Energiekonzern

Vattenfall will sich nicht zur Lausitz bekennen

Der Konzern lässt seine Zukunft als Braunkohleförderer in Brandenburg offen. An den Standorten bangen die Beschäftigten um ihre Stellen. Für die Braunkohle sieht man in der Lausitz dennoch eine Zukunft.

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Der Energiekonzern Vattenfall hat seinen Verbleib in der Lausitz offengelassen. „Die Braunkohle selbst hat Zukunft“, sagte der Vorstandschef der Tochtergesellschaft Vattenfall Europe Mining, Hartmuth Zeiß, in Potsdam.

Alle vier Kraftwerke seien auf modernstem Stand. Außerdem werde Kohle beim Umstieg auf erneuerbare Energien als Grundlastträger benötigt. Aktuelle Entwicklungen im Konzern und die Auswirkungen auf die Kohleförderung und -verstromung seien nicht abzuschätzen. „Zu einem Verkauf oder der Beteiligung von Partnern liegen noch keine Konzern-Entscheidungen vor.“

Ein klares Bekenntnis zum Verbleib hört sich anders an. Zeiß’ Äußerungen dürften mit den Ereignissen der vergangenen Woche zusammenhängen. Die Ankündigung des staatlichen schwedischen Mutterkonzerns Vattenfall, sich Anfang 2014 in die beiden regionalen Einheiten Skandinavien und Kontinentaleuropa/Großbritannien aufspalten zu wollen, hatte in der Belegschaft für erhebliche Verunsicherung gesorgt.

Drastische Neuausrichtung von Vattenfall

Die Industriegewerkschaft Bergbau, Energie, Chemie (IG BCE) beispielsweise befürchtet einen Verkauf des Braunkohletagebaus und der Kraftwerke in der Lausitz. Aber auch an den Standorten des Konzerns in Berlin und Hamburg bangen die Beschäftigten um ihre Stellen.

Am Dienstag vergangener Woche hatte Vattenfall über eine drastische Neuorganisation berichtet. Neben der Aufspaltung in einen skandinavischen und europäischen Teil korrigierte der Konzern den Wert seiner Kraftwerke. Etwa 3,4 Milliarden Euro wurden vor allem auf die Erzeugeranlagen abgeschrieben. Zudem wird der Sparkurs noch einmal verschärft. Es gilt ein Einstellungsstopp.

Schon seit Längerem plant Vattenfall zudem, 2500 Arbeitsplätze bis Ende 2014 zu streichen, rund 1500 davon in Deutschland. Das trifft auch die rund 5000 Mitarbeiter in Berlin, wo Vattenfalls Deutschlandzentrale ihren Sitz hat. Schon seit Längerem wird etwa um die Service-Sparte gerungen.

Zukunft für Braunkohle in der Lausitz

Ziemlich unverblümt hatte die Vattenfall-Führung deutlich gemacht, wie wenig Freude ihr das Europageschäft mit Schwerpunkt Deutschland bereitet. So schrieben Vattenfalls Aufsichtsratschef Lars G. Nordström und Vorstandschef Øystein Løseth in einer Mitteilung davon, „Risiken der Geschäftstätigkeit von Vattenfall auf dem europäischen Festland langfristig zu teilen“. Dies kann beispielsweise durch den Verkauf von Betriebsteilen erfolgen.

Ob damit auch die Braunkohlenförderung gemeint ist? Der Energieträger ist in Deutschland politisch geächtet, obwohl im Land Brandenburg Tausende Arbeitsplätze an dem Rohstoff hängen. Auf die Folgen der Umstrukturierung angesprochen, sagte Vattenfall-Manager Zeiß in Potsdam: „Wir sind technisch, wirtschaftlich und organisatorisch gut aufgestellt. Deshalb sind die Auswirkungen aus der Reorganisation auf uns eher als gering einzustufen.“

Mit oder ohne Vattenfall sieht Zeiß für die Braunkohle in der Lausitz eine Zukunft. Bis 2050 könnten jährlich 60 bis 65 Millionen Tonnen gefördert werden. 2012 seien 55 Milliarden Kilowattstunden Strom „profitabel“ aus der Braunkohle hergestellt worden, so viel wie seit 20 Jahren nicht mehr. „Damit haben wir rein rechnerisch die Hälfte der deutschen Bevölkerung versorgt“, fügte der Vorstandschef hinzu.

Flexiblere Kohlekraftwerke können Versorgungslücken schließen

Außerdem könnten mit den Kraftwerken in der Lausitz Versorgungslücken schnell geschlossen werden, wenn die Einspeisung erneuerbarer Energien aufgrund der Wetterlage nachlässt. „Wir können sie flexibel herauf- und herunterfahren“, sagte Vorstandsmitglied Hubertus Altmann, „und so Versorgungslücken zügig schließen.“

Die Kohlekraftwerke seien flexibler als früher. Sie müssten dank neuer Technik nicht mehr abgeschaltet werden, auch wenn genügend Strom aus Solar- und Windenergie ins Netz eingespeist werde. Bisher könnte die Leistung vor einer Abschaltung auf minimal 40 Prozent gedrosselt werden.

In Abbau und Braunkohleverstromung sind in der Lausitz knapp 8000 Menschen beschäftigt. Vattenfall fördert Kohle in fünf Tagebauen – drei davon liegen in Brandenburg, zwei in Sachsen. Verstromt wird die Kohle in Jänschwalde und Schwarze Pumpe (Brandenburg) sowie in Boxberg und Lippendorf (Sachsen).