Neue IC2-Züge

Von Berlin nach Frankfurt in 3,5 Stunden

Die Deutsche Bahn investiert 35 Milliarden Euro in ihr Schienennetz. Neuer IC2-Doppelstockzug kommt dieses Jahr.

Mehr Komfort, mehr Service, mehr Platz: Der neue Intercity hat es in sich – und das auf zwei Ebenen! Denn der Intercity 2 ist ein großzügiger Doppeldecker.

Mehr Komfort, mehr Service, mehr Platz: Der neue Intercity hat es in sich – und das auf zwei Ebenen! Denn der Intercity 2 ist ein großzügiger Doppeldecker.

Foto: Volker Emersleben / Deutsche Bahn AG

Berlin.  Rüdiger Grube lässt seiner Begeisterung freien Lauf. Wenn der Bahn-Chef über die neue Zuggeneration ICE 4 spricht, strahlen seine Augen wie in Kindertagen. „Ich gehöre zu den wenigen Glücklichen, die den neuen Zug steuern durften.“ Mit 120 Stundenkilometern sei er im Führerstand über die Teststrecke bei Krefeld gefahren. In der Spitze soll der neue ICE 4, der von Siemens entwickelt wird, mit 250 km/h über die Schienen rollen. „Das war ein tolles Erlebnis.“ Die neuen Züge zählen mit einem Volumen von sechs Milliarden Euro zu dem größten Auftrag, den die Bahn jemals an einen Hersteller vergeben hat. Beeindruckend sei schon jetzt die Fahrdynamik. „Der Zug ist leise und liegt weich auf der Schiene“, schwärmt Grube. „Die Innenausstattung bietet viel Platz und unterschiedliche atmosphärische Beleuchtung, je nach Tageszeit.“ Ab Juni 2017 soll der neue Zugtyp zum Einsatz kommen. Doch zuvor soll er erst ein Jahr lang mit geladenen Fahrgästen getestet werden, um möglichst alle Kinderkrankheiten zu beseitigen. „Ganz so, wie dies in der Flugzeug- und Autoindustrie üblich ist“, unterstreicht Grube, „um mögliche Mängel zu vermeiden.“

Doch schon in diesem Jahr dürfen sich die Fahrgäste über eine neue Zugreihe freuen, die gestern am Kaiserbahnhof in Potsdam Premiere feierte. Der neue Intercity 2 ist ein doppelstöckiger Zug. Insgesamt 120 Exemplare sollen bis 2030 die bisherigen IC-Modelle ersetzen. Der Zug hat extrabreite Einstiege für Rollstuhlfahrer, die den mitunter großen Abstand zwischen Bahnsteig und Waggon automatisch überbrücken. Erstmals gibt es auch neun Plätze für Fahrräder, allerdings ist eine Reservierung dafür Pflicht. Die blauen Stoffsitze sind nicht ganz so bequem wie im ICE, aber deutlich komfortabler als im Regionalexpress. Ein Bistro ist zwar nicht an Bord. Doch das Zugpersonal liefert kleine Speisen und Getränke direkt an den Platz. Im Obergeschoss ist ein Familienabteil eingerichtet worden, bunt gestaltet und mit viel Platz für Kinderwagen.

Der IC2 wird im Dezember erstmals zwischen Norddeich Mole und Dresden verkehren. Bis 2030 will die Bahn im Zweistundentakt alle Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern mit diesem Zugtyp an das Fernverkehrsnetz anbinden. Die Vorstandsvorsitzende der DB Fernverkehr Birgit Bohle ist zuversichtlich, dass die notwendige Betriebsgenehmigung für den Einsatz des mit zweijähriger Verspätung ausgelieferten Zuges rechtzeitig erteilt wird.

35 Milliarden Euro Investitionen in Schienennetz

Die Deutsche Bahn hat sich große Ziele gesetzt. Bis 2030 sollen 50 Millionen neue Kunden im Fernverkehr gewonnen und die gefahrenen Zugkilometer um ein Viertel auf 162 Millionen erweitert werden. Dazu werden in das Schienennetz schon bis 2019 insgesamt 35 Milliarden Euro investiert. „Wir wollen dadurch Engpässe auflösen und die Bahn noch pünktlicher und verlässlicher machen“, sagte Grube. Da die Baumaßnahmen bei laufendem Betrieb erfolgen, sei jedoch auf einzelnen Strecken mit Beeinträchtigungen zu rechnen.

Ein entscheidender Meilenstein sei die Eröffnung der neuen Hochgeschwindigkeitstrasse zwischen Halle und Erfurt, die für den bundesweiten Fahrplan für viele neue und schnellere Verbindungen sorgen wird. „Schon ab 2017 fährt der Sprinter die Strecke Berlin-München in nur noch 3 Stunden und 45 Minuten“, schwärmt Grube. Auch zwischen Berlin und Frankfurt werden die Sprinter bereits ab Dezember nur noch 3,5 Stunden benötigen. Auf der Trasse werden die Züge mit bis zu Tempo 300 verkehren können.

Reisen von Tür zur Tür buchbar

Wenngleich die Bahn in ihren Zügen in der zweiten Klasse frühestens Mitte nächsten Jahres Internetverbindungen anbieten kann, arbeitet der Staatskonzern an immer neuen digitalen Angeboten. So kann die BahnCard ab sofort auch als Handy-Ticket aufs Smartphone geladen werden. Zudem können Platzreservierungen künftig noch individueller nach Fahrtrichtung, am Fenster oder Tisch gebucht werden. Über die DB-Navigator-App sollen Reisen künftig auch von Tür zu Tür gebucht werden, statt bislang nur von Bahnhof zu Bahnhof.

Die Bahn ist mit rund 7000 Fahrzeugen, davon 1000 Elektroautos, die über Flinkster angeboten werden, schon heute der größte Carsharing-Anbieter in Deutschland, sagt Grube. Mit dem Angebot Flinkster Connect sollen mit der Zugkarte vom Fahrplanwechsel an auch Autos und Fahrräder direkt dazugebucht werden können.