Für die 1200 Beschäftigten von First Solar, die in Frankfurt (Oder) ihre Stellen verlieren, könnte es möglicherweise eine Transfergesellschaft geben. Ein solches Vorgehen sei im Gespräch, sagte Betriebsrat Sven Hennig am Mittwoch. Nähere Angaben wurden zunächst nicht gemacht. Eine Transfergesellschaft soll Entlassenen den Übergang in einen neuen Job ermöglichen und besteht maximal für ein Jahr.
Der US-Konzern First Solar hatte am Dienstag angekündigt, seine Produktionsstätten in Frankfurt (Oder) zu schließen – 1200 Jobs gibt es dort. Ende Oktober soll an der Oder das letzte Dünnschicht-Modul vom Band laufen – nur kurz nach dem Auslaufen einer fünfjährigen Arbeitsplatzgarantie, mit der das Unternehmen sich einst 45 Millionen Euro Fördergeld sicherte. Zudem fallen 150 der 175 Arbeitsplätze der europäischen Vertriebssparte mit Zentrale in Mainz weg.
Wirtschaftsminister kritisiert Förderpolitik
Wirtschaftsminister Ralf Christoffers will nach der Schließungsankündigung des US-Unternehmens First Solar für die Werke in Frankfurt (Oder) die Situation etwas entschärfen. Dazu könnten auch andere Wirtschaftszweige beitragen, sagte der Linke-Politiker am Mittwoch im RBB-Inforadio. „Wir werden uns überlegen müssen, was wir beispielsweise für den Bereich Logistik tun können, wo wir stabilisieren können und was möglicherweise eine Perspektive für den Standort ist“, sagte Christoffers. Auch eine verstärkte grenzüberschreitende Kooperation mit Polen sei denkbar.
Christoffers kritisierte die Förderpolitik der Bundesregierung. Von der Schließung sei er überrascht worden, fügte der Minister hinzu. Er wolle am Mittwochmittag bei Gesprächen mit der Unternehmensleitung die genauen Gründe für die Entscheidung erfahren.
Forderung nach Anzeige wegen möglichen Subventionsbetrugs
Die IG Metall Ostbrandenburg will nun das weitere Vorgehen sondieren. Die Wellen der Empörung bei den Beschäftigten schlagen hoch, sagte Gewerkschaftssekretär Siegfried Wied am Mittwoch. So gebe es Forderungen nach einer Strafanzeige gegen die Unternehmensleitung wegen möglichen Subventionsbetrugs. Ein anderer Vorschlag sei die Übernahme der Werke durch die Belegschaft (Management-buy-Out).
Über die nächsten Schritte soll an diesem Donnerstag mit dem Betriebsrat des Frankfurter Unternehmens beraten werden. Der Konzern hatte am Dienstag angekündigt, den Standort in der Oderstadt zur Produktion von Dünnschichtmodulen mit 1200 Mitarbeitern im Oktober zu schließen.
„Für die Beschäftigten kommt die Werksschließung überraschend, überall schlagen die Wogen der Empörung hoch“, berichtete Wied. „Wir müssen die Mitarbeiter, aber auch die Auszubildenden, jetzt erst einmal mit ihren Sorgen und Ängsten auffangen und dann sehen, wie es weitergeht“, sagte er nach einem Treffen mit einem Vertreter des Betriebsrates und 14 Lehrlingen in Frankfurt (Oder). Wichtig seien jetzt Gespräche gemeinsam mit anderen Partnern, darunter der Landesregierung, über einen Interessenausgleich für die Betroffenen.
Die Gewerkschaft werde versuchen, für die Lehrlinge einen anderen Betrieb zu finden, ansonsten müsse ein Bildungswerk die weitere Ausbildung übernehmen. „Ich erwarte von First Solar, dass das Unternehmen die vollen Ausbildungskosten übernimmt“, betonte Wied. Die Konzernleitung habe beim Werk in Frankfurt vor allem hohe Gewinnmargen im Auge gehabt und müsse jetzt soziale Verantwortung übernehmen.
dapd/dpa/nbo


