Krankenhausmarkt

Fresenius startet zweiten Anlauf zur Rhön-Übernahme

Der Konzern plant, Rhön mit der Berliner Krankenhaustochter Helios zu verschmelzen. Dafür muss der Aufsichtsrat noch grünes Licht geben.

Fresenius-Chef Ulf Schneider will Branchen- und Finanzkreisen zufolge einen zweiten Anlauf zur Übernahme des Konkurrenten Rhön-Klinikum nehmen. Schneider und Rhön-Gründer Eugen Münch arbeiteten intensiv an einem neuen Deal, sagten drei mit dem Vorgang vertraute Personen am Donnerstag. Eine zweite Offerte des Gesundheitskonzerns für die fränkische Klinikkette werde immer wahrscheinlicher. Fresenius plant, Rhön mit seiner Berliner Krankenhaustochter Helios zu verschmelzen. Damit entstünde der unangefochten größte private Krankenhausbetreiber in Deutschland. Sitz des Unternehmens soll Berlin sein, wo Helios zwei Kliniken – eine in Buch, eine in Zehlendorf – betreibt

Alle Beteiligten betonen allerdings, dass vor einem zweiten Angebot einige Fragen geklärt werden müssen. Die größte sei, ob der Fresenius-Aufsichtsrat grünes Licht für einen zweiten Anlauf gebe, betonten drei Insider. Auch der Rhön-Vorstand und die Finanzaufsicht BaFin müssen zustimmen, wenn der Konzern aus Bad Homburg innerhalb eines Jahres erneut für Rhön bieten will. Eine Entscheidung in den nächsten Tagen ist daher nicht zu erwarten. Rhön-Finanzchef Erik Hamann ließ in einer Telefonkonferenz mit Analysten offen, ob der Vorstand ein neues Fresenius-Angebot unterstützen würde. „Es ist noch zu früh, darüber zu spekulieren. Wir werden warten, bis ein Angebot auf dem Tisch liegt.“

Erster Versuch gescheitert

Der erste Versuch, Rhön-Klinikum für 3,1 Milliarden Euro zu schlucken, war Ende Juni gescheitert, weil Fresenius nicht wie angestrebt 90 Prozent der Rhön-Aktien einsammelte. Diese Hürde hatte Fresenius-Chef Schneider gesetzt, weil er laut der Rhön-Satzung nur so Kapitalmaßnahmen und Satzungsänderungen durchsetzen kann.

Bei einem zweiten Übernahmeversuch werde sich Fresenius vermutlich zunächst mit einer Mehrheit mit 50 Prozent plus einer Aktie zufriedengeben geben, sagte drei mit dem Prozess vertraute Personen. Damit hätte Fresenius zwar bei Abstimmungen über die Dividende oder die Besetzung des Aufsichtsrats eine Mehrheit. Die Finanzierung wäre aber schwieriger als bei einer kompletten Integration, wie sie der Konzern beim ersten Anlauf angestrebt hatte. „Fresenius würde das aber hinkriegen“, sagte ein beteiligter Banker. „Mittelfristig wird Fresenius aber sicher versuchen, über die 90-Prozent-Schwelle zu kommen“, sagte eine mit den Diskussionen vertraute Person. Fresenius wollten sich zu den Informationen nicht äußern, bekräftigte aber, dass der Konzern seine Handlungsmöglichkeiten bei Rhön-Klinikum weiter prüfe. Das Unternehmen hatte angekündigt, noch im August über einen zweiten Anlauf zu entscheiden.

Rhön-Gründer und -Großaktionär Münch schrieb in einer E-Mail an die Nachrichtenagentur Reuters, er und Fresenius verfolgten das Ziel, einen Gesundheitsdienstleister zu schaffen, „der für die Versorgung der Menschen in der alternden Gesellschaft neue Wege öffnen kann“. Er träumt weiter davon, dass der neue Konzern Helios-Rhön dank eines flächendeckenden Kliniknetzes in Deutschland eine private Zusatzversicherung für Leistungen anbieten kann, die von den gesetzlichen Krankenkassen nicht bezahlt werden.

Neue Hoffnung

Die Rhön-Aktie, die nach enttäuschenden Quartalszahlen im Minus lag, drehte am Abend ins Plus und gewann bis zu 9,5 Prozent auf 19,22 Euro. Bei einem zweiten Übernahmeangebot müsse Fresenius – wie beim ersten Angebot – mindestens 22,50 Euro je Rhön-Aktie bezahlen, sagte ein Händler. „Positiv ist vor allem, dass Fresenius sich zunächst mit einer Mehrheit von 50 Prozent plus einer Aktie zufrieden geben würde“, fügte er hinzu. Schließlich könne Fresenius seinen Anteil danach aufstocken.

Auch Hedgefonds, die nach der Vorlage des ersten Übernahmeangebots bei Rhön-Klinikum eingestiegen waren, machen sich nun wieder Hoffnungen. „Wir werden jetzt auf jeden Fall noch ein paar Wochen abwarten und sehen, was passiert“, sagte einer der Investoren. „Wir sehen keinen Grund, jetzt zu verkaufen.“ Mit einer zweiten Offerte würde auch der Druck auf Asklepios steigen. Der Konkurrent war Ende Juni mit gut fünf Prozent bei Rhön eingestiegen, hatte den Zusammenschluss damit torpediert und einen größeren Wettbewerber vorerst verhindert. Wenn sich Fresenius mit 50 Prozent zufrieden gäbe, dürfte es dem Familienunternehmen aber schwer fallen, den Deal ein zweites Mal zu blockieren. Asklepios wollte sich nicht äußern.