Fluggesellschaft

Air Berlin weitet zum Sommer sein Angebot aus

Allen schlechten Nachrichten zum Trotz: Mit dem Sommerflugplan bietet Deutschlands zweitgrößte Fluglinie Air Berlin mehr Ziele an. Über den BER will Vorstandschef Prock-Schauer aber nicht reden.

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Es gibt in der Luftfahrtbranche wenige Jobs, in denen man mehr Probleme meistern muss als Wolfgang Prock-Schauer. Seit Anfang 2013 steht der Österreicher an der Spitze von Air Berlin und da ist soviel, was nervt, bremst und existenzielle Probleme bereitet: Der Flughafen BER, auf den Air Berlin so viele Hoffnungen setzt, das Sparprogramm, das einer verunsicherten Belegschaft den Abbau von 900 Stellen zumutet.

Dann sind da noch: knüppelharte Konkurrenz mit anderen Airlines, ein ungeduldiger Großaktionär Ethihad Airways und jede Menge Schulden.

Menschlich verständlich, dass Prock-Schauer und sein Vorstandskollege Paul Gregorowitsch dazu an diesem Dienstag nichts sagen wollen. Stattdessen wollen sie die Botschaft loswerden: Leute, Air Berlin fliegt trotz der ganzen Schauernachrichten auch noch.

Mehr Ziele mit dem Sommerflugplan

So wird Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft mit dem Sommerplan mehr Ziele anbieten, auch von ihrem Drehkreuz Berlin, dass noch auf absehbare Zeit über den überfüllten Flughafen Tegel abgewickelt wird.

So fliegt Air Berlin künftig fünf Mal in der Woche aus der deutschen Hauptstadt nach Chicago zusätzlich zu den schon bestehenden US-Direktverbindungen nach New York, Los Angeles und Miami. Die Frequenz nach Miami wird erhöht. Über Partner Etihad Airways, der knapp 30 Prozent der Air Berlin Aktien hält, werden zahlreiche neue Ziele angeflogen.

Mit den Umstellungen zum Sommerflugplan kristallisiert sich eine Strategie heraus: Mit Hilfe der schwer reichen arabischen Fluglinie unterbreitet Air Berlin mehr und mehr Angebote in edlem Ambiente in Richtung Asien.

So gibt es mit dem Sommerflugplan sogenannte Codeshare-Flüge auf die Seychellen, die Malediven und nach Sri Lanka. In Australien werden neben Sydney auch Melbourne und Brisbane angeflogen.

Zudem reagiert Air Berlin auf die Verringerung des Angebots von Lufthansa. Deutschlands Flug-Primus hatte angekündigt, mit dem Sommerflugplan unter anderem die Ziele Budapest, Manchester, Lyon und Marrakesch zu streichen.

Das lässt Air Berlin etwas mehr Luft zu Atmen und mindert ein wenig den Konkurrenzdruck in Berlin. Gleichzeitig bietet Air Berlin fünf neue Direktverbindungen von Tegel aus an, darunter nach Madrid, Warschau und Bukarest.

Wettbewerb mit Billigfliegern wie Easyjet besonders hart

Man wolle, sagt Vertriebschef Gregorowitsch in Europa ein „Mittelanbieter“ bleiben. Das beschreibt allerdings ein wenig das Dilemma von Air Berlin. Gerade auf den innerdeutschen Strecken und auf europäischen Verbindungen ist der Wettbewerb mit Billigfliegern wie Easyjet besonders hart.

Gleichzeitig mischen etablierte Anbieter wie die Lufthansa über eigene Billigtöchter wie Germanwings munter mit. Kaum eine europäische Airline verdient mit Flügen auf dem Kontinent Geld.

Allerdings machen Flüge in Europa 80 Prozent der Air-Berlin-Verbindungen aus. Wie das Unternehmen angesichts solcher Vorzeichen dauerhaft profitabel fliegen soll, ist noch unklar.

Helfen soll vor allem das Sparprogramm Turnine 2013, das noch von Prock-Schauers Vorgänger Hartmut Mehdorn auf den Weg gebracht wurde. 400 Millionen Euro will Air Berlin einsparen, betriebsbedingte Kündigungen inbegriffen.

Die ersten Mitarbeiter in der Berliner Zentrale erhielten am 20. Februar ihre Entlassungspapiere – einen Tag, bevor dort zum ersten Mal ein Betriebsrat gewählt wurde. Wie zu hören ist, wurden eine ganze Reihe von Kündigungen angefochten. Einfach und reibungslos geht bei Air Berlin derzeit gar nichts.