Das Bundeskartellamt will den umstrittenen Verkauf eines Großteils der Rhön-Kliniken an die Berliner Helios-Kliniken besonders gründlich prüfen. Untersucht werden etwa die Folgen für den Markt mit Medizinprodukten. Hinter Helios steht der für den Gesamtmarkt bedeutende Medizintechnik-Hersteller Fresenius. Dagegen leistet der Medizintechnik-Konkurrent und Rhön-Großaktionär B. Braun Melsungen erbitterten juristischen Widerstand. Das Bundeskartellamt habe ein Hauptprüfverfahren eingeleitet, berichteten die Kartellwächter am Mittwoch. Es werde die Pläne nun bis Ende Februar durchleuchten.

Helios wollte im vergangenen Jahr den Rhön-Konzern komplett übernehmen, scheiterte aber am Widerstand einzelner Großaktionäre. Jetzt will Fresenius für mehr als drei Milliarden Euro 43 Kliniken und 15 medizinische Versorgungsunternehmen von Rhön kaufen. Das entspricht etwa zwei Drittel des bisherigen Rhön-Konzerns.

Mit der Übernahme entstünde der größte private Krankenhausbetreiber Deutschlands mit einem Umsatz von etwa 5,5 Milliarden Euro. Helios hätte künftig einen Umsatzanteil am gesamten Krankenhausmarkt von sechs bis sieben Prozent. Die meisten der etwa 2000 Kliniken in Deutschland sind in kommunaler oder kirchlicher Hand.

Flächendeckendes Kliniknetz in Deutschland

Als erster Anbieter würde Helios damit über ein flächendeckendes Kliniknetz in Deutschland verfügen und könnte auch zusätzliche Dienstleistungen wie seine private Krankenzusatzversicherung anbieten. Der private Krankenhausmarkt in Deutschland wurde bislang von wenigen, nahezu gleich starken Ketten beherrscht.

Helios ist ein Tochterunternehmen des Fresenius-Konzerns mit Sitz in Berlin. Derzeit betreibt Helios 74 eigene Kliniken, davon sind 51 sogenannte Akutkrankenhäuser wie das Klinikum in Buch. Darüber hinaus zählen zu der Gruppe 35 Medizinische Versorgungszentren, fünf Rehakliniken und 13 Pflegeeinrichtungen. Im vergangenen Jahr erzielte die Gruppe einen Umsatz von mehr als 3,2 Milliarden Euro. Helios beschäftigt insgesamt 43.000 Mitarbeiter. In der Hauptstadt selbst betreibt Helios zwei Kliniken, neben Buch auch das Krankenhaus in Zehlendorf, zudem ein Akutkrankenhaus im brandenburgischen Bad Saarow.

Prüfung bis Ende Februar

Bis Ende Februar will das Kartellamt prüfen, ob mit der bislang größten Übernahme auf dem privaten Krankenhaussektor regionale Monopole oder eine zu starke Position gegenüber den Krankenkassen entstehen könnten. „Das Vorhaben stellt das bislang größte Zusammenschlussprojekt im Krankenhausbereich in Deutschland dar“, sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt. Das Amt werde bei seiner Prüfung vor allem ein Auge „auf die regionalen Überschneidungen im Bereich der stationären Krankenhausversorgung und auf die Nachfrageseite gegenüber den Krankenkassen“ werfen. Ziel der Behörde sei es, „wettbewerbliche Strukturen zum Wohle des Patienten aufrecht zu erhalten“, sagte Mundt.

Rhön und Fresenius bleiben dennoch zuversichtlich. Rhön rechnet weiter mit grünem Licht durch das Amt noch in diesem Jahr. „Wir sehen nach wie vor keine inhaltlichen Hürden für eine zügige Prüfung und Freigabe. Wir gehen von einer Freigabe durch das Kartellamt bis zum Ende des Jahres aus“, sagte ein Sprecher. Auch Helios bleibt bei seinem Zeitplan für die Übernahme. „Wir bestätigen unseren bisherigen Ausblick“, sagte ein Sprecher. Das Unternehmen geht davon aus, dass der „überwiegende Teil der Transaktion“ bis Jahresende über die Bühne gebracht wird.

mit Reuters