Germanwings

Streik - In Berlin-Tegel fallen Dutzende Flüge aus

Die Piloten der Lufthansa-Tochter Germanwings streiken zwei volle Tage. Ab heute fallen auch in Berlin rund 60 Prozent aller Flüge des Billigfliegers aus.

Foto: pa/dpa

Der am Donnerstagmorgen begonnene zweitägige Streik der Piloten der Lufthansa-Tochter Germanwings führt in Berlin-Tegel wie angekündigt zum Ausfall von zwei Dritteln der geplanten Flüge des Unternehmens. Bereits am Mittwochnachmittag hatte Germanwings die Streichung von 48 von normalerweise 72 An – und Abflügen bekannt gegeben. Laut Informationen des Flughafens bleibt es am Donnerstag bei diesen geplanten Streichungen, die ersten Flüge seien ausgefallen. Am Freitag sollen dann dem Streik laut Unternehmen nur noch etwa gut 30 Flüge von und nach Tegel zum Opfer fallen.

Welche Flüge jeweils betroffen sind, ist auf der Internetseite von Germanwings abzulesen. Der Ausstand trifft neben Berlin vor allem Köln, Düsseldorf, Hamburg und Stuttgart. Das Unternehmen hofft, einen Großteil der Passagiere umbuchen zu können. Auf jeden Fall sollen Reisende sich vor Flugantritt auch über das Internet informieren, ob ihr Flug auch stattfindet.

Bei der Lufthansa-Tochter sieht man den am Mittwoch erarbeiteten Ersatzflugplan vor dem Hintergrund des Streiks durchaus als Erfolg. 80 Prozent aller gebuchten Passagiere, so heißt es von Seiten des Billigfliegers, würden an ihr Ziel gebracht. Am Mittwochmittag stellte die Fluggesellschaft eine Liste aller abgesagten Flüge auf ihre Internetseite.

Kostenlos umbuchen

Europaweit wurden bis Mittwochnachmittag 158 Flüge gestrichen. Betroffen sind von den Ausfällen in Tegel neben innerdeutschen Flügen auch internationale Verbindungen nach Paris, Moskau oder London. Um ihre Fluggäste trotz des Streiks zu befördern, greift die Airline auf Reservepersonal aus dem Management zurück. So würden, wie bei Streiks üblich, Piloten aus dem internen Dienst in die Cockpits steigen, hieß es aus dem Unternehmenssitz in Köln.

Unterstützung bekommt Germanwings auch innerhalb des Konzerns: So ersetzen 23 Maschinen der nicht bestreikten Schwestergesellschaft Eurowings ausfallende eigene Flieger. Auch von anderen Fluggesellschaften wurden Maschinen und Crews angemietet. Vom Streik betroffene Passagiere sollten noch am Mittwoch per SMS oder über ihr mobiles Postfach informiert werden und bei Bedarf auf Flüge von Lufthansa, Swiss und Austrian Airlines umgebucht werden. Über den Flugplan für Freitag sollte noch am späten Mittwochabend ebenfalls auf der Internetseite der Lufhansa-Tochter informiert werden.

Ihren Fluggästen bietet Germanwings an, über die Internetseite oder im Callcenter der Airline kostenlos zu stornieren oder umzubuchen. Auch ein Ausweichen auf Verbindungen mit der Bahn sei möglich, entsprechende Gutscheine würden ebenfalls von Germanwings am Flughafen oder im Callcenter ausgestellt. Die Hotline unter der Nummer 0180 63 20 320 war allerdings schon am Mittwochmittag überlastet. Die Bahn stelle sich auf zusätzliche Kundenströme ein und werde bei Bedarf auch weiteres Personal an Ticketschaltern und auf Bahnhöfen einsetzen, sagte ein Deutsche Bahn-Sprecher der Berliner Morgenpost.

Streit um Übergangsrenten

Auch bei Air Berlin, wo am Donnerstag und Freitag insgesamt 70.000 Passagiere mit zusammen 400 Flügen von, über und nach Berlin-Tegel transportiert werden, ist man nach Auskunft einer Sprecherin auf zusätzliche Anfragen vorbereitet. Am Airport TXL selbst rechnet Flughafen-Sprecher Lars Wagner nicht mit Chaos: „Die Erfahrung der vergangenen Streiks zeigt, dass die meisten Passagiere rechtzeitig informiert sind und bei Streichung ihres Fluges gar nicht erst zum Flughafen kommen.“

Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit hatte ihre Mitglieder unter den rund 700 Germanwings-Piloten zum Ausstand aufgerufen, nachdem die tariflichen Probleme rund um die Übergangsversorgung der Piloten nach wie vor ungelöst waren. Diese werden nach dem Lufthansa-Konzerntarifvertrag bezahlt. Die VC wirft der Lufthansa vor, auf einer deutlichen Verschlechterung zu beharren und die Übergangsrenten für junge Piloten ganz abschaffen zu wollen. Es seien mehrfach Vorschläge für eine Gesamtschlichtung gemacht worden, sagte VC-Vize-Sprecher Markus Wahl. „Aber die Lufthansa hat alle Vorschläge ausgeschlagen. Irgendwann ist der Bogen überspannt.“

Nach Ansicht der Lufthansa würde die künftig angebotene Übergangsversorgung auch nach der Neuregelung eine der besten in der Branche weltweit bleiben. Sie habe der Gewerkschaft erst in dieser Woche eine Teilschlichtung zu dieser Frage angeboten. Die Streikankündigung zeige, dass es der Pilotengewerkschaft nicht eigentlich um eine Lösung gehe.

Im vergangenen Jahr hat die VC bei den Gesellschaften Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings zu insgesamt zehn Streiks aufgerufen, nur einmal sagte sie den Ausstand kurzfristig ab. Das Unternehmen hat den Schaden auf rund 200 Millionen Euro beziffert, rund 7400 Flüge fielen aus, 850.000 Passagiere waren betroffen. Erst am vergangenen Montag waren die Flughäfen in Hamburg und Stuttgart durch Warnstreiks von Sicherheitspersonal nahezu lahmgelegt worden. Zehntausende Passagiere mussten umbuchen oder nahmen stundenlange Wartezeiten vor dem Abflug in Kauf. Auch in Hannover hatten Beschäftigte die Arbeit niedergelegt, allerdings ohne größere Auswirkungen.

Fluggäste sollten sich frühzeitig vor Reiseantritt auf der Seite der Berliner Flughäfen oder auf der Homepage von Germanwings über den Notflugplan informieren.