Teuro-Mythos

Euro-Teuerung ist niedriger als zu D-Mark-Zeiten

Der schlechte Ruf des Euro liegt vor allem an der gefühlten Inflation. Die Dinge des täglichen Bedarfs sind teurer geworden. Andere Produkte gibt es dagegen preiswerter.

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Der Euro ist seinen schlechten Ruf als Teuro nie losgeworden. Fast zehn Jahre nach der Euro-Bargeld-Einführung am 1. Januar 2012 versucht das Statistische Bundesamt nun einmal mehr, das weit verbreitete Vorurteil über die kriselnde Gemeinschaftswährung mit Zahlen und Fakten zu widerlegen: Denn die Teuerung in Deutschland ist seit der Euro-Einführung eindeutig niedriger gewesen als zu Zeiten der D-Mark.

Von der Euro-Bargeld-Einführung im Januar 2002 bis zum November 2011 lag die jährliche Preissteigerung im Durchschnitt bei 1,6 Prozent, wie die Statistiker verkündeten. In den zehn Jahren davor hatte die Teuerung der D-Mark deutlich höher gelegen: bei durchschnittlich 2,2 Prozent. In der gesamten D-Mark-Zeit, also von Mitte 1948 bis Ende 2001, waren es im Schnitt sogar 2,6 Prozent pro Jahr.

Dass sich der Mythos vom Teuro trotzdem hält, liegt vor allem an der gefühlten Inflation: Für unser Preisgefühl sind solche Waren entscheidend, die wir häufig kaufen. Und diese Produkte, wie etwa Lebensmittel und Benzin, sind seit der Euro-Einführung überdurchschnittlich teurer geworden. Eine vergleichsweise günstige Waschmaschine wird in den meisten Haushalten dagegen nur alle paar Jahre angeschafft.

Seit der Euro-Einführung wurden etwa weltweit die Rohstoffe teurer, was in Deutschland zu hohen Energiepreisen führte. Die Preise für Heizöl, Benzin und Diesel etwa sind seit der Euro-Einführung um 85 Prozent gestiegen, Strom ist um 66 Prozent teurer geworden.

Auch die Preise für Lebensmittel haben in der Euro-Zeit stark zugelegt. Von Dezember 2001 bis November 2011 mussten die Kunden 16 Prozent mehr an der Supermarktkasse zahlen – mit besonders großen Sprüngen ab 2007. In den zehn Jahren vor dem Euro waren Lebensmittel „nur“ um zehn Prozent teurer geworden, unter anderem wegen der Preiskämpfe im Einzelhandel.

Gastwirte haben aufgeschlagen

Und auch der beliebte Vorwurf, dass dreiste Gastwirte die Euro-Umstellung für übertriebene Preisaufschläge nutzen, ist – zumindest teilweise – berechtigt: In Restaurants, Cafés und Imbissen mussten die Kunden im Juli 2002 durchschnittlich vier Prozent mehr zahlen als ein Jahr zuvor. Das klingt zwar vergleichsweise harmlos, nach Angaben der Statistiker gab es aber auch einige Ausreißer: Einzelne Restaurants nahmen plötzlich sogar das Doppelte.

Nach diesen ersten Preissprüngen in der Anfangszeit des Euro gab es in der Gastronomie zuletzt allerdings nur noch geringe Preiserhöhungen, so dass die Preise von 2001 bis 2011 insgesamt „nur“ um 18 Prozent gestiegen sind. In den zehn Jahren davor waren es immerhin 22 Prozent gewesen.

Dass die Verbraucherpreise auch insgesamt im Rahmen blieben, liegt nach Angaben der Statistiker vor allem an den Mieten – ein großer Posten in den monatlichen Ausgaben der Deutschen. Die Nettokaltmieten sind in den knapp zehn Jahren seit der Euro-Einführung um zwölf Prozent gestiegen. In den zehn Jahren davor mussten Mieter dagegen durchschnittlich 40 Prozent mehr zahlen.

Elektronikgeräte sind günstiger geworden

Billiger geworden sind in der Euro-Zeit vor allem die sogenannten langlebigen Gebrauchsgüter wie Fernseher, Computer oder Waschmaschinen. Ihre Preise gingen zwischen 2001 und 2011 um sechs Prozent zurück, nachdem sie in den zehn letzten D-Mark-Jahren um etwa zwei Prozent gestiegen waren.

Dass viele Menschen in Deutschland heute über hohe Preise ächzen, liegt vor allem an den Löhnen : Während die Verbraucherpreise seit Ende 2001 insgesamt um 17 Prozent gestiegen sind, gab es bei den Nettolöhnen und -gehältern nur einen Zuwachs um 11,2 Prozent. In den letzten zehn D-Mark-Jahren dagegen hatte die Einkommensentwicklung noch mit den Lebenshaltungskosten Schritt halten können: Die Verbraucherpreise stiegen um 24,2 und die Löhne um 24,9 Prozent.