Streit beigelegt

MS Deutschland bleibt unter deutscher Flagge

Die Ausflaggung des Traumschiffs ist abgewendet. Die Reederei beugt sich dem öffentlichen Druck: Die MS Deutschland bleibt deutsch.

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Der Streit über die geplante Ausflaggung des Kreuzfahrtschiffs „MS Deutschland“ ist vom Tisch.

Das in der Fernsehserie „Traumschiff“ bekannt gewordene Schiff fährt weiter unter deutscher Flagge. Die Deilmann Reederei habe sich am Montag nach den emotionalen Auseinandersetzungen der vergangenen Tage entschlossen, von dem geplanten Flaggenwechsel abzusehen, sagte eine Unternehmenssprecherin.

Vor allem der Kapitän des Schiffes, Andreas Jungblut, hatte sich vehement gegen den Flaggenwechsel ausgesprochen und so einen öffentlichen Streit mit der Reederei riskiert.

Die Reederei aus dem schleswig-holsteinischen Neustadt hatte ursprünglich geplant, das 175 Meter lange Schiff aus Kostengründen künftig für Malta fahren zu lassen.

Noch am Wochenende hatten die Geschäftsführer der Reederei an Bundespräsident Joachim Gauck geschrieben. "Sie dürfen uns glauben, dass auch wir nur mit Herzschmerz von der deutschen Flagge lassen. Die Reederei befindet sich jedoch aktuell immer noch in einer Sanierungsphase."

Offener Brief an Gauck

Mit diesen Worten reagierten die beiden Geschäftsführer der "Deutschland"-Reederei Deilmann, Konstantin Bissias und Andreas Demel, in einem offenen Brief an Bundespräsident Joachim Gauck auf die Vorwürfe von Jungblut.

Jungblut hatte laut "Bild"-Zeitung vom Freitag ebenfalls an Gauck geschrieben, und die Umbeflaggung des Kreuzfahrtschiffs heftig kritisiert. Der "Bild am Sonntag" sagte Jungblut jetzt: "Das ist so, als würde man das Brandenburger Tor an die Chinesen verkaufen." Er gab sich weiter kämpferisch: "Wenn ein Schiff "Deutschland" heißt und es zudem noch das berühmteste Schiff des Landes ist, dann kann man das nicht einfach so ausflaggen."

Die Ausflaggung des einzigen deutschen Kreuzfahrtschiffs unter deutscher Flagge war auf heftige Kritik gestoßen. Das Schiff liegt derzeit als offizielles Gästeschiff des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) bei den Olympischen Spielen in London, was die Aufmerksamkeit noch erhöht hatte.

Die Bundesregierung forderte das Unternehmen auf, seine Pläne zu überdenken. Bei dem Flaggschiff gehe es auch um eine „politische Symbolik“, warnte der Koordinator der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft, Hans-Joachim Otto. Auch die Gewerkschaft Ver.di hatte die Reederei scharf kritisiert.

Reeder flaggen Schiffe üblicherweise aus Kostengründen aus. Dadurch wird es möglich, Besatzungen ohne die im Inland geltenden Tarifbestimmungen oder Sozialangaben anzuheuern. Das Thema sorgt schon seit Jahrzehnten für Streit.