Wettbewerb

Berlin sucht den besten Ausbildungsbetrieb

Viele Berliner Unternehmen engagieren sich in hohem Maße, um junge Fachkräfte auszubilden. Die Handwerkskammer und Industrie- und Handelskammer loben Preise für die besten Betriebe aus.

Foto: David Heerde

Dieser Wettbewerb ist eine schöne Tradition: Bereits zum neunten Mal suchen die Handwerkskammer und die Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin den besten Ausbildungsbetrieb in der Hauptstadt. Bis zum 30. April können Unternehmen im Internet unter der Adresse www.tage-der-berufsausbildung.de für den Preis vorgeschlagen werden – allerdings haben Firmen auch die Möglichkeit, sich selbst bewerben. Teilnahmeberechtigt sind alle, die im Rahmen der dualen, betrieblichen Ausbildung entsprechende Ausbildungsverträge bei der IHK oder der Handwerkskammer registriert haben und im Wettbewerbszeitraum vom September 2012 bis Juni 2013 aktiv ausbilden.

Eine Jury, in der neben Experten beider Kammern auch Arbeitssenatorin Dilek Kolat (SPD) und ein Mitglied der Morgenpost-Redaktion vertreten sind, entscheidet dann über die Sieger, deren Ehrung am 6. Juni im Rahmen der Ausbildungsmesse „Tage der Berufsausbildung“ über die Bühne geht. Wichtig: Die Auszeichnung erfolgt in zwei Kategorien. Es gibt einen Preis für Unternehmen mit weniger als 50 Beschäftigten und für Unternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten (jeweils inklusive der Auszubildenden). Insgesamt werden in jeder Kategorie zehn Unternehmen ausgezeichnet, neun Unternehmen ohne Rangfolge, je eines als Sieger. Dazu kommt ein jährlich wechselnder Sonderpreis. Auf dem im Internet auszufüllenden Bewerbungsformular wird unter anderem nach Aspekten wie dem aktiven Ausbildungsmarketing, zusätzlichen Bildungsangeboten und der Förderung von Auslandsaufenthalten gefragt.

Dilek Kolat freut sich auf Jury-Sitzung

„Unsere Auszubildenden von heute sind die Fachkräfte von morgen. Viele Unternehmen haben bereits erkannt, dass sie handeln müssen. Gute Ausbildungsbedingungen zu schaffen, um junge Menschen auszubilden, ist dabei die beste Vorsorge für die Fachkräftesicherung. Ich freue mich den besten Ausbildungsbetrieb mit auszuwählen und hoffe, dass viele weitere Unternehmen dem nacheifern“, sagte Dilek Kolat der Berliner Morgenpost.

Tatsächlich ist das stetig wachsende Probleme von Betrieben, geeigneten Nachwuchs zu finden, einer der Hauptgründe der Aktion „Gesucht: Berlins bester Ausbildungsbetrieb“. Aufgrund des großen Angebots auf dem Lehrstellenmarkt bei gleichzeitig sinkenden Schülerzahlen haben es Firmen schwerer als früher, ihre freien Ausbildungsplätze zu besetzen. Bei der IHK und der Handwerkskammer geht man davon aus, dass sich daran so schnell nichts ändern wird, und zwar nicht nur wegen der demografischen Entwicklung. „Der Fachkräftemangel wird sich verschärfen, denn noch immer verlassen viele junge Berliner die Schule ohne einen Abschluss in der Tasche oder ohne die nötige Ausbildungsfähigkeit“, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Eder. „Es besteht dringender Handlungsbedarf – Eltern, Lehrer, Politiker und Unternehmer müssen an einem Strang ziehen. Nur dann kann es gelingen, den jungen Menschen eine zukunftssichere Perspektive zu bieten und der Wirtschaft genügend Fachleute zu sichern.“

In einer Erklärung zum Wettbewerb heißt es, Tausende Berliner Firmen würden bereits seit Jahren kontinuierlich selbst ausbilden und dabei oft über vorgeschriebene Inhalte hinausgehen, um ihr Angebot attraktiver zu machen. Genau dieser Einsatz soll mit dem Wettbewerb gewürdigt werden. „Um jungen Menschen gute Perspektiven zu bieten und Betrieben die Sicherung ihrer Fachkräfte zu ermöglichen, brauchen wir ein gesamtgesellschaftliches Bewusstsein für die Bedeutung und Tragweite der dualen Berufsausbildung“, sagte Eder.

Auszubildende in Berlin sind überwiegend zufrieden

Eine Umfrage der IHK unter knapp 1000 Auszubildenden 2012 hat unterdessen ergeben, dass sie die Qualität der dualen Ausbildung überwiegend als gut bewerten. 72 Prozent der Befragten gaben an, dass die Ausbildung ihren Erwartungen entsprach oder diese übertroffen hat. Die große Mehrheit sagte zudem, dass es während der Ausbildung keine ernsthaften Probleme gegeben habe. Unzufrieden waren die Teilnehmer der Umfrage mit Routinearbeiten, die ihnen übertragen wurden, durch die sie aber nur wenig lernen konnten. In den Berufsschulen waren die Ausstattung und das Lernklima Kritikpunkte.

Besonders erfreulich: 69 Prozent mussten nicht länger als drei Monate nach einem Ausbildungsplatz suchen, 39 Prozent sogar höchstens einen Monat. Dabei scheint der Berliner Ausbilsdungmarkt besonders attraktiv zu sein. Immerhin 27 Prozent der Befragten hatten ihren Schulabschluss nicht hier gemacht, sondern waren erst für ihre Berufsausbildung hierher gekommen. 23 Prozent wurden sogar im Ausland geboren oder haben mindestens ein Elternteil mit ausländischen Wurzeln.

Und auch dieses Umfrageergebnis kann sich sehen lassen: Am Ende ihrer Ausbildung stand immerhin schon für 59 Prozent der befragten Jugendlichen fest, wie es weitergeht, weil sie von den Betrieben übernommen wurden. 15 Prozent wollten auf ihre Ausbildung noch ein Studium draufsatteln, 19 Prozent waren noch auf der Suche nach einer Stelle.

Eder betonte, die hohe Qualität der dualen Ausbildung beruhe auf der Partnerschaft von betrieblicher und schulischer Kompetenz. „Beide müssen aufeinander abgestimmt sein, um auch zukünftig eine fundierte und zeitgemäße Ausbildung zu garantieren.“

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