Beitritt zu Oneworld

Air Berlin fliegt bald zu 800 Zielen

Aufstieg in die Welt-Flotte: Die kriselnde Fluggesellschaft Air Berlin tritt der Luftfahrt-Allianz Oneworld bei. Ab April sind Hunderte Destinationen besser erreichbar.

Foto: Michael Brunner

Darauf hat Air Berlin lange gewartet: Der Eintritt von Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft in die Luftfahrt-Allianz Oneworld wird das Angebot für die Kundschaft auf einen Schlag vervielfachen: Bisher flog Air Berlin 40 Länder an – nach dem Beitritt können Passagiere mit Air Berlin und ihren Partner-Airlines ab April in 150 Länder weltweit zu insgesamt 800 Zielen fliegen.

Wer etwa nach Honolulu auf Hawaii oder Cairns in Australien reisen will, kann künftig bei Air Berlin buchen – muss auf dem Weg dorthin dann aber immer noch mehrmals umsteigen. Für Geschäftsleute ist wichtig, dass sie dann bei einer Fluggesellschaft der Allianz – zu der neben Air Berlin unter anderem American Airlines, British Airways, die spanische Iberia und die australische Qantas gehören – Vielfliegerpunkte sammeln können und diese dann bei allen anderen Mitgliedern des Bündnisses einsetzen können, um Freiflüge und andere Prämien einzulösen.

Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn bezeichnete die Oneworld-Mitgliedschaft als „wichtigen Schritt“. „Sie wird unsere Wettbewerbsfähigkeit erheblich steigern.“ Das ist angesichts der angespannten wirtschaftlichen Lage der Airline auch bitter nötig. Das vergangene Jahr endete mit einem hohen Verlust, die Verschuldung ist gestiegen, das Eigenkapital weiter geschmolzen.

Der Einstieg der Fluggesellschaft Etihad aus dem Emirat Abu Dhabi Ende 2011 kam gerade noch zur rechten Zeit. Etihad-Chef James Hogan selbst hat derzeit kein Interesse daran, seine Airline in einer Allianz fliegen zu lassen. Er habe aber nichts dagegen, dass die Berliner sich mit anderen zusammentun, um mehr Umsatz zu schaffen, sagte er jüngst "Morgenpost Online“.

Im Verbund profitabler

Und genau darum geht es bei den Allianzen. Anfang der 90er-Jahre waren die meisten Fluggesellschaften in Europa mehr oder weniger in Staatsbesitz. Vor allem die großen Anbieter in den USA drängten auf den Kontinent. Auch die europäischen Regierungen waren nicht mehr bereit, ihre Staatsairlines zu subventionieren und brachten sie an die Börse.

Es war der damalige Lufthansa-Chef Jürgen Weber, der auf die Idee kam, sich mit anderen Fluggesellschaften zusammenzutun. Mittlerweile sind fast alle großen Airlines der Welt Mitglied in einer solchen Allianz. Ganz wichtig ist für die meisten dabei die Zusammenarbeit mit einer großen amerikanischen Fluggesellschaft, da mit dem Ticketverkauf an Geschäftsleute für Routen über den Nordatlantik immer noch viel Geld verdient wird.

Im Verbund sind Airlines profitabler, weil sie ihr Buchungssystem gemeinsam betreiben oder sich beim Einkauf von Flugzeugen zusammentun. Zudem fanden Ökonomen heraus, dass auf manchen Strecken die Preise durch die Allianzen um mehr als zehn Prozent gestiegen sind.

Heute ist die 1997 gegründete Star Alliance um Lufthansa und United Airlines das größte Luftfahrtbündnis, gefolgt vom Skyteam um AirFrance/KLM und der Oneworld-Allianz. Oneworld ist das kleinste Bündnis mit nun 13 Mitgliedern. Derzeit werden von der Oneworld jährlich mit rund 2194 Flugzeugen rund 288 Millionen Passagiere befördert.

Dem wichtigen US-Partner American Airlines geht es momentan genau wie Air Berlin wirtschaftlich nicht besonders gut. Im vergangenen Jahr lag der Verlust bei zwei Milliarden Dollar (1,5 Milliarden Euro). Damit vervierfachte sich das Minus im Vergleich zu 2010. Grund waren die gestiegenen Spritpreise, aber auch hohe Abschreibungen etwa auf ältere Flugzeuge. Die Gesellschaft hatte im November Insolvenz nach dem sogenannten „Chapter 11“ beantragt. Das bedeutet, dass das Unternehmen weiter besteht, aber mit seinen Gläubigern über einen Schuldenerlass verhandelt und das Management das Unternehmen saniert. Der Flugbetrieb bei American geht also weiter.

Angesichts des steigenden Ölpreises wächst der Druck auf die gesamte Branche weiter. Die Airlines müssen nach Einschätzung ihres Branchenverbands IATA in diesem Jahr mit drastisch sinkenden Gewinnen rechnen: Statt 3,5 Milliarden Dollar, wie noch im Dezember prognostiziert, dürfte die Branche 2012 nur noch drei Milliarden Dollar verdienen.