angezeigt werden, wie die Ergebnisse in Suchmaschinen sortiert sind oder welchen Weg der Routenplaner empfiehlt. „Algorithmische Entscheidungsfindung wird somit in immer mehr zentraleren Lebensbereichen eingesetzt“, sagt Beining. Und zukünftig werde sie eine noch größere Rolle spielen. „An der Stelle wollen wir ansetzen und Vorschläge entwickeln, wie der Umgang mit dieser wichtigen Technologie für alle in der Gesellschaft gut funktionieren kann.“

Viele Wege führen in die Stiftung

An der Zukunft der Gesellschaft mitarbeiten – wie kommt man eigentlich zu solch einem verantwortungsvollen Job? „Es gibt sicher nicht den einen Weg. Meine Kollegen haben ganz unterschiedliche Werdegänge“, sagt die 31-Jährige. Voraussetzung sei Fachwissen in einem der Projektthemen – oder zumindest die Fähigkeit und der Wille, sich schnell in ein neues Themengebiet einzuarbeiten.

„Es schadet auf keinen Fall, wenn man in der Universität oder in Praktika schon ein gewisses Profil entwickelt hat“, glaubt Beining. Auch eine Promotion könne hilfreich sein. „Man sollte Lust am Schreiben und keine Angst haben, öffentlich aufzutreten“, erklärt sie.

Studium in Konstanz und Potsdam

Leonie Beining selbst hat Politik- und Verwaltungswissenschaft an den Unis Konstanz und Potsdam studiert und 2012 abgeschlossen. Auslandsemester absolvierte sie in Frankreich und Norwegen. Über etliche Praktika und Studentenjobs während und nach dem Studium fand sie ihren Weg zur Stiftung.

So arbeitete sie zum Beispiel im Jahr 2007 im Senegal für die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ, heute Deutsche Gesellschaft für Inter­nationale Zu­sammenarbeit, GIZ). Im Jahr darauf war sie im Europäischen Parlament in Brüssel tätig. Und schon da merkte Leonie Beining, dass sie sich „beruflich gern für die Gesellschaft einsetzen möchte“, erzählt sie.

Über Jobs als wissenschaftliche Hilfskraft an der Universität Potsdam, beim Potsdamer Forschungs- und Technologieverbund Progress sowie bei der Stiftung Wissenschaft und Politik kam sie schließlich zu ihrer jetzigen Anstellung.

Freiheit, sich inhaltlich austoben zu können

Beining hat sichtlich Spaß an ihrer Arbeit. Digitalisierung sei das Thema der heutigen Zeit. „Ich kann mich langfristig damit und mit anderen wichtigen Themen auseinandersetzen, Ideen entwickeln und vielleicht Veränderungen anstoßen“, sagt sie. Auch das Arbeitsklima stimme: Die Hierarchie sei flach, das Team jung, und sie habe „die große Freiheit, sich inhaltlich austoben zu können“. Auch finanziell stimmt es: „Die Bezahlung im Thinktank sowie im Bereich der Politikberatung orientiert sich in der Regel am öffentlichen Dienst“, sagt Beining.

Die Digitalisierung soll auch weiterhin ihr Thema bleiben. „Ich möchte mich in dem Themenfeld weiterentwickeln.“ Man dürfe die Fortschritte und Entscheidungen nicht der Wirtschaft allein überlassen, sagt sie und hofft, dass die Vorschläge, die sie und ihre Kollegen bei der Stiftung entwickeln, „Gehör finden und politisch umgesetzt werden“.