Bei Air Berlin ist die Lage seit Jahren ernst. Das Unternehmen schreibt rote Zahlen, die Sparprogramme greifen, helfen aber nicht. Jetzt plant Firmenchef Wolfgang Prock-Schauer die grundlegende Sanierung der angeschlagenen Fluggesellschaft. Dabei soll das, was Branchenexperten als größtes Problem des Unternehmens ansehen, bestehen bleiben – das Geschäftsmodell. Prock-Schauer sieht an anderer Stelle Potenzial, um in zwei Jahren Gewinn auszuweisen. „2016 ist für uns das Schlüsseljahr“, sagte er.
Der Konzernchef ist optimistisch. Er sprach sogar davon, dass die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft nach Lufthansa 2016 deutlich „über der Nulllinie liegen“ wolle. Bisher ist das Unternehmen weit davon entfernt. Für 2013 wies Air Berlin einen Verlust von 315,5 Millionen Euro aus, bei 4,15 Milliarden Euro Umsatz. Im ersten Halbjahr 2014 waren es 201,2 Millionen Euro Verlust bei 1,91 Milliarden Euro Umsatz. Immerhin, der Verlust schrumpft. Im zweiten Quartal gab es sogar einen Nettogewinn – allerdings wegen Währungseffekten. So wird Kerosin in Dollar bezahlt, die Fluggesellschaft sichert sich gegen Kursschwankungen ab und wies hier Gewinn aus.
Der Standort Berlin wird gestärkt
Prock-Schauer gewährte einen ersten Blick auf die neue Air Berlin. So wird das Unternehmen künftig an weniger Flughäfen Flugzeuge stationieren, wodurch die Kosten sinken. Es trifft Münster/Osnabrück, Hannover, Dortmund, Erfurt und Dresden. Gestärkt werden dafür Berlin und Düsseldorf, wohin rund 100 Piloten von November an ihren Arbeitsort verlegen müssen. Anfliegen will das Unternehmen die Standorte aber weiter. Auch sind neue Langstreckenflüge geplant, etwa von Berlin aus nach Abu Dhabi.
Gleichzeitig überarbeitet Air Berlin das Streckennetz. Künftig konzentriert sich das Unternehmen auf Deutschland, Österreich, die Schweiz und die Flüge von und nach Palma de Mallorca. Etwa zehn Prozent der Sitzplätze fallen weg, zehn Maschinen werden ausgemustert. Auch will Prock-Schauer den Flugzeugeinsatz vereinfachen und die Maschinen tendenziell im Winter warten, um im Sommer auf möglichst viele zurückgreifen zu können.
Marktbeobachter zweifeln am Konzept
Auch will Air Berlin sich enger mit Alitalia verbinden. Wie genau, werde derzeit erarbeitet, hieß es. Die Berliner und die Italiener verbindet der größte Anteilseigner: die arabische Fluggesellschaft Etihad. Sie hat sich vor kurzem mit 49 Prozent bei der schwer angeschlagenen Alitalia eingekauft und hält knapp 30 Prozent an Air Berlin. Die Großaktionäre vom Golf halfen Air Berlin seit dem Einstieg 2011 mit etwa 800 Millionen Euro und Sachleistungen wie neuen Flugzeugsitzen.
Marktbeobachter zweifeln am Sanierungsprogramm. Sie glauben, dass Air Berlin in zu vielen Geschäftsfeldern unterwegs ist: im Tourismusmarkt, als Billiganbieter, im Langstreckenverkehr und als Zubringer für das Flugnetz von Etihad. Prock-Schauer sieht das nicht so: „Air Berlin wird auch in Zukunft die drei Segmente Europa, Touristik und Langstrecke bedienen“, sagte er. „Was wir substanziell ändern werden, ist die Art und Weise, wie wir unser Geschäft betreiben und den Markt bearbeiten.“ Das komplette Sanierungsprogramm will er im September vorstellen.


