Umzug

Der Duden soll bald ein Berliner werden

Der Mannheimer Traditionsverlag Bibliographisches Institut zieht in die Hauptstadt um. Die Mitarbeiter sind laut Betriebsrat „schockiert“.

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Drei Jahre nach dem Kauf durch den Berliner Verlagskonzern Cornelsen steht dem Mannheimer Traditionsverlag Bibliographisches Institut (BI) eine große Umstrukturierung bevor. Wie der Berliner Mutterkonzern Cornelsen mitteilte, soll das komplette Geschäft mit gedruckten Produkten – darunter auch die Print-Ausgabe des Duden – nach Berlin verlagert werden. Weiter ist geplant, den Geschäftsbereich Kinder- und Jugendbuch zu verkaufen.

Nach Angaben des Betriebsrates sollen von den momentan noch etwa 190 Mitarbeitern etwa 160 umziehen. Ungefähr 30 Beschäftigte sollen am bisherigen Standort bleiben. Sie arbeiten im Bereich „Sprachtechnologie“, der laut Unternehmensführung in Mannheim bleibt. Die Einheit entwickelt und vertreibt aus Sicht von Cornelsen schon heute „erfolgreiche Korrekturlösungen wie den Duden-Korrektor für den PC und Intranets“.

Mutterkonzern reagiert auf die „digitalen Herausforderungen“

Laut Cornelsen will das Unternehmen mit der Verlagerung „auf die digitalen Herausforderungen und die Potenziale im Bildungsbereich“ reagieren und die Stärkung der Cornelsen Schulverlage vorantreiben. Der Berliner Schulbuchverlag hatte im Frühjahr 2009 die Mehrheit der Aktienanteile am Mannheimer Traditionshaus Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG gekauft.

Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende des Mannheimer Verlags, Peter Neulen, kritisierte die Entscheidung des Konzerns als unstimmig, da die verschiedenen Abteilungen in der Stadt teilweise miteinander verflochten seien. Auch sei der Betriebsrat im Vorhinein nicht über die Pläne von Cornelsen informiert worden.

„Für die Mitarbeiter war es ein Schock“

Neulen kritisierte: „Für die Mitarbeiter war es natürlich ein Schock.“ Viele habe die Entscheidung aus Berlin überrascht, obwohl bekannt gewesen sei, dass der sogenannte Nachmittagsmarkt, also Produkte für das schulbegleitende Lernen, einen starken Einbruch verzeichnen musste. „Hier wurden ganz offensichtlich nicht die Erwartungen des Unternehmens erfüllt“, sagte der Betriebsrat.

Ein Sprecher der Cornelsen-Holding sagte, die Unternehmensführung habe sehr genau geprüft, inwieweit sich hier Unternehmensbereiche voneinander trennen lassen. Insofern weise man die Kritik der Arbeitnehmervertreter zurück. Nun solle gemeinsam mit dem Betriebsrat nach möglichst sozialen Lösungen für alle beteiligten Mitarbeiter gesucht werden. So müsse beispielsweise geklärt werden, welche Mitarbeiter aus dem Publikumsverlag mit nach Berlin gehen.