Pharmabranche

Bayer kauft Krebsspezialisten Algeta aus Norwegen

Algeta zierte sich nur ein bisschen. Doch nachdem Bayer sein Übernahmeangebot auf 1,9 Milliarden Euro nachbesserte, nahm der norwegische Krebsspezialist an. Nun müssen noch die Aktionäre zustimmen.

Foto: Oliver Berg / dpa

Der Pharmakonzern Bayer hat sein Übernahmeangebot für den norwegischen Krebsspezialisten Algeta aufgebessert und erreichte damit sein Ziel. Das Management des norwegischen Partners stimmte der Offerte zu. Rund 1,9 Milliarden Euro statt bislang knapp 1,8 Milliarden Euro will der Pharma- und Chemiekonzern für die Firma aus Oslo nun bezahlen.

Sollten die Aktionäre der Übernahme zustimmen, würde Bayer dadurch sein in Berlin gebündeltes Geschäft mit der Krebsmedizin stärken. Sie ist eines der Kerngebiete von Bayer im Pharmageschäft. Mehr als 4800 Mitarbeiter sind in der Hauptstadt beschäftigt. Fast die Hälfte davon sind in Forschung und Entwicklung tätig.

Weltweit 84 Milliarden Umsatz mit Krebsmedikamenten pro Jahr

Krebsmedikamente zählen für Pharmakonzerne zu den größten Umsatzbringern. Behandlungserfolge sind bisher begrenzt. Daher können die Unternehmen für biotechnologisch entwickelte Mittel hohe Preise verlangen. Sie reichen bis zu 10.000 Dollar (rund 7400 Euro) oder mehr pro Monat für ein bestimmtes Medikament.

Im vergangenen Jahr wurden weltweit 84 Milliarden Dollar mit Krebsmedikamenten umgesetzt. Nur mit Behandlungen des zentralen Nervensystems wurde laut Daten von EvaluatePharma mehr erzielt. Der Umsatz mit Krebsmitteln soll mit acht Prozent pro Jahr schneller wachsen als der mit Präparaten für alle anderen Krankheiten und bis 2018 zum größten Markt der Branche werden.

Insofern macht die geplante Übernahme des Krebsspezialisten Algeat für Bayer durchaus Sinn. Die beiden arbeiten schon seit 2009 bei dem Prostatakrebsmittel Xofigo zusammen. Das Präparat zählt zu den fünf wichtigsten neuen Arzneien der Leverkusener. Konzernchef Marijn Dekkers traut Xofigo – alle Therapiefelder zusammengenommen – mehr als eine Milliarde Euro Umsatz im Jahr zu. Xofigo gibt radioaktive Alphastrahlung ab und soll so gezielt gegen Krebszellen in den Knochen wirken. Erst unlängst wurde die Arznei in Europa zur Behandlung von Prostatakrebs-Patienten mit Knochenmetastasen zugelassen.

Bayer hat die Zulassung für Xofigo in der EU

Im November hatte Bayer die Zulassung für Xofigo innerhalb der EU erhalten. Die US-Gesundheitsbehörde FDA hatte das Mittel bereits im Mai für die Vereinigten Staaten, den größten Gesundheitsmarkt der Welt, genehmigt. In den USA vertreiben Algeta und Bayer das Medikament gemeinsam, die Norweger erhalten die Hälfte der Einnahmen. Außerhalb der USA bekommt Algeta erfolgsabhängige Zahlungen und wird von Bayer an den Umsätzen in zweistelliger Prozenthöhe beteiligt. Im dritten Quartal erzielte Bayer mit Xofigo zwölf Millionen Euro Umsatz. Das neue Mittel ist einer der großen Hoffnungsträger des in Berlin gebündelten Geschäfts mit Krebsmedikamenten.

Auf dem Markt ist derzeit viel Bewegung. Im August hatte Weltmarktführer Amgen für rund zehn Milliarden Dollar den kleineren Rivalen Onyx übernommen, der bereits seit Jahren mit Bayers Biotech-Sparte in Berlin zusammenarbeitet. Dabei handelte es sich um eine der größten Übernahmen in der Biotechnologie-Branche.

Den Algeta-Eignern bietet Bayer nun 362 Kronen je Aktie in bar statt der bislang offerierten 336 Kronen (umgerechnet rund 40 Euro), teilte Bayer mit. Das norwegische Management stimmte der Übernahme einstimmig zu und empfiehlt seinen Anteilseignern, das Angebot anzunehmen. Die Bayer-Aktie entwickelte sich mit plus 1,2 Prozent etwas schwächer als der insgesamt recht positive Gesamtmarkt.

„Beträchtlicher Baraufschlag für Aktionäre“

Der Angebotspreis liegt 37 Prozent über dem Schlusskurs vom 25. November, dem Tag bevor die Nordeuropäer das nicht bindende Übernahmeangebot von Bayer erhalten hatten. Rund 14 Prozent der Algeta-Aktien wurden laut Mitteilung von Bayer bereits angedient. „Wir sind der Auffassung, dass das Angebot den strategischen Wert von Algeta anerkennt und den Algeta-Aktionären einen beträchtlichen Baraufschlag gewährt“, so Stein Holst Annexstad, Vorsitzender des Board of Directors von Algeta. Seine Position entspricht in etwa der eines Vorstandsvorsitzenden einer deutschen Aktiengesellschaft, ist aber wegen unterschiedlicher Strukturen nicht ganz vergleichbar.

Bayer kündigte an, das Angebot über seine Tochter Bayer Nordic SE zu veröffentlichen, sobald das Prospekt von der Börse in Oslo freigegeben ist. Bayer stellt die Offerte unter den Vorbehalt, dass mindestens 90 Prozent der Algeta-Aktien angedient werden. Zudem müssen die Kartellbehörden die Übernahme abnicken. Bayer erwarte, dass die Übernahme schon im Verlauf des Auftaktquartals 2014 genehmigt und vollzogen werden könnte.