Steigender Ifo-Index

Die Deutschen retten die heimische Konjunktur

Auch in der Krise lassen sich Konsumenten und Firmen nicht verunsichern. Der Ifo-Index steigt den fünften Monat in Folge. Vor allem die Einzelhändler profitieren von der Kauflaune der Verbraucher.

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Die deutschen Verbraucher sind in Kauflaune – und sorgen damit für gute Stimmung in der Wirtschaft. Der Ifo-Geschäftsklimaindex , der die Lage in den Unternehmen misst, kletterte im März überraschend zum fünften Mal in Folge.

Der wichtigste Frühindikator hierzulande erreichte bei der Befragung im April mit 109,8 Punkten den höchsten Stand seit vergangenem Juli. Das Plus war zwar mit 0,1 Prozentpunkten nur minimal, trotzdem sind Ökonomen angesichts dieser Werte zuversichtlich, dass Deutschland eine Rezession vermeiden kann.

Im vierten Quartal war die Wirtschaft zum ersten Mal seit drei Jahren geschrumpft; Ökonomen sprechen von einer Rezession, wenn die Wirtschaftsleistung zwei Quartale in Folge sinkt. „Wir haben Glück gehabt“, sagte Jörg Krämer, der Chefvolkswirt der Commerzbank, gegenüber der „Welt“. „Die deutsche Wirtschaft wird im ersten Quartal nicht noch einmal schrumpfen, sondern wieder leicht wachsen.“

Euro-Krise verunsichert die Unternehmen kaum

Ende 2011 war die Wirtschaftsleistung um 0,2 Prozent gesunken. Nach guten Konjunkturnachrichten hatten Institute ihre Wachstumserwartungen für 2012 nach oben korrigiert; das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung etwa erwartet ein Plus von einem Prozent.

Die Staatsschuldenkrise in der Euro-Zone hat die Unternehmen offenbar nicht nachhaltig verunsichert. Dass die Bundesregierung jetzt einer Aufstockung der Euro-Rettungsschirme zugestimmt hat, dürfte die Stimmung zusätzlich stützen.

Bei den Verbrauchern ist von Krisenstimmung ohnehin kaum etwas zu spüren: Der Einzelhandel, dessen Geschäfte offenbar glänzend laufen, hat im Alleingang für den Anstieg des Ifo-Index gesorgt. Die Händler profitieren von der guten Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt und den steigenden Löhnen.

In der Industrie, dem Kern der deutschen Exportwirtschaft, sank die Stimmung ebenfalls, aber nur leicht: Die Unternehmen spüren die höheren Preise für Rohstoffe und Energie. Trotzdem wollen die Industriebetriebe in den kommenden Monaten neue Mitarbeiter einstellen; auch weil sie bessere Exportgeschäfte erwarten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich derweil erstmals dazu bereit erklärt, für die Euro-Rettung vorübergehend mehr Geld zur Verfügung zu stellen als bislang geplant. So könnten zusätzlich zum 500 Milliarden Euro schweren Rettungsmechanismus ESM weitere rund 200 Milliarden Euro aus dem bisherigen Rettungsfonds EFSF kommen, sagte Merkel.

Sie stellte sich damit erstmals hinter ein bereits seit Längerem diskutiertes Modell, das vorsieht, beide Programme parallel laufen zu lassen. Da der permanente ESM um ein Jahr vorgezogen wird und nun bereits im Juli zum Einsatz kommen soll, überlappt er sich mit dem bis Mitte 2013 laufenden Rettungsschirm EFSF.