Drogeriekette

Berggruen macht Schlecker-Mitarbeitern Hoffnung

13.500 Schlecker-Mitarbeiter können hoffen. Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen soll 150 Millionen Euro für die Drogeriekette bieten.

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Für die verbliebenen 13 500 Mitarbeiter der insolventen Drogeriekette Schlecker gibt es offenbar doch noch Hoffnung. Karstadt-Sanierer Nicolas Berggruen soll sich für das Unternehmen interessieren. Das berichten die Zeitung "Stuttgarter Nachrichten“ und die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf mit den Vorgängen vertraute Personen.

Das Schicksal Schleckers steht auf des Messers Schneide. Täglich macht die Kette Verluste in sechsstelliger Höhe. Der Schuldenberg des Unternehmens nähert sich der Milliardengrenze. Hinzu kommen rechtliche Unsicherheiten aufgrund von rund 4000 Kündigungsschutzklagen entlassener Mitarbeiter. Die Kosten dafür könnten sich auf mehr als 100 Millionen Euro belaufen.

Drei Bieter im Rennen

Den Berichten zufolge sei Berggruen erst vor zwei Wochen in den Investorenprozess eingestiegen. Er sei an dem gesamten Konzern interessiert und biete einen Kaufpreis zwischen 100 und 150 Millionen Euro. Ein Geschäftskonzept liege dem Hauptgläubiger, der Kreditversicherung Euler Hermes, bereits vor. Die Insolvenzverwaltung wollte den Bericht am Donnerstag nicht kommentieren. Auch von Berggruens Investholding gab es keine Stellungnahme.

An diesem Freitag dürfte sich bei der Sitzung des Gläubigerausschusses entscheiden, ob der Vorschlag des Investors akzeptiert werde. In dem Ausschuss sitzen die größten Gläubiger Schleckers. Ein bindendes Angebot der Berggruen-Holdings liege noch nicht vor, heißt es. Nach Informationen der „Financial Times Deutschland“ sind neben Berggruen auch der Finanzinvestor Cerberus sowie ein Familienunternehmen im Rennen. Möglich ist auch, dass der Gläubigerausschuss die Zerschlagung Schleckers empfiehlt.

Sollte Berggruen, der die Warenhauskette Karstadt nach der Insolvenz 2009 übernommen hatte, aber tatsächlich ernsthaftes Interesse an Schlecker signalisiert haben, spräche dies dafür, dass der Gläubigerausschuss den Schlecker-Betrieb trotz der hohen Verluste zunächst weiterführen wird – um Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz Zeit für weitere Verhandlungen zu geben. Dieses Mandat dürfte bis mindestens zum 5. Juni gelten. An diesem Tag kommt in Ulm die Gläubigerversammlung zusammen.

Das „Manager Magazin“ berichtet, Berggruen wolle die übrig gebliebenen Unternehmensteile aufkaufen und verwerten. Berggruen stelle aber harte Bedingungen. Demnach müsste der größte Schlecker-Gläubiger, der Kreditversicherer Euler Hermes, auf einen Großteil seiner Forderungen verzichten. Denn Berggruen will offenbar für den Warenbestand Schleckers, der an Euler Hermes verpfändet und rund 300 Millionen Euro wert ist, bislang lediglich rund hundert Millionen Euro zahlen.

Obendrein will der deutsch-amerikanische Unternehmer für das Geld auch die Immobilien der Gruppe bekommen. Ob Euler Hermes bereit ist, sich auf ein solches Geschäft einzulassen oder eher auf die Zerschlagung des Unternehmens drängt, ist noch unklar.

Berggruen nicht unumstritten

Auch ist Berggruen nicht unumstritten. Die Gewerkschaft Ver.di, die ihn bei der Karstadt-Übernahme unterstützt hatte, ist zuletzt auf Distanz zum 50-jährigen Milliardär gegangen. Berggruen, der Karstadt für einen Euro übernommen hatte, habe zu wenig Geld in das Unternehmen investiert, hieß es, möglich, dass im Herbst das Überleben Karstadts wieder auf der Tagesordnung stehe. Jene Gewerkschaft Ver.di aber sitzt auch im Gläubigerausschuss von Schlecker.

Die Sitzung des Gläubigerausschusses wird hinter verschlossenen Türen stattfinden. Dazu gehören neben Euler die Lieferantengruppe Markant Finanz AG und die Agentur für Arbeit in Ulm. Im Ausschuss sind außerdem je ein Vertreter von Gewerkschaft und Arbeitnehmerschaft. Fällt eine Entscheidung, wird sie am 5. Juni bei der vom Amtsgericht Ulm festgelegten Gläubigerversammlung endgültig beschlossen. Im Zuge der Insolvenz der Kette war Ende März bundesweit rund 10 000 Beschäftigten gekündigt worden. Über 2000 Filialen wurden geschlossen, über 80 in Berlin. Ende Januar hatte Schlecker den Insolvenzantrag gestellt.