Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) warnt vor einer aktuellen Sicherheitslücke im Internet Explorer von Microsoft. Der Browser ist – auch wenn er im Laufe der Jahre Marktanteile eingebüßt hat – doch noch einer der am weitesten verbreiteten Browser in Deutschland und weltweit. Wer mit der Version7 oder8 unter dem Betriebssystem Microsoft WindowsXP oder mit der Version8 oder9 unter Microsoft Windows7 im Netz surfe, solle dringend auf einen anderen Browser umsteigen, empfiehlt das BSI.

Erst vor wenigen Wochen hatte ein Leck in einer anderen, weit verbreiteten Computeranwendung die Experten des BSI auf den Plan gerufen. Das Amt warnte Ende August vor einer Sicherheitslücke in der Software Java Laufzeitumgebung des Herstellers Oracle. Die ist in vielen Browsern eingebunden. Durch die Lücke konnten Hacker beim Besuch manipulierter Webseiten Schadsoftware auf den heimischen Rechner schleusen und beispielsweise bei Bankgeschäften sensible Daten ausspähen. Binnen weniger Tage hatte Oracle ein Sicherheits-Update bereitgestellt, um das Leck zu schließen. Ob weitgehend alle Nutzer die Warnung beherzigt haben, ist aber unbekannt.

Schwachstelle von Kriminellen genutzt

Microsoft beschwichtigt im aktuellen Fall: Die Masse der Nutzer sei nicht gefährdet. „Diese Lücke wird nicht breit ausgenutzt“, sagte ein Sprecher am Dienstag. Angriffe fänden nur begrenzt und gezielt statt. Das Unternehmen arbeite an einem Sicherheitsupdate, das die Lücke schließen soll. Das werde „so schnell wie möglich“ zur Verfügung stehen. Einen genauen Termin nannte der Sprecher allerdings nicht. Der Internet Explorer10 sei nicht betroffen. Allerdings sind traditionell viele Internetnutzer mit früheren Software-Versionen unterwegs.

Das BSI sieht die Lage nicht so entspannt wie Microsoft. Es erklärte, die Schwachstelle werde bereits von Kriminellen dazu genutzt, Schadprogramme auf Computer zu schleusen. Das passiere, wenn Nutzer über den Explorer infizierte Webseiten ansteuerten. Schon bei deren Ansicht könnten Softwarecodes auf dem Computer mit den Rechten des Nutzers ausgeführt werden. Damit können die Angreifer nicht nur den Rechner ausspionieren, sondern beliebige Programme ausführen. Zudem könnte der PC für Angriffe auf andere Rechner gekapert werden. Außerdem wurden die Bausteine des Schadprogramms im Internet veröffentlicht, sodass mit weiteren Angriffen anderer Krimineller zu rechnen sei. Das BSI empfahl deshalb allen Nutzern des Internet Explorer, vorläufig einen anderen Browser zum Surfen zu verwenden, zumindest „bis der Hersteller ein Sicherheitsupdate zur Verfügung gestellt hat“, wie es in einer Mitteilung des BSI heißt. Es ist selten, dass eine so gravierende Sicherheitslücke auftaucht, dass Experten davon abraten, eine Software überhaupt zu verwenden.

Deutsche nutzen zumeist Firefox

Natürlich möchte Microsoft nicht riskieren, dass Nutzer wechseln und auf Dauer bei der Browser-Alternative bleiben. Das Unternehmen weist deshalb auf eine Übergangslösung hin. Nutzer sollten die Sicherheitseinstellungen im Explorer auf „hoch“ stellen. Professionelle Anwender könnten ein zusätzliches Programm herunterladen. In einem Blog-Eintrag erläutert der Konzern, wie Fachkundige den Computer in der Zwischenzeit mit einer Änderung der Einstellungen und der Installation der Komponente EMET (Enhanced Mitigation Experience Toolkit) absichern können. Auf dieses „Toolkit“ können erfahrene Computeranwender unter der folgenden Adresse zugreifen: www.microsoft.com/en-us/download/details.aspx?id=29851.

Wer Programmaktualisierungen automatisch erhalte, werde auch das Sicherheitsupdate einfach aufgespielt bekommen. Ein kommender „Patch“ zur Behebung des Softwarefehlers werde auch von technischen Laien leicht ausgeführt werden können.

Alternativen zum Internet Explorer

Wer sichergehen will, kann den Explorer ausgeschaltet lassen und auf bewährte Alternativen zurückgreifen. Die sind im Web schnell herunterzuladen und zu installieren – am besten vom Originalhersteller oder anderen bewährten, sicheren Seiten wie computerbild.de.(> Downloads) oder www.heise.de/download.

Die meisten Deutschen sind der Marktforschungsfirma Statcounter zufolge derzeit mit dem Firefox im Internet unterwegs, gefolgt vom Internet Explorer, dem Google-Browser Chrome, Safari von Apple und dem norwegischen Browser Opera. Auch für das mobile Surfen mit Smartphones und Tabletcomputern gibt es Alternativen zu vorinstallierten Browsern.

Firefox: Fast jeder zweite Deutsche surft heute mit Mozilla Firefox. Das Programm ist kostenlos herunterzuladen und bietet viele Möglichkeiten der Anpassung mit „Add-ons“. Er funktioniert aber auch ohne sie. Bei der Schnelligkeit des Seitenaufbaus, die in Vergleichstests häufig kritisiert wurde, hat das Programm inzwischen aufgeholt. Den Firefox gibt es kostenlos auch für mobile Android-Geräte.

Chrome: Der Browser von Google ist relativ neu, aber schon recht weit verbreitet. In Deutschland läuft er auf fast jedem fünften PC. In Vergleichen von Fachzeitschriften schneidet er vor allem wegen seiner Geschwindigkeit sehr gut ab. Wer ein Google-Konto hat, kann dort seine Einstellungen, Lesezeichen und Erweiterungen speichern und diese dann von anderen Computern abrufen. Diese Synchronisierung funktioniert auch mit der Version für iPhone- und Android-Smartphones.

Safari: Das ist der Web-Browser von Apple, das Programm läuft in einigen Versionen aber auch auf Windows. Er lädt Internetseiten ebenfalls fix und zeigt die meisten Inhalte problemlos an. Safari zeichnet sich vor allem durch grafische Effekte aus, die etwa das Durchblättern von Verlauf und Favoriten besonders übersichtlich machen sollen.

Opera: Er war lange führend bei der Entwicklung innovativer Techniken, die sich später auch bei anderen Browsern etablierten. Zu Beginn mussten Nutzer für eine werbefreie Version zahlen; inzwischen ist der Browser kostenlos. Auch Opera-Nutzer können ihre Einstellungen zwischen mehreren Geräten synchronisieren. Für das mobile Surfen gibt es Opera Mini, auf dem die gewünschten Internetseiten komprimiert angezeigt werden. Damit lassen sich Gebühren für die Datenübertragung sparen.

dapd; dpa; AFP