Arbeitsmarkt Februar 2012

So wenige Arbeitslose gab es zuletzt vor 21 Jahren

Der Frost lässt die Zahl der Arbeitslosen steigen - und trotzdem: Im Februar 2012 steht der deutsche Arbeitsmarkt so gut da wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

Weil es sehr kalt war im Februar sind in Deutschland die Arbeitslosenzahlen gestiegen: Rund 3.110.000 Menschen waren bundesweit ohne Job, 26.000 Männer und Frauen mehr als im Januar. Denn vielerorts musste die Arbeit etwa auf dem Bau oder in Gärtnereien ruhen.

Aber im Jahresvergleich sank die Arbeitslosenzahl um 203.000, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg mitteilte. Auch die Arbeitslosenquote ging im Vergleich zum Februar 2011 von 7,9 auf 7,4 Prozent zurück – im Vergleich zum Januar 2012 stieg sie allerdings um 0,1 Punkte an. Bundesweit handelte es sich um die niedrigste Arbeitslosenzahl in einem Februar seit 21 Jahren.

I n Berlin bewegte sich – anders als im Bundestrend – die Zahl der Arbeitslosen praktisch gar nicht. In Brandenburg stieg sie leicht.

BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise sagte: „Der Arbeitsmarkt zeigt sich in der aktuellen konjunkturellen Schwächephase robust. Die Arbeitslosigkeit ist allein aufgrund des frostigen Winterwetters gestiegen.“ Erwerbstätigkeit und sozialversicherungspflichtige Beschäftigung hätten weiter deutlich zugenommen, sagte Weise über diese wichtigen Indikatoren. „Einzig die Nachfrage nach Arbeitskräften hat nachgegeben, liegt aber weiterhin auf hohem Niveau.“

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) argumentierte ähnlich. Der Arbeitsmarkt sei „grundsolide“. Der Zuwachs bei der Arbeitslosigkeit sei „der sibirischen Kälte geschuldet, die wir im letzten Monat plötzlich erlebt haben“.

Mit Blick auf die gestiegene Zahl der Erwerbstätigen bezeichnete von der Leyen die Gesamtlage als stabil und erfreulich. „Der Markt ist also offensichtlich trotz der Krise im Euroraum aufnahmefähig wie selten.“ Die Auftragslage und die Nachfrage nach Arbeitskräften in den Betrieben sei hoch.

Die Zahl der Erwerbstätigen war nach den jüngsten Daten vom Januar binnen Jahresfrist um 611.000 auf 41,09 Millionen gestiegen. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung lag im Dezember bei 28,75 Millionen, was einem Zuwachs von 718 000 im Vergleich zum Vorjahresmonat entspricht. Diese regulären Stellen entstanden laut BA in allen Bundesländern und in den meisten Branchen, vor allem dem verarbeitenden Gewerbe, den wirtschaftlichen Dienstleistungen sowie dem Gesundheits- und Sozialwesen.

Im Februar wurden rund 473.000 Mitarbeiter gesucht, das sind 56.000 mehr als im Vorjahr. Besonders gefragt sind nach BA-Informationen derzeit Fachleute für Mechatronik, Elektro, Metall, Maschinen- und Fahrzeugbau, Logistik sowie Gesundheit.

Dass der Anstieg der Arbeitslosenzahl in erster Linie dem Wetter geschuldet ist, zeigt auch der saisonbereinigte Wert: Er lag im Februar unverändert bei 2,866 Millionen. Dabei gab es allerdings regionale Unterschiede: Im Westen nahm die um jahreszeitliche Einflüsse bereinigte Erwerbslosenzahl im Vergleich zum Vormonat um 7000 zu, im Osten hingegen um 7000 ab.