Sommerferien

Ab in den Urlaub – so verreisen die Berliner 2013

Nur zwei von fünf Berlinern verreisen in den Schulferien, weniger als 2012. Sie geben im Schnitt 1215 Euro aus, ebenfalls weniger als im vergangenen Jahr. Nur an den Zielen hat sich nichts geändert.

Sie wird man, sollten in der Umfrage alle die Wahrheit gesagt haben, demnächst recht selten in Berlin antreffen: mittelalte Menschen mit Abitur, nicht älter als 50 Jahre und mit Kindern im Haushalt. Diese drei Merkmale – Bildungsstand, Alter und Familie – definieren einer Umfrage im Auftrag der Berliner Sparkasse zufolge Personen, die die Reiselust aus der Stadt treibt. Aber um die ist es dieses Jahr nicht gut bestellt.

Nur 41 Prozent der Hauptstädter wollen demnach in diesem Sommer verreisen. So wenige waren es noch nie, seitdem die Berliner Sparkasse Bewohner der Stadt zum Urlaub befragen lässt. Mit anderen Worten: Es könnte ganz schön voll werden in diesem Sommer. Mehr Berliner, die hier bleiben, plus wieder einmal mehr Touristen, die in die Stadt strömen.

Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise

Vergangenes Jahr wollten immerhin noch 47 Prozent in den Urlaub fahren, ein Jahr davor mehr als die Hälfte, nämlich 52 Prozent. 2008 waren es sogar 59 Prozent Reiselustige. Als die Berliner vor fünf Jahren gefragt wurden, wusste noch keiner, dass Lehman Brothers eine totgeweihte US-Investmentbank mit globalem Störpotenzial ist. Und die Griechen schienen auch noch kein Problem zu haben. Vorbei sind die Zeiten.

Dann kam im Herbst 2008 die volle Wucht der internationalen Finanzkrise mit der Pleite von Lehman Brothers, mit Folgen für die Weltwirtschaft. Daraus entwickelte sich dann auch die Euro-Krise mit Rettungspaketen für Griechenland, Irland, Portugal. Und wie die Umfrage zum Urlaubsverhalten der Berliner zeigt, dämpft die seit Jahren beständige Euro-Krise offenbar die Reiselust.

Allerdings scheint es nicht so, dass die Urlaubszeit nun angststarr zu Hause verbracht wird. Die permanente Instabilität in Europa, die Routine der Krisengipfel und die Probleme einzelner Südländer verunsichert die Konsumgewohnheiten wohl eher schleichend. Immerhin: Jeder Zehnte gab an, wegen der Krise des Währungsraumes seltener zu verreisen. Dazu kommen acht Prozent, die häufiger das Portemonnaie stecken lassen und gut sechs Prozent, die kürzer wegfahren. Ähnlich viele verzichten zugunsten des Urlaubs auf andere Anschaffungen.

Im Vergleich zum Durchschnittseuropäer und zum Durchschnittslandsmann außerhalb der Hauptstadt scheinen die Berliner ohnehin eher reisefaul. Einer Umfrage des Instituts Ipsos zufolge wollen immerhin 52 Prozent der Deutschen und sogar 54 Prozent aller Europäer im Sommer verreisen. Das ist für Europa Ipsos zufolge der niedrigste Wert seit Beginn der Erhebung 2000.

Ausgaben von 1215 Euro pro Person

Nun lassen sich die Zahlen beider Studien hinsichtlich Aufbau und Art der Fragen nur sehr bedingt vergleichen: Allerdings fällt der große Abstand bei der Reiselust auf. Das könnte natürlich daran liegen, dass Berlin trotz Aufholprozess immer noch eine der ärmsten deutschen Großstädte ist. Nur elf Prozent der Berliner, die arbeitslos sind, wollen (oder können) Ferien machen. Die 30 bis 49-Jährigen sind bei einer groben Altersdreiteilung der Befragten – 18 bis 29 Jahre, 30 bis 49 sowie älter als 50 – die mit der meisten Reiselust.

Von denen, die Kinder zu Hause haben, verreisen 56 Prozent. Von denen, die eine höhere Schulbildung haben, fahren 54 Prozent in die Ferien. Etwas mehr als 1000 Berliner interviewt das Umfrageinstitut Info Gmbh im Auftrag der Sparkasse im Frühling jedes Jahres. Wohin es gehen soll, wollen sie von den Leuten wissen. Was man während des Urlaubs so machen will und – besonders interessant für ein Kreditinstitut – wie viel Geld man gedenkt auszugeben.

Diese Summe ist über die Jahre betrachtet gestiegen. 2008 wollte von den verreisenden Berliner jeder im Durchschnitt 929 Euro im Urlaub ausgeben. Derzeit sind es 1215 Euro. Damit agieren die Urlauber aber etwas vorsichtiger als vergangenes Jahr. da wollten sie noch je 1270 Euro ausgeben. Wobei die Männer – das ist in jedem Jahr dasselbe – weniger die Grenzen der Urlaubskasse im Blick zu haben scheinen: 1311 Euro werden sie dieses Jahr im Durchschnitt ausgeben und damit fast 200 Euro mehr als die Durchschnitts-Berlinerin.

Wenig Fantasie zeigen die Berliner bei der Wahl ihrer Urlaubsquartiere. Stabiler Spitzenreiter ist seit eh und je das eigene Land. Es folgen Fernreiseziele, wobei damit recht undifferenziert alles gemeint ist, was Richtung Asien, Amerika oder Afrika geht. Danach kommen Spanien, Italien, die Türkei und Frankreich. Das sehr nahe Polen bereist nur jeder 100. Berliner in seinem Urlaub.

Anderes kennenlernen und faulenzen

Aber vielleicht ist es unter dem Strich für viele gar nicht so wichtig, dass sie an einen besonders exotischen Ort reisen. Für die meisten, 74 Prozent, ist es am wichtigsten, die Zeit intensiv mit vertrauten Gesichtern zu verbringen, mit Familie und Freunden. Allerdings wollen viele Berliner auch neue Kulturen im Urlaub kennenlernen (65 Prozent) oder neue Menschen treffen (49 Prozent). Wobei das Faulenzen (48 Prozent) fast genauso wichtig ist wie das Schließen neuer Bekanntschaften.

Interessanterweise sind die Berliner aus dem Ostteil (42 Prozent wollen wegfahren) einen Tick reiselustiger als die Bewohner aus dem Westteil (41 Prozent). Wer im Osten der Stadt wohnt, gibt im Durchschnitt auch etwas mehr aus (1230 zu 1215 Euro).

Allen Berlinern gemein ist wiederum das liebste Zahlungsmittel. Deutsche wie Berliner verlassen sich im Urlaub auf das Bargeld. Banknoten und Münzen führen mit Abstand die Rangliste der beliebtesten Zahlungsmittel, weit vor Ausprägungen des Plastikgelds wie EC-Karte und Kreditkarte. Aber das ist auch nicht weiter verwunderlich, wenn die meisten Urlaubsreisen innerhalb des eigenen Landes enden – oder spätestens an der Außengrenze der EU.