An einem mangelt es nicht: jede Menge Geld. Seit mehr als zwei Jahren versuchen Europas Regierungen die Gemeinschaftswährung zu retten. Griechenland hat mittlerweile sein zweites milliardenschweres Hilfspaket sicher. Unter dem Namen ESM wurde ein permanenter Euro-Rettungsschirm etabliert.

Gleichzeitig versorgt die Europäische Zentralbank (EZB) die notleidenden Banken des Kontinents mit billigem Geld. Zum einen sind die Zentralbankzinsen niedrig und zum anderen hat die EZB zwei mal jeweils eine halbe Billion Euro an die Geldhäuser ausgeschüttet. Keiner mag davon sprechen, dass Griechenland oder sogar der Euro nun sicher seien. Dafür steigt die Angst der Menschen vor Inflation.

Tief sitzende Skepsis

Das zeigt eine aktuelle Umfrage der Berliner Sparkasse, deren Ergebnisse Morgenpost Online vorliegen. Demnach sorgen sich 84 Prozent der Befragten, dass die Preise deutlich steigen werden. Sie erwarten eine höhere Inflation. 78 Prozent glauben, dass es zu Steuererhöhungen kommen wird. Gleichzeitig glauben aber auch zwei Drittel der Berliner, dass Deutschland vom Euro profitiert.

Die teuren Bemühungen der Politik zur Rettung der Gemeinschaftswährung ändern aber nichts an einer tief sitzenden Skepsis. Nur 43 Prozent glauben, dass der Euro sicher ist. Auf der anderen Seite sagten nur 36 Prozent, sie wünschen die D-Mark zurück.

Die Umfrage spiegelt das Misstrauen, dass die Menschen ergriffen hat. Sicherheit, das berichtetet die Berliner Sparkassen wie alle anderen Banken auch, steht bei Sparern im Vordergrund. 75 Prozent der Befragten gaben „absolute Sicherheit“ als wichtigstes Kriterium für eine Geldanlage an. Doch was bietet heute noch Sicherheit? Vor wenigen Jahren waren es Staatsanleihen aus dem Euro-Raum. Das hat sich mit der Griechenland-Pleite – nichts anderes ist der „freiwillige“ Schuldenverzicht der privaten Investoren – erledigt.

Die Preise für Gold und Immobilien steigen seit Jahren. Es zeigt zweierlei: Erstens, die Sehnsucht nach „realen“ Geldanlagen. Zweitens: Das viele Geld, das die Zentralbanken an Geldinstitute ausgeschüttet haben, fließt nun auch in diese Anlagenklassen. Experten sprechen von „Asset Inflation“, großen Preissprüngen bei bestimmten Anlageklassen. Im Berliner Immobilienboom lässt sich das beispielhaft beobachten.

„Die Ängste sind verständlich, ich halte sie für die nächste Zeit aber dennoch für unbegründet“, sagt Uwe Dürkop, Chefvolkswirt der Landesbank Berlin (LBB). Die LBB ist der Mutterkonzern der Berliner Sparkasse. „So lange die wirtschaftliche Lage – nicht nur in Europa – labil bleibt, ist ein starker Anstieg der Inflation unwahrscheinlich“, meint Dürkop.

Allerdings hält er den Geldregen der EZB grundsätzlich für problematisch. „Die üppige Liquidität, die auch die EZB zurzeit bereitstellt, macht die Wertentwicklung von Aktien, Immobilien oder Rohstoffen anfälliger für Schwankungen und die Wirtschaft instabiler.“

Währungsturbulenzen und Risiken weltweit: Die große Unsicherheit scheint den Berlinern ganz grundsätzlich die Lust am Sparen zu verderben. Viele Bewohner der Hauptstadt können und wollen mangels Vermögen und wegen geringer Einkommen ohnehin nichts zurücklegen. Doch offensichtlich sinkt in der Eurokrise die Sparlust weiter. Im Jahr 2011 antworteten bei der Frage „Wie viel Geld sparen Sie monatlich insgesamt?“ 34 Prozent mit „gar nichts“. In diesem Jahr sind es 38 Prozent. 39 Prozent legen maximal 200 Euro im Monat zurück. Nur zwei Prozent sparen 800 Euro und mehr.

Die meisten sparen zuwenig

Immerhin geben sich die Berliner keinen Illusionen hin. Nur 39 Prozent gaben an, dass sie „völlig“ oder „eher“ ausreichend sparen. Der Rest legt entweder gar nichts zurück oder bewertet sein Sparverhalten als „eher“ oder „gar nicht“ ausreichend. Zu ähnlichen Ergebnissen kam vor wenigen Tagen auch eine Erhebung der Bank of Scotland. Ihr „Sparerkompass Deutschland“ fand heraus, dass in Berlin unter allen Bundesländern die „sparfaulsten“ Menschen leben. Allerdings war das Ergebnis für die Hauptstadt nicht repräsentativ.

Die meisten Berliner legen Geld zurück, um in Notfällen eine Absicherung zu haben (47 Prozent). 46 Prozent sparen für ungeplante Anschaffungen, 42 Prozent fürs Alter. Rund jeder Dritte in der Stadt arbeitet auf eine Reise hin legt dafür Geld beiseite. 15 Prozent sparen mit dem Ziel, eine eigene Wohnung oder ein Haus zu erwerben. Fast genauso viele – 14 Prozent – sparen für ein Auto.

Trotz aller Sorgen um den Euro hat sich die wirtschaftliche Situation der meisten Berliner nicht verändert. Fast zwei Drittel (64 Prozent) äußerten dies. 17 Prozent spüren eine Verbesserung, bei 18 hat sich die wirtschaftliche Situation verschlechtert. Besonders groß ist der Anteil derjenigen mit positiver Einschätzung bei den Jüngeren.

In der Altersgruppe der 18 bis 49-Jährigen spürt jeder Vierte eine Verbesserung der wirtschaftlichen Situation. Berliner, die älter als 50 Jahre sind, äußerten sich skeptischer. Nur sieben Prozent spüren Verbesserung, dafür aber 19 Prozent eine schlechtere persönliche Lage.