Berliner Unternehmen

72 Prozent Wachstum – Zalando könnte sogar Amazon überholen

809 Millionen Euro hat der Berliner Online-Händler Zalando im ersten Halbjahr 2013 eingenommen – 72 Prozent mehr als 2012. Bis zum Jahresende könnte das Unternehmen Global Player Amazon überholen.

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Der spät einsetzende Sommer hat bei Europas größtem Internet-Modehändler Zalando das Wachstum etwas gedämpft. Gleichwohl konnte das Unternehmen im ersten Halbjahr die Erlöse um 72 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigern. Das Jahresziel von zwei Milliarden Umsatz ist für die Berliner angesichts des traditionell umsatzstarken Herbst- und Weihnachtsgeschäfts damit noch erreichbar. 2012 hatte Zalando insgesamt mehr als 1,15 Milliarden Euro erlöst. Das 2008 als Schuhversandhändler in Berlin gegründete Unternehmen wird mittlerweile auf mehr als 3,5 Milliarden Euro bewertet. Mehr als 1000 Angestellte arbeiten allein in Berlin.

Zalando wächst trotz des Dämpfers nach wie vor rasant und macht Modeketten wie H&M und Zara gleichermaßen Konkurrenz wie Versandhändlern, etwa Otto oder Amazon. Den direkten Wettbewerber, den britischen Internet-Modehändler Asos, hat Zalando beim Umsatz bereits überholt. Asos meldete ebenfalls am Mittwoch einen Jahresumsatz von 754 Millionen Pfund (888 Millionen Euro), 40 Prozent mehr als im Vorjahr.

Wie Zalando am Mittwoch mitteilte, kletterte der Umsatz im zweiten Quartal 2013 um 70 Prozent auf 437 Millionen Euro, nachdem er im ersten Quartal um 74 Prozent gewachsen war. Zalando weist damit für das erste Halbjahr einen Umsatz von 809 Millionen Euro aus.

Zalando profitiert von Geschäften im Ausland

Dabei profitiert das Unternehmen auch von seiner Expansion ins Ausland. „Natürlich führten auch etliche neue Märkte, die wir in diesem Jahr dazugeholt haben, zu diesem schnellen Wachstum“, sagte Zalando-Mitgeschäftsführer Rubin Ritter dem „Handelsblatt“. Gut die Hälfte des Umsatzes macht Zalando außerhalb Deutschlands. Das Unternehmen ist außer auf dem Heimatmarkt in 13 weiteren Ländern aktiv, darunter Österreich, Frankreich und Großbritannien. Allein in der zweiten Jahreshälfte 2012 war Zalando in gleich vier Auslandsmärkten an den Start gegangen.

Kleider und Schuhe sind in den meisten europäischen Ländern mittlerweile die beliebtesten Produkte im Online-Handel. Das Marktforschungsunternehmen Mintel erwartet, dass dieser Markt im laufenden Jahr um 14 Prozent auf 38 Milliarden Euro wächst. Zalando könnte in der Kategorie Mode und Schuhe in Europa den Online-Händler Amazon schon 2013 überholen, schätzt Mintel-Experte John Mercer. Zalando profitiere von der größeren Zahl an länderspezifischen Websites. Da müssten Asos und Amazon noch zulegen, so Mercer.

Schlechtes Wetter mindert Zalando-Ergebnis

Die Abschwächung im zweiten Quartal begründet Zalando mit dem schlechten Wetter. „Die Sommersaison war nicht leicht. Die Rabatte waren hoch, weil der Sommer so spät kam“, sagte Zalando-Geschäftsführer Ritter. „Wir sind zuletzt auch nicht in neue Märkte expandiert, da sinkt das Wachstum natürlich“, so Ritter. Was die Rabattaktionen das Unternehmen an Ergebnis gekostet haben, sagte er nicht.

Anders als Zalando verdient der britische Rivale Asos aber bereits Geld: 64 Millionen Euro. Asos arbeitet zu sehr viel niedrigeren Kosten als Zalando, vor allem beim Marketing. Hier verringern die Berliner allerdings schon seit Längerem ihre Ausgaben im Verhältnis zum Umsatz. Genaue Angaben zum Erreichen der Gewinnschwelle macht Zalando nicht. Für das Jahresende erwartete das Unternehmen abhängig vom Geschäft im Herbst zuletzt ein Ergebnis nahe der schwarzen Null, 2014 könnte ein kleiner Gewinn erzielt werden. Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen in der Kernregion Deutschland, Österreich, Schweiz erstmals operativ schwarze Zahlen geschrieben, wegen der Auslandsexpansion insgesamt aber einen Verlust von knapp 80 Millionen Euro eingefahren. Schuhe machen übrigens mittlerweile weniger als die Hälfte des Zalando-Gesamtumsatzes aus.

Zalandos Börsengang mittelfristig eine Möglichkeit

Angesichts des anhaltenden Wachstumskurses zeigen sich die Gesellschafter des Unternehmens zufrieden. Die schwedische Beteiligungsgesellschaft Kinnevik, mit 37 Prozent der größte Anteilseigner, bewertet Zalando mittlerweile mit knapp 3,6 Milliarden Euro, eine halbe Milliarde mehr als noch zu Jahresbeginn. Das geht aus dem jüngsten Quartalsbericht Kinneviks hervor.

An Zalando sind zudem die Samwer-Brüder (Jamba, StudiVZ) über ihr Investmentvehikel European Founders Fund (18 Prozent) beteiligt. Knapp zehn Prozent hält der dänische Modekonzern Bestseller, der weltweit Modemarken wie Jack&Jones, Vera Moda und Selected verkauft. Bestseller-Eigentümer Anders Holch Povlsen ist übrigens auch am Zalando-Konkurrenten Asos beteiligt.

Ein Börsengang von Zalando sei eine mittelfristige Möglichkeit, bekräftigte Mitgeschäftsführer Ritter. „Es steht derzeit nicht an, aber es ist eine Option für die Zukunft, auf die wir das Unternehmen vorbereiten.“ Jedenfalls gebe es seitens der Investoren ein großes Interesse, sagte Ritter. Zuletzt war der kanadische Lehrer-Pensionsfonds OTPP (Ontarios Teachers’ Pension Plan) mit zwei Prozent bei Zalando eingestiegen. Für weitere zwei Prozent sucht Zalando noch einen Investor. Einen Bericht des Magazins „Der Spiegel“, dass ein großer US-Pensionsfonds den Anteil übernehmen könnte, wollte Ritter nicht kommentieren.