ADAC-Umfrage

Deutsche wollen öfter verreisen und mehr dafür ausgeben

In diesem Jahr wollen die Bundesbürger so viel verreisen wie noch nie. Paare sind bereit, für Fernreisen 4000 Euro auf den Tisch zu legen.

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Wenn es um ihren Urlaub geht, haben sich die Deutschen bisher selten zurückgehalten. Glaubt man den Prognosen, werden sie in diesem Jahr sogar so ausgabefreudig sein wie noch nie. Ein Beispiel: Wer für sich und seine Lieben eine Fernreise plant, will dafür im Schnitt fast 4000 Euro hinlegen – Konsumzurückhaltung sieht anders aus.

Diese und andere Zahlen präsentierte ADAC-Präsident Peter Meyer vor der weltgrößten Reisemesse ITB (6. bis 10. März 2013) in Berlin. Die Umfrage unter den ADAC-Mitgliedern lässt nur den Schluss zu, dass die Deutschen in diesem Jahr häufiger als im Vorjahr verreisen und auch mehr Geld ausgeben wollen.

Gestützt werden die Zahlen durch das Marktforschungsunternehmen GfK. Dieses rechnet bei den Reiseausgaben für den großen Sommerurlaub mit einem Plus zwischen vier und sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die Online-Reiseportale verzeichnen sogar ein Wachstum von 9,6 Prozent, allerdings auf einem deutlich niedrigeren Umsatzniveau. „Die bisherigen Umsatzentwicklungen der Reisebüros und der Online-Portale lassen darauf schließen, dass der durchschnittliche Urlauber in diesem Jahr zwar kürzer verreist, sich dafür aber mehr Luxus gönnt“, heißt es von der GfK.

2012 ließ sich jeder Deutsche vorab gebuchte Reisen im Schnitt 1051 Euro kosten – sechs Prozent mehr als 2010. Insgesamt wurden 2012 von den Deutschen rund 56 Milliarden Euro für private Urlaubsreisen in Ausland ausgegeben. Zu der um knapp sechs Prozent gestiegenen Anzahl der gebuchten Urlaubsreisen haben der GfK zufolge im vergangenen Jahr vor allem die einkommensstarken Haushalte mit einem Nettoeinkommen von mehr als 3250 Euro pro Monat beigetragen. Aber auch Haushalte, denen mindestens 2250 Euro netto zur Verfügung stehen, gaben mehr für Ferientrips aus.

Baden, wandern, radfahren

Das beliebteste Fernreiseziel der ADAC-Mitglieder sind die USA. In Europa liegen Spanien und Italien vorn. Am liebsten verbringen die Deutschen ihren Sommerurlaub aber immer noch im eigenen Land. Fast 38 Prozent der Befragten mit Kindern wollen an die See, in den Bergen wandern oder Radfahren. Im europäischen Vergleich leben die Deutschen derzeit aber auf einer Wohlstandsinsel. In anderen Ländern lassen hohe Arbeitslosigkeit und Wirtschaftskrise die Reisebudgets der Verbraucher schrumpfen. Viele Spanier wollen in diesem Jahr angesichts der Krise in im eigenen Land auf ihren Sommerurlaub verzichten.

Hierzulande wird dank Rekordbeschäftigung am Urlaub nicht gespart. Im Gegenteil: „Die Bundesbürger geben sogar mehr aus als zuvor“, sagt Jürgen Büchy, Präsident des Deutschen Reiseindustrieverbandes. Rund 26 Prozent der ADAC-Mitglieder planen in diesem Jahr zusätzlich zu ihrem großen Urlaub noch eine weitere Reise. Über sechzig Prozent haben sich vorgenommen, noch einmal bis zu sieben Tage am Stück zu verreisen. Mehr als die Hälfte der Befragten wollen auch in diesem Jahr wieder mit dem Auto in Urlaub fahren. Fast 80 Prozent der Befragten wollen im Urlaub baden, sich sonnen und ausruhen.

Was sich allerdings zunehmend verändert, sind die Informationsquellen, die die Deutschen heranziehen, um ihre Urlaube zu planen. Bei den Badeferien stützen sich bereits 40 Prozent auf die Beschreibungen in den Hotelbewertungsportalen. Michael Tenzer von Thomas Cook schätzt, dass „die ab 1990 Geborenen in der Mehrzahl kein Reisebüro mehr betreten werden, um einfache Reisen zu buchen.“

Veranstalter als „Urlaubsdesigner“

Oliver Dörschuck, Geschäftsführer bei TUI-Deutschland, rechnet damit, dass die Pauschalreiseveranstalter in Zukunft viel mehr „Urlaubsdesigner“ und weniger logistischer Dienstleister sein müssen. „Ich glaube, der Reiseveranstalter der Zukunft muss ein Designer sein, der eine Vorauswahl trifft und dann Kundenbedürfnisse am Urlaubsort bedient.“ Rund um das Mittelmeer gebe es mittlerweile rund 10.000 Hotels, die mehr oder weniger alle das gleiche Urlaubserlebnis anbieten würden. TUI setze deswegen zunehmend „auf exklusive und differenzierte Reiseprodukte. Hotels und Rundreisen, die es so nur bei uns gibt.“

Und dann ist da noch Griechenland. Bei stabilen Preisen feiert die Region DRV-Präsident Büchy zufolge gerade ein Comeback und holt wieder deutlich auf – „bei vielen Veranstaltern im zweistelligen Bereich“. Das kann auch Dörschuk für TUI-Deutschland bestätigen und er hofft, dass sich auch Ägypten als Reiseziel demnächst erholen wird. Das wünscht sich auch Dietmar Gunz, Chef der FTI-Group: „Die Lage in den Touristenzentren ist und war immer ruhig, sodass alle Besucher des Landes unbeschwert dort ihren Urlaub verbringen können,“ sagt er. Das Land biete ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis und „ist nach wie vor sehr beliebt bei Urlaubern“. Im ADAC-Reisemonitor liegt Ägypten in der Gunst der Fernreisenden derzeit auf Platz zwei hinter den Vereinigten Staaten.