Ex-Bankgesellschaft

Berlin entsorgt seine Altlasten aus Immobiliengeschäft

Noch immer hat Berlin mit den Hinterlassenschaften der früheren Bankgesellschaft zu kämpfen. Die landeseigene Berlinovo macht jedoch Fortschritte. Immobilien im Ausland werden verkauft.

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Berlin kommt mit der Bereinigung der Altlasten aus dem Immobiliengeschäft der früheren Bankgesellschaft Berlin allmählich voran. Die landeseigene Gesellschaft Berlinovo hatte das Portfolio des inzwischen an den Sparkassenverband verkauften und verkleinerten Geldhauses übernommen, das vom Land mit Milliarden abgesichert war. Nun, ein Jahr nach der mit weiteren Finanzzusagen des Landes über mehr als 200 Millionen Euro verbundenen Umstrukturierung, kann sie Fortschritte vermelden.

Von den insgesamt 630 Objekten in aller Welt konnten 80 verkauft werden. Aus Märkten wie Schweden oder Holland hat sich die Berlinovo inzwischen komplett zurückgezogen. In den USA soll das letzte Berliner Einkaufszentrum in drei Jahren, in England die drei verbliebenen Bürogebäude schon 2015 verkauft werden. Die 15.000 Wohnungen, die den verschiedenen Berlinovo-Fonds in 33 deutschen Städten außer Berlin gehören, werden ebenfalls zum Verkauf angeboten. „Unsere Strategie ist klar, wie konzentrieren uns auf Berlin und das Umland“, sagte Berlinovo-Sprecher Stefan Siebner. Deshalb bleiben die begehrten Berliner Wohnungen im Portfolio.

Weniger als 1000 Fondszeichner halten noch 1,5 Prozent

Die Bankgesellschaft Berlin war in den 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts rund um die Berliner Landesbank herum von der Politik konstruiert worden, um einen leistungsstarken Finanzkonzern in der Hauptstadt zu schaffen. Das Geschäft basierte lange auf dem Verkauf von Immobilienfonds, für die Zeichner mit überaus großzügigen Rendite-Zusagen und Mietgarantien gelockt wurden. 2001/2002 stand die Bankgesellschaft vor dem Zusammenbruch und musste mit Milliarden aus der Landeskasse gerettet werden. Berlin musste für die Immobilienrisiken in Höhe von maximal 21,6 Milliarden Euro bürgen. Über den Bankenskandal zerbrach 2001 die damalige Große Koalition unter dem Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU). Mit dem Verkauf der Landesbank wurde das Immobiliengeschäft ausgelagert.

Eine wichtige Schwelle auf dem Weg hin zu einem normalen Immobilienkonzern hat Berlinovo überschritten. Die Zahl der an den 24 verwalteten Fonds beteiligten Miteigentümer sank auf unter 1000. 2006 hatte Berlin begonnen, die Fondszeichner heraus zu kaufen. Ziel war, sich von drohenden Garantiezahlungen zu befreien und freie Hand im Umgang mit den Fondsobjekten zu erlangen. Seinerzeit lagen 94 Prozent des Kapitals in Höhe von 2,9 Milliarden Euro in der Hand von 55.000 privaten Zeichnern. Jetzt halten Private noch 45 Millionen Euro oder 1,5 Prozent.

Objekte werden bereits verkauft

„Die Gespräche mit den letzten verbliebenen Zeichnern sind naturgemäß am schwierigsten“, sagte Alf Aleithe, Geschäftsführer der IBV und zuständig für das Fondsmanagement der Berlinovo. Einige Personen seien unbekannt verzogen, andere Anteile würden von Erbengemeinschaften gehalten. „Trotzdem sind wir zuversichtlich, den Anteilserwerb erfolgreich zu vollenden. Damit wäre ein in der deutschen Fondslandschaft einmaliges Abwicklungsprojekt großer Publikumsfonds abgeschlossen“, sagte der Manager.

Weil die Berlinovo in allen Fonds mehr als 90 Prozent der Anteile kontrolliert, kann sie auch jetzt schon Objekte verkaufen. Das niedrige Zinsniveau und der gut laufende Immobilienmarkt haben die Lage des Unternehmens verbessert. So lag der Schuldenstand im ersten Halbjahr nur noch bei 2,8 Milliarden Euro und entsprach damit dem Wert der Immobilien.