Traditionsfirma

Berliner Pralinenhersteller Sawade beantragt Insolvenz

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Foto: Sawade

Täglich verlassen bis zu zwei Tonnen Pralinen das Werk des Traditionsunternehmens in Berlin-Reinickendorf. Doch jetzt ist Sawade zahlungsunfähig und sucht einen Investoren.

Berlins ältester Pralinenhersteller Sawade hat beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg Insolvenz beantragt. Das teilte der vorläufige Insolvenzverwalter Torsten Martini von der Berliner Kanzlei Leonhardt am Dienstag mit.

Das 1880 gegründete Unternehmen mit allen rund 50 Mitarbeitern soll nach seinen Angaben fortgeführt werden. Jetzt werde nach Investoren für den bekannten Hersteller von Pralinen, Marzipan und anderen Spezialitäten gesucht.

Die Sawade GmbH & Co. KG produziert auf einem eigenen Betriebsgrundstück in Berlin-Reinickendorf, verkauft ihre Pralinen in Discountern und Lebensmittelgeschäften. In der Hauptstadt betreibt Sawade zudem drei eigene Filialen in Charlottenburg, Wilmersdorf und Mariendorf sowie einen Werksverkauf in Reinickendorf.

„Sawade musste wegen Zahlungsunfähigkeit Insolvenz anmelden. Aber der Hersteller von Premiumpralinen überzeugt mit guten Produkten, namhaften Kunden und einer modernen Produktion“, heißt es in der Mitteilung des vorläufigen Insolvenzverwalters. Deshalb führe er das Unternehmen mit allen 50 Mitarbeitern weiter und suche Investoren, die insbesondere den Vertrieb weiter ausbauen möchten.

Die 50 Mitarbeiter erhalten nun drei Monate lang Insolvenzgeld.

Ein Problem die fast unübersichtliche Produktvielfalt

Bis Ende September hat nun der vorläufige Insolvenzverwalter Torsten Martini Zeit, einen Investor zu finden. Der Anwalt hofft jedoch, dass sich schon vorher Interessenten melden. „Die Produkte sind großartig. Und die Mitarbeiter sind so motiviert, wie ich es bei einem Insolvenzfall selten erlebt habe“, sagt Martini.

Allerdings sagt er auch, dass die Traditionsmarke in den vergangenen Jahren kontinuierlich an Kraft verloren hat. „Es gab keinen vernünftigen Vertrieb und kein richtiges Marketing“, sagt Martini. Es sei wenig investiert worden.

Ein weiteres Problem sei die fast unübersichtliche Produktvielfalt mit mehr als 1000 verschiedenen Süßigkeiten.

Probleme gab es dem Insolvenzverwalter zufolge auch bei der Belieferung großer Handelsketten. Diese verlangten mindestens sechs Monate Haltbarkeit. Das sei bei den frischen Zutaten von Sawade selten zu garantieren.

Ein viel größeres Problem war aber die ohnehin schon angespannte Finanzlage von Sawade. „Wer große Ketten beliefert, muss über Monate vorfinanzieren können.“ Sawade konnte das nicht.

Hoffnung machen die Mitarbeiter, der Traditionsname und die Tatsache, dass die Produktion in Reinickendorf auf dem eigenen Betriebsgelände erfolgt.

Der ideale Retter könnte Martini zufolge so aussehen: ein größerer Konkurrent, der sein Sortiment um frische Pralinen und Trüffel erweitern will.

Täglich bis zu zwei Tonnen Pralinen werden produziert

Bereits wenige Jahre nach der Gründung 1880 in Berlin Unter den Linden 19 hatte sich Sawade aufgrund seiner Confiserie-Artikel einen hervorragenden Namen erworben und wurde Hoflieferant. Mit besonderen Rezepturen und Rohstoffen wuchs das Unternehmen vor allem seit den 50er-Jahren.

1972 baute Sawade im Gewerbegebiet Nord in Reinickendorf auf einem firmeneigenen Grundstück eine neue Fabrik, in der mit modernen Technologien täglich bis zu 2000 Kilogramm Süßwaren hergestellt werden.

Nach dem Tod des Firmeninhabers hatte vor fünf Jahren sein Sohn Thomas Spengler das Unternehmen übernommen. Zuletzt setzte Sawade rund drei Millionen Euro im Jahr um und produzierte täglich bis zu zwei Tonnen Pralinen.