Die „Schutzgemeinschaft der Adlon-Anleger“, in der 220 Zeichner organisiert sind, hatte versucht, den Immobilienunternehmer Anno August Jagdfeld aus der Führung der Fondsgesellschaft zu drängen. Ihr Anwalt Thomas Fritsch soll aber nur die Stimmrechte von 1100 Anlegern hinter sich gebracht haben. Das reicht wohl nicht, um Jagdfeld zu stürzen.

So zeichnete sich am frühen Freitagabend bereits eine Wende in der Gesellschafterversammlung ab. Fritsch setze nun auf einen Kompromiss und verfolge nicht mehr die Abwahl von Jagdfeld, berichteten Teilnehmer. Jagdfeld hatte zuvor in einer sehr selbstbewussten Rede vor 700 Anlegern für den Verbleib an der Spitze der Fondsverwaltung geworben. Für die Abwahl müsse es auch einen wichtigen Grund geben. Und den gebe es nicht. Sollte es zur Abwahl kommen, werde er dies gerichtlich anfechten, sagte der Unternehmer zu Beginn der Veranstaltung. Wie so oft konnte der charismatische Fundus-Chef mit seiner Überzeugungskraft Teile der Anlegerschaft wieder auf seine Seite ziehen. Ob es überhaupt noch zu einer Abstimmung kommt, stand bis zum Abend nicht endgültig fest. Insgesamt hat der Adlon-Fonds 4400 Anleger, die sich mit insgesamt 223 Millionen Euro am Wiederaufbau des im Krieg zerstörten Hotels am Brandenburger Tor beteiligt hatten.

Nach der Rede Jagdfelds blieb die Diskussion hinter den geschlossenen Türen des Saals im Adlon-Palais sachlich und niveauvoll. Die verbalen Attacken blieben aus. Die Schutzgemeinschaft um Anwalt Fritsch hatte überraschend einen Rückzieher gemacht und wollte nun einen Kompromiss. Für die Fondsgesellschaft soll es künftig eine Doppelspitze mit Jagdfeld und der gegnerischen Lorenz A. GmbH geben, so der Vorschlag. Rechtlich soll dies aber nicht möglich sein. Der Vorschlag von Fritsch, der ziemlich hilflos wirkte, wurde von einem Teil der Gesellschafter mit Spott und Gelächter quittiert. Der Anwalt gestand denn auch ein, dass sein Konzept rechtlich und steuerlich Mängel aufweise. Bis in die Nacht wurde diskutiert, eine konstruktive Lösung aber nicht gefunden, die die beiden zerstrittenen Lager wieder versöhnen könnte.

In dem erbitterten Streit einer Gruppe von Adlon-Anlegern mit Jagdfeld geht es um den zeitweiligen Verzicht von Ausschüttungen, um die Finanzkraft der Adlon-Fondsgesellschaft zu stärken. Zur Diskussion stand auch das angeblich „mafia-artige“ System Jagdfeld und die vielen „In-Sich-Geschäfte“ mit Vertretern der eigenen Familie. Der Unternehmer hatte dies immer mit Dienstleistungen aus einer Hand begründet. Seine Gegner werfen der Familie aber Bereicherung vor. Scharf hinterfragt wurden die ausstehenden Pachtzahlungen der Adlon-Holding von Sohn Julius Jagdfeld, die die Dienstleistungsbetriebe wie den China-Club und das Wellness-Center im Hotel führt. Die Pachten wurden gestundet, weil die Holding durch Wirtschaftskrise und Umbauten nicht die erhofften Gewinne erzielen konnte. Jagdfeld hatte immer wieder versichert, dass die Pachten gezahlt würden