Lehrstellen

Wirtschaft gibt Berlins Schülern Orientierung bei Berufswahl

40 Prozent der Berliner Auszubildenden brechen ihre Lehre ab. Damit sich das ändert, werden Lehrer in Berufsbildung geschult

Wirtschaft uns Senat wollen Schülern eine bessere Berufsorientierung gaben. Christian Amsinck, Chef der Unternehmensverbände, und Bildungssenatorin Sandra Scheeres stellen das Konzept vor

Wirtschaft uns Senat wollen Schülern eine bessere Berufsorientierung gaben. Christian Amsinck, Chef der Unternehmensverbände, und Bildungssenatorin Sandra Scheeres stellen das Konzept vor

Foto: Jürgen Stüber / BM

Die Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg wollen Schülerinnen und Schüler besser auf das Berufsleben vorbereiten. Im Rahmen der am Montag präsentierten SchuleWirtschaft-Akademie sollen Lehrkräfte besser auf die Aufgabe der Berufsbildung vorbereitet werden, um Schülern eine bessere Berufs- und Studienorientierung vermitteln zu können.

„Eine gute Ausbildung ist eine wichtige Etappe im späteren Berufsleben und ein Meilenstein zur Sicherung des Fachkräftebedarfs“, sagte Christian Amsinck, Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin Brandenburg (UVB). „Dem Ausbildungsmarkt darf kein Mensch verloren gehen“, ergänzte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD).

Hohe Abrecherquote bei Berufsausbildung

In Berlin gibt es Handlungsbedarf. Zwar gibt es in diesem Jahr mehr betriebliche Ausbildungsstellen (plus 4,7 Prozent) und noch offene Stellen. Allerdings brechen 40 Prozent der Auszubildenden in Berlin ihre Lehre ab, wie Arndt Schnöring, Generalsekretär der Stiftung der deutschen Wirtschaft, sagte. Im Bundesdurchschnitt sind es nur 28 Prozent.

Scheeres führt diese Diskrepanz auf die Sozialstruktur Berlins und die hohe Zahl von Schülern mit Migrationshintergrund zurück.

In der Industrie, wo eine Ausbildung bis zu 80.000 Euro kostet, liegt die Abbrecherquote bei zehn Prozent, wie Amsinck sagte.

Häufig unrealistische Vorstellungen

„Die Jugendlichen haben häufig unrealistische Vorstellungen.“ Mit der neuen Berufsbildungsinitiative sollen die Jugendlichen erkennen, was hinter dem Beruf steht, ihre eigene Stärken feststellen und sich selbst besser einschätzen zu können, um Frustrationen zu vermeiden, sagte die Bildungssenatorin.

Die SchuleWirtschaft-Akademie soll Fortbildungen für Lehrer anbieten. Bewerbungstrainings und Workshops sind für Schüler geplant. Der UVB hat einen fünfstelligen Betrag für das Projekt bereit gestellt.

UVB fordert fünf Jahre Bleiberecht für Azubis

Der UVB will auch Flüchtlinge in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt integrieren. „Hier müssen wir den unterschiedlichen Qualifikationsniveaus Rechnung tragen. Zunächst müsse es darum gehen, die Sprachkompetenz der jugendlichen Flüchtlinge zu stärken.

„Wir brauchen Klarheit, dass Flüchtlinge ihre Ausbildung auch abschließen können“, sagte er in Richtung Politik. Der UVB-Chef sprach sich für ein mindestens fünfjähriges Bleiberecht aus: drei Jahre für die Ausbildung plus zwei Jahre für Berufserfahrungen.

Senatorin Scheeres sprach sich gegen die Abschiebung von Flüchtlingen während ihrer Ausbildung aus und versicherte, das Thema aus aktuellem Anlass am Dienstag im Senat zur Sprache zu bringen.

Unter den Flüchtlingen aus Syrien seien engagierte junge Leute mit überraschend guten Deutschkenntnissen. „Es gibt aber auch eine andere Gruppe, die über Jahre keine Bildung erhalten hat.“ Scheeres will die Willkommensklassen von 3000 auf 5000 Kunder und Jugendliche aufstocken.

Gemeinsame Standards für die Berufsausbildung

„Wir wollen gemeinsame Standards der Berufsbildung entwickeln“, sagte Scheeres. Dazu werden im Oktober Berufsagenturen in vier Bezirken geschaffen. In den Integrierten Sekundarschulen seien Berufsorientierungsteams eingerichtet worden. Auch für Gymnasien sollen nun Konzepte entwickelt werden. Sie beinhalten zunächst die Qualifizierung der Lehrkräfte. Das Thema Berufsbildung solle Teil des Rahmenlehrplans werden.

Die Stiftung der Deutschen Wirtschaft hat bereits 200 Berliner Lehrer fortgebildet. Sie will nun verstärkt Angebot für die Sekundarstufe eins anbieten und testen, nachdem die Programme für die Oberstufe laufen. Die Stiftung konzentriert sich dabei auf die Bereiche Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.

„Berufe in diesen Bereichen sind bei Schülern unbekannt“, sagte Schnöring. 40 Unterrichtsbausteine werden gerade entwickelt, auch längere Einheiten für sind Projekterkundungen geplant.

„Man kann von Lehrern nicht erwarten, dass sie das nebenher machen“, sagte Schnöring. Deshalb gebe es Freistunden für Lehrer, die sich in diesem Bereich engagieren, entgegnete Senatorin Scheeres.