Smartphone

Wenn die Warteschlange bei Apple zur iPhone-Feier wird

Der Verkaufsstart für die fünfte Auflage des Smartphones zieht weltweit tausende Kunden an. In Berlin sind die Kunden zurückhaltend.

Foto: John Minchillo / dapd

Weltweit haben tausende Apple-Fans den Verkaufsstart des neuen iPhone 5 zelebriert. Von Sydney bis Paris harrten sie am Freitag in langen Warteschlangen aus, um das neue Smartphone kaufen zu können.

Auch in deutschen Städten wie Hamburg, Köln und München sammelten sich Fans schon in der Nacht, um zu den ersten Besitzern zu gehören. Das iPhone kam in Asien, Europa und Nordamerika in die Läden. In 22 weiteren Ländern startet der Verkauf eine Woche später.

Vor dem Apple-Store im München sammelten sich am Morgen 700 Menschen, in Hamburg waren es etwa 600 und im Rhein-Center in Köln-Weiden wollten sogar 1000 Menschen das neue Smartphone zum Preis zwischen 679 und 899 Euro erwerben.

Auch vor dem Apple-Store in Frankfurt war die Schlange 150 Meter lang. Ein in der Münchner Schlange stehender Apple-Fan wartete nach eigenen Angaben 48 Stunden. In Frankfurt harrten Kaufwillige bis zu 18 Stunden aus, in Hamburg bis zu 13 Stunden. In Köln warteten viele Kaufwillige vergeblich: Das begehrte Gerät war nach einer Stunde ausverkauft. Mit dem iPhone macht Apple mittlerweile fast die Hälfte seines Umsatzes. Schon das iPhone 4 trug im zweiten Quartal mit 46 Prozent zum Konzernumsatz bei.

Kein Chaos vor den Berliner Verkaufsstellen

Auch in Berlin war das iPhone 5 an seinem ersten Verkaufstag stark nachgefragt - zu Chaos vor den Verkaufsstellen kam es jedoch nicht. Vor der Gravis-Filiale am Ernst-Reuter-Platz bildete sich vor Verkaufsbeginn eine „kleine Menschentraube“, sagte Geschäftsführer Jörg Mugke, denn „die Kunden finden das Produkt toll“. Zwar habe Apple zum Verkaufsstart ein größeres Kontingent zur Verfügung gestellt, dennoch waren sie schnell ausverkauft. „Und das wird in den nächsten vier, fünf Wochen wohl auch so bleiben“.

Auch bei der Telekom sei Interesse der Kunden im Vergleich zum Vorgängermodell noch weiter gestiegen, sagte ein Konzern-Sprecher Morgenpost Online: Bundesweit hätte das Unternehmen „bis zum Mittag rund 300.000 verbindliche Bestellungen entgegengenommen. Das sind doppelt so viele wie beim Vorgängermodell iPhone 4S im vergangenen Jahr.“

In London hatten einige Käufer eine Woche in einer Schlange campiert, die einmal um den Block reichte. In Paris wurde der Verkaufsstart von einer Protestaktion von Apple-Mitarbeitern begleitet, die bessere Arbeitsbedingungen forderten. Zu der Demonstration aufgerufen hatte eine kleine Gewerkschaft. Die Streikenden konnten jedoch nicht verhindern, dass sich die Kunden mit Begeisterung auf das neue iPhone stürzten.

In Hongkong und Singapur mussten sich die Käufer vorab online registrieren, um zum verabredeten Zeitpunkt ihr Smartphone abholen zu können. Die ersten Kunden in Hongkong wurden von jubelnden Apple-Mitarbeitern empfangen, die sie einzeln in den Laden führten.

Zwei Millionen Bestellungen in 24 Stunden

Apple hat nach eigenen Angaben in den ersten 24 Stunden nach Vorstellung des Geräts zwei Millionen Bestellungen für das iPhone 5 erhalten, mehr als doppelt so viele wie beim Start des iPhone 4 vor einem Jahr. Neue Verkaufsrekorde sind für das wertvollste Unternehmen der Welt nichts Ungewöhnliches. Vor allem das iPhone übertraf die bisherigen Bestmarken verlässlich.

Ein Detail seiner internen Planungen verriet der ansonsten so verschlossene Technologieriese im US-Patentprozess gegen den südkoreanischen Rivalen Samsung : Bislang verkaufte sich jede neue Generation des Smartphones ungefähr so stark wie alle Vorgänger zusammen. Analysten trauen Apple zu, bis Ende des Monats bis zu zehn Millionen Geräte zu verkaufen.

Peinlicher Schönheitsfehler im Kartensystem

Einen besonders peinlichen Schönheitsfehler freilich hat das neue Smartphone: Die Freiheitsstatue in New York ist weg – zumindest im neuen Kartensystem auf dem iPhone 5. Auch der Reichstag soll schon mal in Schöneberg landen. Apple Maps heißt das Programm, das in das neue Betriebssystem iOS 6 integriert ist. Und da häufen sich grobe Mängel. Die Nutzer sind erbost. „Apples 3D-Karten sind eine apokalyptische Horrorshow“, heißt es zum Beispiel im US-Blog „Gizmodo“. Apple verspricht Verbesserungen und bittet um Geduld.

Der US-Konzern setzt beim neuen Betriebssystem nicht mehr auf das Kartenmaterial von Google, sondern erstmals auf eine eigene Anwendung. Die entsprechenden Daten stammen vom Navi-Spezialisten TomTom. „Wir liefern die Grundlagen“, betont ein Sprecher. „Die Erfahrung der Nutzer hängt dann völlig davon ab, welche Entscheidungen die Hersteller treffen.“ Und da scheint es bei Apple so manche Fehlplanung gegeben zu haben. Die Freiheitsstatue jedenfalls ist in der 3D-Ansicht lediglich als grünlicher Fleck von oben zu sehen – weil sie bislang nur in 2D dargestellt wird.

Das neue Betriebssystem iOS 6 kommt allerdings nicht nur beim iPhone 5 zum Einsatz, sondern kann auch kostenlos auf die meisten älteren iPhone- und iPad-Modelle aufgespielt werden. Da sich Millionen Nutzer das Update herunterluden, verzeichnete der Netzdienstleister Akamai einen um 50 bis 75 Prozent höheren Datenverkehr als sonst.