Der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, hat indirekt vor instabilen politischen Verhältnissen in Griechenland nach der anstehenden Parlamentswahl gewarnt. „Um die Krise zu überwinden braucht Griechenland stabile politische Verhältnisse“, sagte Draghi der „Bild“-Zeitung.

Die Griechen hätten sehr viele wichtige Reformen im Parlament beschlossen. „Wenn sie die auch in der Praxis umsetzen, hat das Land eine Chance, aus der gegenwärtigen Abwärtsspirale herauszukommen“, sagte Draghi. Er sprach sich gegen einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone aus, hält einen Wohlstandsverzicht in dem Land aber für unausweichlich.

„Ein Austritt und die Möglichkeit, die eigene Währung abzuwerten, würden nichts verbessern. Der Zwang zu Reformen würde nicht nachlassen. Auf der anderen Seite wären aber hohe Inflation und Instabilität die Folge eines Austritts – und auf unabsehbare Zeit würde niemand mehr Griechenland das nötige Geld leihen“, sagte Draghi.

Um neue Wettbewerbsfähigkeit zu erlangen, werde es zu Wohlstandseinbußen für die Griechen kommen. „Genau diesen Wohlstandsverzicht leisten sie gerade durch Lohnkürzungen in allen Bereichen. Aber innerhalb des Euro-Zone ist das immer noch leichter als außerhalb."

Der frühere Chefvolkswirt der EZB, Jürgen Stark, kritisierte unterdessen die lockere Geldpolitik der Notenbank unter Mario Draghi und warnte vor einer Inflation. „Sowohl die Politik als auch die Zentralbanken sind der Versuchung erlegen, allen Problemen der Welt mit einer Flutung der Märkte zu begegnen“, sagte Stark dem „Handelsblatt“. Dabei sei historisch erwiesen, „dass jede besonders starke Expansion der Zentralbankbilanz mittelfristig zu Inflation führt“.

Die EZB hat rund eine Billion Euro zu extrem günstigen Konditionen an die Banken ausgereicht und die Zinsen auf dem Tiefstand von 1,00 Prozent belassen. Stark, der Ende vergangenen Jahres aus dem EZB-Direktorium zurückgetreten war, warf der Politik vor, nichts aus der globalen Finanzkrise von 2009 gelernt zu haben. „Die Politik will gar nicht zum Kernproblem der Rolle und der Größe des Finanzsektors vordringen“,

dapd/cat