Das Ostseebad Heiligendamm hat eine Überlebenschance. Beim vorläufigen Insolvenzverwalter Jörg Zumbaum hat sich nach den Berichten über die Insolvenz der Fondsgesellschaft, der das Grand Hotel gehört, ein Dutzend ernst zu nehmender Investoren aus dem In- und Ausland gemeldet. „Wir haben bereits sechs Nachfragen und Angebote, die ich als seriös ansehe“, sagte Insolvenzverwalter Zumbaum Morgenpost Online. „Davon kommen drei aus dem außereuropäischen Ausland.“ Namen wollte der Anwalt allerdings nicht nennen. Dass die Käufer in Heiligendamm Schlange stehen, sieht Zumbaum nicht. Er ist aber davon überrascht, dass sich auch ohne Aufforderung so schnell eine annehmbare Zahl namhafter Interessenten gemeldet hätte. „Ich muss jetzt prüfen, ob diese Interessensbekundungen belastbar sind“, sagt Zumbaum.
In der vergangenen Woche hatte Fondsinitiator Anno August Jagdfeld für die mit großem Aufwand restaurierten Nobel-Immobilien zwischen Warnemünde und Kühlungsborn Insolvenz anmelden müssen , weil nicht einmal mehr die Kreditzinsen bezahlt werden konnten. Die Gesellschaft sitzt auf einem Schuldenberg von 30 Millionen Euro. Die Fondsanleger wollten auch kein neues Kapital mehr zuschießen. Jagdfeld war es zuletzt nicht gelungen, die 1900 Fondszeichner, die bereits 130 Millionen Euro in einen geschlossenen Immobilienfonds eingezahlt hatten, für eine Kapitalerhöhung um 32,5 Millionen Euro zu begeistern. Nur 700.000 Euro waren bei dieser verunglückten Sammelaktion zusammengekommen. Die Fondszeichner hatten nämlich jahrelang keine Ausschüttungen gesehen und einen drastischen Kapitalschnitt hinnehmen müssen. Damit waren 90 Prozent der eingezahlten Anlegergelder vernichtet. Dass die Anleger aus der Insolvenzmasse überhaupt noch Geld bekommen, ist eher unwahrscheinlich. Zuerst werden Banken und Lieferanten bedient, wenn voraussichtlich im Mai das Insolvenzverfahren beginnt. „In den letzten vier Jahren habe ich aus privaten Mitteln sechs Millionen Euro in den Betrieb von Heiligendamm gesteckt“, sagte der Fondsinitiator.
Die Investorengruppe Fundus hatte die Immobilien 1996 für 15 Millionen Euro übernommen und mehr als 220 Millionen Euro investiert. Das Grand Hotel mit seinen 222 Zimmern, darunter 78 Suiten, das Kurhaus und einige Villen wurden seit 2003 von der Kempinski-Gruppe vermarktet, die sich aber im Streit mit Jagdfeld aus dem Engagement zurückzog. Weltberühmt wurde das Hotelensemble, als sich hier im Juni 2007 die Staats- und Regierungschefs der G-8-Länder trafen. In den ersten Jahren hatte das Grand Hotel mit schlechten Belegungszahlen um die 40 Prozent und Verlusten zu kämpfen. Zuletzt waren die Buchungen und das Ergebnis aber wieder gestiegen.
Wie belastbar die aktuellen Offerten sind, wird sich erst in den nächsten Wochen zeigen. Der Insolvenzverwalter zielt jedenfalls auf einen möglichst hohen Kaufpreis. Den schätzt Stephan Gerhard, Chef des Hotelconsulters Treugast, zwischen 30 und 50 Millionen Euro. „Ein neuer Eigentümer von Heiligendamm müsste für die notwendigen Investitionen noch einmal 50 Millionen Euro mitbringen“, sagt Gerhard, der als Gutachter für eine Landesbürgschaft den Hotelkomplex bestens kennt. Er sei sich aber nicht sicher, ob es Investoren gibt, die für die Hotel-Immobilien 80 bis 100 Millionen Euro ausgeben wollen. Es sei nicht einfach, einen Käufer zu realistischen Konditionen zu finden. Die Insolvenz werde auch Schnäppchenjäger anziehen.
Unterdessen läuft der Hotelbetrieb ungestört weiter. Es habe keine Stornierungen gegeben, sagte ein Sprecher. Lieferanten seien auch nicht abgesprungen. Stammgäste hätten nach der Insolvenzmeldung jetzt erst recht gebucht.





