„Grand Hotel“

Luxushotel Heiligendamm geht wohl an Berliner Reha-Anbieter

Für die Übernahme des insolventen Fünf-Sterne-Hauses ist Median Favorit. Mindestens 25 Millionen Euro hat das Unternehmen offenbar geboten.

Foto: Axel Schmidt / dapd

Der Berliner Betreiber von Rehakliniken, Median, bietet für das insolvente „Grand Hotel“ in Heiligendamm. Jörg Zumbaum, Insolvenzverwalter des Hotels, bestätigte Morgenpost Online ein entsprechendes Angebot. „Median ist ein sehr wichtiger Interessent. Es ist aber noch keine Entscheidung getroffen worden.“ Median betreibt in unmittelbarer Nähe des Nobelhotels eine Reha-Klinik. Median-Chef Hartmut Hain selbst wollte sich auf Anfrage nicht äußern. Das Unternehmen ist einer der größten privaten Betreiber von Reha-Kliniken in Deutschland – mit Sitz in Berlin.

Das ursprünglich zur Fundus-Gruppe des „Adlon“-Erbauers Anno August Jagdfeld gehörende „Grand Hotel“ hatte im Februar Insolvenz angemeldet. Berühmt wurde es durch den G-8-Gipfel 2007. Damals schaute die Welt auf Heiligendamm, als sich Staats- und Regierungschefs im Strandkorb fotografieren ließen. Derzeit wird es vom Insolvenzverwalter mit reduzierter Bettenzahl weitergeführt. Der Betrieb wird aus den laufenden Einnahmen finanziert. Sollte bis Jahresende kein Käufer gefunden sein, droht die Schließung. 250 Menschen sind noch beschäftigt.

Median wiederum befindet sich seit der Übernahme durch den britischen Immobilienfinanzierer Marcol und den amerikanischen Finanzinvestor Advent – der gerade die Parfümerie-Kette Douglas kaufen will und dem Herlitz und Takko gehören – im Oktober 2009 auf einem aggressiven Wachstumskurs. Ziel ist, ein Unternehmen mit Milliardenumsatz zu schaffen. Innerhalb von nur drei Jahren wuchs die Zahl der Kliniken bundesweit durch Übernahmen von 27 auf 42. Die Median-Gruppe betreibt in Berlin selbst in Kladow und Mitte zwei Kliniken, dazu zwei weitere in Brandenburg, eine in Hoppegarten und eine in Grünheide. Bundesweit zählen die Kliniken etwa 8500 Betten und rund 6000 Mitarbeiter. In Heiligendamm ist das Unternehmen bereits vertreten. Direkt neben dem „Grand Hotel“ betreibt Median eine Kurklinik für Patienten, die an Atemwegs-, Herz-Kreislauf- und Gefäßerkrankungen leiden.

Insolvenz im Januar

Mittwoch tagte der Gläubigerausschuss des Hotels. Eine Entscheidung über den Verkauf wurde nicht gefällt, sagte Zumbaum. Beraten wurden die Bedingungen eines Verkaufs des „Grand Hotels“. „Es gibt mehrere Interessenten, mit denen die Endverhandlungen laufen. Meine Aufgabe ist es jetzt, den besten auszuwählen“, sagte der Insolvenzverwalter. Einen Zeitplan nannte Zumbaum nicht. Die „Ostsee-Zeitung“ berichtete, der Verkauf an Median soll schnellstmöglich stattfinden, womöglich noch in dieser Woche. Das Unternehmen habe mindestens 25 Millionen Euro geboten. Das entspräche etwa einem Zehntel der Summe, die bislang in die Anlage investiert wurden. Rund 130 Millionen Euro stammten dabei von 1900 privaten Anlegern eines geschlossenen Immobilienfonds der Fundus-Gruppe, weitere 50 Millionen aus den Fördertöpfen Mecklenburg-Vorpommerns.

Das Ostseebad Heiligendamm war Anfang des 20. Jahrhunderts ein beliebtes Ferienziel für Gutbetuchte auch aus Berlin. Während der DDR-Zeit und nach der Einheit verfiel das Ressort. Jagdfeld kaufte 1996 für wenige Millionen Euro das gesamte Areal mit klassizistischen Hotelgebäuden, baufälligen Villen und einem Gut samt 520 Hektar Land. Über den Immobilienfonds Fundus 34 baute er das „Grand Hotel“ in Heiligendamm auf. Es war die größte Investition in der abgelegenen und strukturschwachen Region. 2003 wurde das Hotel eröffnet, das zunächst von der Hotelkette Kempinski gemanagt wurde. Nach Streitigkeiten führte Fundus-Chef Jagdfeld seit 2009 das Hotel in Eigenregie. Allerdings musste das Land Mecklenburg-Vorpommern mit einer Bürgschaft über vier Millionen Euro einspringen, damit der Betrieb aufrechterhalten werden konnte. Jagdfelds Versuche, mit einem neuen Investor Heiligendamm auszubauen und weiterzubetreiben, scheiterten ebenso wie die Bemühungen, die Fondsanleger zu einer Kapitalerhöhung zu überreden. Im Februar musste die Grand Hotel Heiligendamm GmbH & Co. Kommanditgesellschaft Insolvenz anmelden. Grund: Zahlungsunfähigkeit.

Gespräche mit mehr als 60 Interessenten

Seitdem hat Zumbaum Gespräche mit mehr als 60 Interessenten geführt. Neben Median sollen zu den Interessenten internationale Hotelgesellschaften und Finanzinvestoren gehört haben, hieß es. Angeblich gibt es neben Median fünf weitere ernsthafte Bieter. Zumbaum strebt offenbar einen Verkaufserlös von mindestens 30 Millionen Euro an. Wer aber auch immer in das Projekt einsteigen will, muss sich auch künftig mit Jagdfeld auseinandersetzen. Seiner Firma Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm (ECH) gehören weiterhin Nachbargrundstücke des „Grand Hotels“ sowie mehrere Zufahrtswege. Zudem steht der Käufer vor dem Hauptproblem der mangelnden Auslastung, wichtigstes Kriterium für jedes Hotel. Sie lag im Schnitt nur bei 50 Prozent. Wie es hieß, plant Median das Hotel als Fünf-Sterne-Haus selbst weiterzubetreiben. Teile der Anlage sollen zu einem Therapie- und Erholungszentrum für überarbeitete Führungskräfte ausgebaut werden – eines der schnell wachsenden und lukrativen Geschäftsfelder im Reha-Bereich.