Normalerweise würde es schon reichen, die Bedeutung der Pharmaindustrie für die Berliner Wirtschaft zu zeigen. Denn die Hauptstadt hat sich, außerhalb der Branche weitgehend unbemerkt, zu einem der größten Produktionsstandorte für die Arzneimittelbranche entwickelt.

Mit einem Anteil von 14 Prozent an der gesamten Produktion ist Berlin mittlerweile der viertgrößte Pharmastandort Deutschlands. Das geht aus einer aktuellen Statistik des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) hervor.

Doch derzeit kommt kaum eine Statistik ohne den Hinweis auf Frauen aus – und im Fall der Pharmabranche in Berlin ist es sogar ein ganz spannender. Denn die Arzneimittelindustrie gibt sich hier im Vergleich zum Rest Deutschlands ausgesprochen weiblich. Mit 46 Prozent ist fast jeder zweite Beschäftigte eine Frau. In ganz Deutschland liegt der Anteil von Frauen an den Beschäftigten in der Pharmaindustrie mit 42 Prozent zwar nur geringfügig, aber eben doch niedriger.

Pharmaindustrie ist wichtig für Berlins Wachstum

Diese Zahlen präsentierte der Verband forschender Arzneimittelhersteller (vfa) im Rahmen der Berlin Health Week, die noch bis einschließlich Sonntag in Berlin stattfindet. In dieser Woche stellen sich Kliniken, Forschungseinrichtungen und Firmen aus diesem für Berlin immer wichtiger werdenden Wirtschaftsbereich vor. Die Gesundheitswirtschaft bietet derzeit etwa 280.000 sozialversicherungspflichtige Jobs. Die Beschäftigten sind in rund 6.000 Unternehmen und 132 Kliniken der Hauptstadtregion tätig. Damit leisten sie einen entscheidenden Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung Berlins.

Für Verbandschefin Birgit Fischer ist es wichtig, dass dieser Aufschwung nicht nur von großen Unternehmen, sondern auch von vielen kleinen und mittelständischen Firmen getragen wird. „Die Pharmabranche in Berlin ist durch einen breiten Mittelstand gekennzeichnet“, sagt Birgit Fischer. „Forschung und Entwicklung ist aber bei allen der wichtigste Wachstumsmotor.“

Berlin ist die deutsche Stadt mit den meisten klinischen Studien

Auch hier nimmt Pharma laut vfa eine besondere Rolle ein. So kommt fast jeder dritte Euro für Forschungsausgaben in Berlin von einem Arzneimittelunternehmen. Besonders deutlich wird die Bedeutung aber erst im bundesweiten Vergleich und wenn man auf die Arbeitsplätze blickt. So arbeitet jeder fünfte Angestellte aus dem Forschungs- und Entwicklungsbereich in Berlin für die Arzneimittelbranche. Innerhalb ganz Deutschlands ist es nicht einmal jeder zehnte. „Berlin ist bundesweit die Stadt mit den meisten klinischen Studien“, sagt Birgit Fischer.

Nach Ansicht des vfa hat Berlin die Chance, noch weitaus mehr Forscher und Fachkräfte anzuziehen als bislang ohnehin schon. So gibt es in Adlershof bereits seit einigen Jahren ein Gründerzentrum, wo sich verschiedene Forschungsunternehmen niedergelassen haben. Eine vergleichbares Zentrum sollte nach Ansicht von Birgit Fischer für die Pharmaindustrie „auch im Umfeld der Freien Universität in Dahlem eingerichtet werden.“

In Adlershof sitzen nämlich jetzt schon viele junge Start-ups, die durch ihre Ideen die Branche antreiben. Selbst wenn nur ein kleiner Teil dieser Entwicklungen später tatsächlich auch umgesetzt wird, entsteht hier die Grundlage für künftige Arbeitsplätze im produzierenden Gewerbe. Und von denen hat Berlin angesichts anhaltend hoher Arbeitslosigkeit noch immer zu wenig.