Immerhin sind die Giftpapiere jetzt weg. Vor ein paar Tagen hat die Landesbank Berlin (LBB) die Restbestände griechischer Staatsanleihen in ihrem Besitz verkauft. Somit muss sich Berlins größtes Finanzinstitut auch keine Haltung zum Forderungsverzicht der privaten Kreditgeber Griechenlands abringen. Dafür wäre Donnerstagnacht die Frist abgelaufen. Die LBB hat ihr Griechenland-Abenteuer beendet – und dennoch teuer dafür bezahlt. „Griechenland hat uns das Ergebnis verhagelt“, sagte LBB-Vorstandschef Johannes Evers bei der Präsentation des Jahresberichts für 2011. Die LBB, Muttergesellschaft der Berliner Sparkasse, beendete das vergangene Jahr mit einem Verlust von 79 Millionen Euro.

Verantwortlich dafür war der rasante Wertverfall griechischer Staatsanleihen. Die Bank musste diese Geldanlage im Wert abschreiben. Daraus resultiert ein Minus von 184 Millionen Euro. Sieht man von der Steuerbelastung ab, hat die LBB ein Plus von 79 Millionen Euro erwirtschaftet. Doch 120 Millionen Euro nebst Bankenabgabe von 30 Millionen Euro flossen an den Fiskus. Unter dem Strich bleibt zweierlei: eine rote Zahl für das Jahr 2011 und eine Bank, die für permanent unsichere Zeiten plant.

Abschied von ehrgeiziger Rendite

Die LBB verabschiedet sich daher von ihren Renditezielen vergangener Jahre und wird bescheidener. Als „Eigenkapitalrendite vor Steuern“, jenem Maßstab für den Erfolg im Bankgeschäft, wird nun nicht länger eine Spanne von 15 bis 20 Prozent angestrebt. Mit dieser Maßzahl wird gemessen, wie sehr sich das Kapital der Eigentümer – im Fall der LBB sind es zahlreiche deutsche Sparkassen – in einem Jahr verzinst hat. Diese müssen sich in den kommenden Jahren mit einer jährlichen Vorsteuerrendite von zehn bis 15 Prozent zufrieden geben. Dieses Ziel hat Evers jetzt genannt. Und die Eigentümer, die im Jahr 2007 rund 4,6 Milliarden Euro für die LBB zahlten, müssen in diesem Jahr auf eine Gewinnausschüttung verzichten.

Ob in den kommenden Jahren eine Ausschüttung an die Eigentümer erfolgt, ist mehr als unsicher. Denn mit Blick auf die Risiken im Euro-Krisen-Europa will LBB-Chef Evers den Konzern umbauen, genauer gesagt: schrumpfen. Noch immer gibt es Risiken in den Büchern der Bank. Zum einen sind es Staatsanleihen. Den Wert der Papiere der Euro-Wackelstaaten Italien und Spanien bezifferte Evers auf 310 Millionen beziehungsweise 396 Millionen Euro. Hinzu kommen Bankanleihen, im Prinzip Kredite, an Geldhäuser im Süden Europas in Höhe von rund fünf Milliarden Euro.

Da die europäischen Bankenaufseher den Banken des Kontinents strengere Regeln verpassen, muss auch die LBB ihren Sicherheitspuffer, das sogenannte Kernkapital, aufstocken. Knapp gesagt, will Evers das wie folgt schaffen: Riskante Wertpapiere, gewisse Bankanleihen etwa, werden veräußert; die Einnahmen erhöhen das Sicherheitspolster. Die Bankbilanz in Höhe von 130 Milliarden Euro soll auf 100 Milliarden Euro verringert werden. „Die LBB wird also kleiner werden und ihre Bilanzsumme erkennbar abschmelzen“, sagte Evers.

Bis 2014 will die LBB 750 Millionen Euro Eigenkapital freisetzen. Dies solle, wie Evers betont, „aus eigener Kraft“ erfolgen. Sprich: Die zahlreichen Sparkassen, denen die LBB gehört, müssen kein zusätzliches Geld bereitstellen. Im Lager der Sparkassen-Eigentümer gibt ohnehin seit geraumer Zeit Gebrummel. Längst dämmert den Eigentümern, dass sie 2007 zu viel bezahlt haben.

1,2 Millionen Berliner haben ein Girokonto bei der Sparkasse

Dennoch gibt man sich im Sparkassenlager gelassen, wenn es um das Abschneiden der LBB im Jahr 2011 geht. „Wir sind eher zufrieden. Es hätte schlimmer kommen können“, sagte ein Sparkassenfunktionär der Morgenpost. Das Finanzgewerbe sei mitten in einer schwierigen Struktursituation. Da habe sich die LBB noch gut geschlagen. „Wir sind ja keine Gewinnmaximierer und haben die Berliner Landesbank gekauft, um die Marke Sparkasse zu verteidigen.“ Aber: „Wir müssen in der nächsten Zeit Entscheidungen treffen, wie es mit der Landesbank Berlin weiter geht.“ Doppelarbeiten wie in der ebenfalls sparkasseneigenen Deka Bank könne es nicht geben. Seit längerem wird schon darüber spekuliert, ob die Deka Bank das Kapitalmarktgeschäft der LBB übernehmen soll. In dieser Sparte entwickelt die LBB beispielsweise Anlagefonds, die von den Sparkassen im ganzen Land an Anleger verkauft werden.

„Wir sind mit dem operativen Ergebnis der Landesbank Berlin doch sehr zufrieden“, sagte auch Christian Achilles, Sprecher des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV). „Der Sonderfaktor Staatsanleihen ist unerfreulich. Wir hoffen, dass das ein einmaliger Vorgang ist.“

Hoffnung macht LBB wie Anteilseigener das Alltagsgeschäft, vor allem das der Berliner Sparkasse. Das Geldhaus hat netto im vergangenen Jahr 36.000 neue Kunden gewonnen. 1,2 Millionen Berliner haben ein Girokonto bei der Sparkasse. Auch die Zahl der Firmenkunden in der Region Berlin-Brandenburg stieg 2011 um 3500 auf aktuell 68.000.