Stellenabbau

Berliner Karstadt-Mitarbeiter bangen um ihre Jobs

Karstadt streicht massiv Stellen. Die Mitarbeiter der zwölf Berliner Filialen werden darüber offiziell in den kommenden Tagen informiert.

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Die Karstadt-Filiale an der Müllerstraße in Wedding lockt bereits eine Woche vor dem offiziellen Start in den Sommerschlussverkauf mit zahlreichen Preisnachlässen. Doch an diesem Dienstagvormittag herrscht alles andere als Gedränge. Nur wenige Kunden stehen an den Schnäppchentischen. Schuld daran ist jedoch nicht die Hiobsbotschaft vom Vorabend, als die Konzernleitung über die Presse verbreiten ließ, dass 2000 Mitarbeiter in den kommenden zwei Jahren ihre Stelle verlieren sollen. „Wer will schon T-Shirts oder Spaghettitops, wenn's draußen schüttet“, so eine Verkäuferin achselzuckend. Zum geplanten Stellenabbau könne sie indes nichts sagen: „Offiziell sind wir noch gar nicht informiert“, so die Mittfünfzigerin. Sie habe erst heute früh in der Zeitung von den Plänen des Karstadt-Chefs Andrew Jennings erfahren.

Wie im gesamten Bundesgebiet werden nun auch in den zwölf Berliner sowie drei Brandenburger Filialen in den kommenden Tagen Mitarbeiterversammlungen einberufen, bei denen die spärlichen Informationen, die es bislang von offizieller Seite gibt, an die Mitarbeiter weitergegeben werden sollen.

Zusammen mit den anderen Mitgliedern des Gesamtbetriebsrats war auch Monika Roloff, Betriebsratsvorsitzende des Karstadt-Hauses an der Müllerstraße, am Montagabend von der Geschäftsführung in Essen über den geplanten Arbeitsplatzabbau unterrichtet worden. Am Dienstagvormittag sitzt sie im Zug zurück nach Berlin: „Ich werde jetzt erst mal die Betriebsratsmitglieder informieren, dann werden wir vermutlich morgen zur Mitarbeiterversammlung einladen“, sagt sie. Mehr möchte sie zu dem Thema nicht sagen: „Die Stimmung ist natürlich gedrückt, das ist doch wohl klar.“

Unsicherheit bei Karstadt-Beschäftigten

Petra Ringer, bei Ver.di Berlin-Brandenburg zuständige Gewerkschaftssekretärin im Fachbereich Handel, wird dagegen deutlicher. „Sechs Jahre lang haben die Karstadt-Mitarbeiter auf Weihnachts- und Urlaubsgeld verzichtet und gehofft, dass die Konzernleitung die Weichen richtig stellt“, sagt die Gewerkschaftssekretärin. Doch weit gefehlt: „Als Dankeschön gibt es dafür nun Kündigungen“, so Ringer weiter.

Die Unsicherheit, mit der die Karstadt-Beschäftigten bereits seit vielen Jahren und nicht erst seit der Insolvenz 2009 und der Übernahme durch den Finanzinvestor Nicolas Berggruen im Herbst 2010 leben müssen, habe diese jedoch „krisenerprobt“ gemacht, sagt auch Erika Ritter, Ver.di-Expertin für den Brandenburger Einzelhandel. „Die Mitarbeiter werden Ruhe bewahren und erst einmal schauen, ob ihre Häuser betroffen sind.“ Denn noch sei gar nicht klar, ob an einen Personalabbau in Berlin gedacht sei. Diese Phase der Unsicherheit werde vermutlich noch einige Wochen andauern. Bis Mitte September seien Verhandlungsrunden angesetzt. Rund 3000 Mitarbeiter der 24.400 Karstadt-Beschäftigten arbeiten in den Warenhäusern in Berlin. „Die Konzernleitung wäre gut beraten, das Servicepersonal in den Kaufhäusern nicht weiter herunterzufahren“, so die Ver.di-Handelsexpertin. Schließlich erwarte der Kunde kompetente Ansprechpartner.

IHK macht Hoffnung

Bei der IHK-Berlin ist man unterdessen überzeugt, dass es für die Häuser der Hauptstadt nicht so schlimm kommen werde: „Karstadt Berlin präsentiert sich in einer recht modernen und ansprechenden Ausrichtung“, sagt IHK-Sprecher Christian Breitkreutz. Vom verstaubten Kaufhausmief, der vielen Filialen noch in den 90er-Jahren anhaftete, sei insbesondere in den Häusern an der Schloßstraße in Steglitz, am Kurfürstendamm, aber auch am Tempelhofer Damm oder am Hermannplatz nichts mehr zu spüren. „Das sind gut geführte Häuser“, so Breitkreutz. Zumindest die Gefahr von Kaufhausschließungen in der Hauptstadt sei nicht erkennbar.

Am Dienstagnachmittag hat sich der Himmel über Berlin zumindest kurzfristig aufgelockert. Bei Karstadt an der Steglitzer Schloßstraße herrscht zwar kein Hochbetrieb, aber immerhin einige Kunden schlendern durch die Kaufhaus-Gänge. Thomas Hermanns ist einer von ihnen. „Eine Regenjacke für 50 Euro statt 80 Euro, das ist doch in diesem verregneten Sommer ein echtes Schnäppchen“, sagt der Steglitzer. Von den Plänen der Konzernleitung hat er noch gar nichts gehört: „Hier an der Schloßstraße ist doch gerade alles erst neu gebaut, das kann man doch nicht kaputt sparen“, hofft der 47-Jährige.