Procyclen

Alba steigt in die Produktion von Recycling-Kunststoff ein

Revolution aus der Gelben Tonne: Der Berliner Entsorgungskonzern Alba kann aus Müll beliebige Kunststoffteile produzieren.

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Der Entsorgungs- und Recyclingkonzern Alba entwickelt sich zum Kunststoffanbieter weiter. Auch dank seiner Tochtergesellschaft Interseroh ist das Berliner Großunternehmen inzwischen in der Lage, Kunststoff-Abfall so wieder aufzubereiten, dass er sich für die Herstellung jedes vorstellbaren Produktes eignet. „Damit schließen wir den Kreislauf beim Kunststoffrecycling“, sagte Alba-Vorstand und Interseroh-Chef Axel Schweitzer bei der Bilanzvorlage von Interseroh in Köln.

Statt den aufbereiteten Verpackungsmüll aus dem Dualen System wie bislang einfach zu verkaufen, erzeugen die Berliner künftig Granulate für die eigene Weiterverarbeitung. Procyclen heißt das Material, aus dem Alba gemeinsam mit Partnerfirmen Kunststoffelemente herstellen kann, seien es Verpackungen, Flaschenkästen und Farbeimer oder sogar Teile für die Automobilindustrie.

Das entsprechende Granulat wird aus Recyclingmaterial gewonnen, das Alba über seine Tochter Interseroh in der Gelben Tonne einsammelt. Die daraus erzeugten Kunststoffteile sind von Neuware nicht mehr zu unterscheiden, betont Schweitzer.

Bislang gab es beim Recyceln von Plastik immer einen Qualitätsverlust, Fachleute sprechen vom sogenannten Downcycling. Aus hochwertigen Kunststoffteilen konnten im zweiten Schritt allenfalls Parkbänke oder Schallschutzwände für die Autobahn hergestellt werden.

Eine Revolution aus der Gelben Tonne

Der Bundesverband Deutscher Heimwerker-, Bau- und Gartenfachmärkte (BHB) nennt das Interseroh-Herstellungsverfahren Recyceld-Resource daher „fast schon revolutionär“. Erste Kunden des neuen Materials sind der Haushaltswarenanbieter Curver und die Baumarktkette Toom, die daraus Farbeimer für ihre Eigenmarken herstellt. Weitere Produkte sind in Planung. Es gebe schon Anfragen aus der produzierenden Industrie, sagte Schweitzer.

Interseroh, börsennotiertes Unternehmen aus Köln, war im vergangenen Jahr für gut zwei Drittel des Umsatzes der Alba Group verantwortlich. Insgesamt kam die Gruppe 2011 auf rund 3,2 Milliarden Euro Umsatz – Interseroh steuerte dazu 2,2 Milliarden Euro bei.

Die Zuwächse bei Alba – die Erlöse stiegen 2011 um fast 500 Millionen Euro – kamen sogar nahezu ausschließlich von Interseroh, die neben dem Dienstleistungsgeschäft mit Dualem System und erzeugtem Kunststoffgranulat auch im Stahl- und Metallrecycling tätig sind. Kaum verwunderlich also, dass Schweitzer von einem der besten Geschäftsjahre in der gut 20-jährigen Geschichte von Interseroh berichtet.

Für den Miteigentümer von Alba ist das besonders erfreulich. Denn sein Unternehmen hat im vergangenen Jahr einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag mit Interseroh geschlossen. Die Kölner müssen daher den Großteil ihres Ergebnisses nach Berlin überweisen – laut Finanzvorstand Markus Guthoff rund 30 Millionen Euro. Der restliche Überschuss – Interseroh meldet für 2011 einen Vorsteuergewinn von fast 40 Millionen Euro – ging als festgeschriebene Ausgleichszahlung an die verbliebenen Aktionäre von Interseroh. Sie halten aktuell noch rund 14,6 Prozent der Anteile.

Leichter Umsatz- und Ergebnisrückgang bei Interseroh erwartet

Ob sich das gute Ergebnis im laufenden Jahr wiederholen lässt, scheint fraglich. Schweitzer jedenfalls gibt sich vorsichtig. „2012 werden wir ein volatiles und fragiles ökonomisches Umfeld sehen.“ Er rechne daher mit einem leichten Umsatz- und Ergebnisrückgang bei Interseroh.

Langfristig allerdings zeigt er sich überaus optimistisch für sein Unternehmen. Denn die Versorgung mit Recyclingmaterial rücke zunehmend in den Fokus des unternehmerischen Denkens. Schon jetzt spart die deutsche Wirtschaft durch den Einsatz von sogenannten Sekundärrohstoffen rund 12,5 Milliarden Euro für den Kauf von Primärrohstoffen. „Angesichts hoher Rohstoffpreise wird das Interesse an der Wiederverwertung weiter zunehmen“, prognostiziert Schweitzer. Der Zugang zu Rohstoffen werde zur Schlüsselfrage für die Volkswirtschaften.