Griechenland

Schuldenschnitt löst Ausfallversicherungen aus

Griechenland hat den Schuldenschnitt geschafft. Finanzprofis stufen dies aber zugleich als technischen Zahlungsausfall ein. Damit werden die gefürchteten Kreditausfallversicherungen (CDS) auf griechische Staatsanleihen fällig. CDS-Titel hatten bei der Finanzkrise 2008 verheerende Auswirkungen.

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Der historische Schuldenerlass für Griechenland entspricht nach Angaben des Verbands für außerbörslich gehandelte Derivate (ISDA) einem sogenannten Kreditereignis, also einem technischen Zahlungsausfall. In diesem Fall könnten Inhaber von Kreditausfallversicherungen (CDS) für griechische Anleihen auf Auszahlungen bestehen. Der ISDA gab die einstimmig getroffene Entscheidung seines zuständigen Komitees am Freitagabend bekannt.

Die Organisation begründete diesen Schritt damit, dass Halter von Anleihen nach griechischem Recht zum Forderungsverzicht gezwungen werden sollen. Griechenland hatte zwar bekannt gegeben, dass sich eine hohe Zahl der privaten Gläubiger freiwillig zu einem Schuldenverzicht bereit erklärt habe. Allerdings kündigte das griechische Finanzministerium an, auch die Verweigerer zu einem Verzicht zwingen zu wollen.

Die Entscheidung der in London ansässigen ISDA ist von großer Bedeutung, weil die Kreditausfallversicherungen während der letzten großen Finanzkrise eine entscheidende Rolle gespielt haben. Nachdem CDS-Titel bei der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers 2008 zu einem kolossalen Dominoeffekt und zur Beinah-Pleite des großen US-Versicherers AIG geführt hatten, sind ihre Auswirkungen gefürchtet.

Bei den Plänen zur griechischen Umschuldung war bisher alles daran gesetzt worden, dass Kreditausfallversicherungen nicht fällig werden. Wie der Verband erklärte, würden sich die Auszahlungen der Kreditausfallversicherungen allerdings insgesamt auf weniger als 3,2 Milliarden Dollar belaufen. Dies dürfte Sorgen entgegenwirken, die Auszahlungen könnten möglicherweise ein großes Finanzinstitut in den Ruin treiben.

Unterdessen stellte der Internationale Währungsfonds (IWF) am Abend in Aussicht, 28 Milliarden Euro zum zweiten Rettungspaket für Athen in der Höhe von insgesamt 130 Milliarden Euro beizusteuern. „Das Ausmaß und die Dauer“ der Unterstützung zeige die Entschlossenheit des Fonds, bei der Hilfe Griechenlands weiterhin eine Rolle zu spielen, sagte die Direktorin Christine Lagarde.

Der IWF-Vorstand werde kommende Woche über den endgültigen Beitrag zum Rettungspaket entscheiden, hieß es weiter. Teil der vorgesehenen Summe dürften zehn Milliarden Euro sein, die von der Beteiligung des IWF am ersten milliardenschweren Rettungspaket für Griechenland übrig geblieben waren.