Wer die bunte Fassade der Solarfabrik von First Solar in Frankfurt an der Oder sah, stand schon immer vor einem Rätsel: Zeigt sie eine aufgehende Sonne oder doch ihren Untergang? Seit Dienstag sind die Schwarzseher bestätigt: Das US-Unternehmen macht sein Werk dicht, und 1200 Menschen verlieren ihren Arbeitsplatz – in einer Stadt, die nicht viel anderes hat als die Solarindustrie. Im vierten Quartal wird der Standort geschlossen. Zahlreiche weitere Arbeitsplätze fallen am Vertriebsstandort in Mainz weg. „Diese Entscheidung fällt uns nicht leicht“, beteuerte Konzernchef Mike Ahearn in Tempe im US-Bundesstaat Arizona. „Wir haben die Lage sorgfältig analysiert und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass unsere Produktion aufgrund der gravierenden Verschlechterung der Marktbedingungen in Europa wirtschaftlich nicht mehr nachhaltig ist.“
Erst vor kurzem war das Werk in Frankfurt noch ausgebaut worden. Dann jedoch setzten die Probleme in der Branche ein. Unter anderem überschwemmt China mit billigen Solarmodulen den Markt. Überdies fielen Subventionen weg. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) bezeichnete den Rückzug als dramatische Entscheidung für das Land und für die Stadt Frankfurt. Die Landesregierung sei von der Entscheidung überrascht worden, betonte er. Zumal es zuvor noch mehrere Gespräche zur Zukunft der Solarunternehmen gegeben habe.
Besonders ärgern dürfte den Landeschef, dass First Solar für seine beiden Werke in Frankfurt/Oder 67 Millionen Euro staatliche Investitionsförderung erhalten hat. Davon darf das Unternehmen nach eigenen Angaben 45 Millionen Euro behalten – weil es den Standort erst nach dem Sommer schließt. Dann erst laufe die mit den Geldgebern vereinbarte fünfjährige Arbeitsplatzgarantie für das zuerst gebaute Werk ab, sagte Werksleiter Burghard von Westerhold. Zurückgezahlt würden dagegen die 22 Millionen Euro Fördergeld für das zweite Werk, das das US-Unternehmen im vergangenen Jahr in Betrieb genommen hatte.
Einer der größten Solarmodulhersteller der Welt
First Solar ist einer der größten Solarmodulhersteller der Welt. Doch im vergangenen Jahr hatte das US-Unternehmen einen Verlust von umgerechnet 30 Millionen Euro eingefahren und reagiert darauf nun mit einem Sparprogramm. Der Aktienkurs ist binnen eines Jahres von annähernd 170 Dollar auf gut 20 Dollar eingebrochen. Insgesamt fallen 2000 Mitarbeiter dem Sparkurs zum Opfer. Das ist etwa jeder Dritte Beschäftigte.
Für Frankfurt/Oder – einst gefeiert als Solarstadt mit mehreren tausend Mitarbeitern – ist das Aus von First Solar ein weiterer Rückschlag. Ende März hatte bereits Odersun mit seinen rund 260 Mitarbeitern Insolvenz angemeldet. Die seit längerem ums Überleben ringende Conergy stellte 2011 Teile der Produktion in der Grenzstadt ein und strich rund 100 Arbeitsplätze. Die deutsche Solarbranche steckt in einer schweren Krise, und besonders betroffen ist der Osten: Deutschlands größter Solarkonzern Q-Cells in Bitterfeld-Wolfen meldete ebenso Insolvenz an wie Solon aus Berlin. Ebenfalls pleite sind Solar Millennium aus Erlangen und Solarhybrid aus Brilon im Sauerland.
Der Bundesverband Solarwirtschaft machte die jüngsten Pläne der Bundesregierung, die Förderung von Solarstromanlagen drastisch zu reduzieren, für die Werksschließung mitverantwortlich. Die Mitarbeiter in Frankfurt an der Oder müssten nun voraussichtlich „den Preis für eine verfehlte Energiepolitik zahlen“, erklärte Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig. Die Solarförderung wurde in den vergangenen Jahren deutlich gekürzt, zuletzt zu Beginn des Jahres.
dpa/AFP/mim

