Streik am Frankfurter Flughafen

In Berlin wurden zahlreiche Flüge gestrichen

Der Streik am Frankfurter Flughafen war auch in der Hauptstadt zu spüren. In Tegel und in Schönefeld mussten jeweils 19 Flüge abgesagt werden. Und es wird nicht besser: Für die kommende Woche haben die 200 Streikenden eine noch härtere Gangart angekündigt.

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Wegen des Streiks der Vorfeldbeschäftigten am Frankfurter Flughafen sind am Freitag in Berlin-Tegel 19 Flüge abgesagt worden. Nach Angaben eines Berliner Flughafensprechers fielen elf Starts in Richtung Hessen aus, acht Landungen wurden gestrichen. Das entspreche etwa der Hälfte aller täglich von und nach Frankfurt am Main gehenden Flüge.

In Schönefeld wurden 19 Flüge abgesagt. Nach Angaben eines Berliner Flughafensprechers fielen elf Starts in Richtung Hessen aus, acht Landungen wurden gestrichen. Das entspreche der Hälfte aller täglich von und nach Frankfurt am Main gehenden Flüge.

Am Frankfurter Flughafen haben die 200 Streikenden auf dem Vorfeld für die kommende Woche eine noch härtere Gangart angekündigt. Wenn der Betreiber Fraport nicht einlenke, werde „definitiv“ weitergestreikt, sagte der Tarifvorstand der Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF), Markus Siebers, am Freitag. „Wir werden nicht zurückstecken.“

Am zweiten Streiktag fielen am größten deutschen Flughafen bis zum Freitagnachmittag rund 290 Flüge aus, wie ein Sprecher der Betreibergesellschaft Fraport berichtete. Das war nicht einmal jeder dritte der insgesamt 1082 geplanten Starts und Landungen in der 14-stündigen Streikzeit von 8.00 bis 22.00 Uhr. Allein die Lufthansa hatte 250 Flüge von und nach Frankfurt gestrichen.

Düstere Aussichten

Die rund 200 streikenden Vorfeldlotsen, Flugzeugeinweiser und Disponenten hatten bereits am Donnerstag für sieben Stunden gestreikt. Siebers kündigte an, die Gewerkschaft werde im Falle eines erneuten Ausstands 24 Stunden vor Beginn warnen und möglicherweise die Streikdauer ausdehnen. Am Wochenende werde es aber voraussichtlich keinen Ausstand geben. Dann könnten alle Beteiligten nachdenken. Von Donnerstag auf Freitag hatte die GdF die Streikdauer bereits von 7 auf 14 Stunden verdoppelt.

Die Fraport blieb dennoch bei ihrer Position und forderte die GdF auf, kompromissbereit an den Verhandlungstisch zurückzukehren. „Ohne Rücksicht auf die Passagiere sowie die Fluggesellschaften und unsere Beschäftigten beharrt die GdF auf ihren überzogenen Forderungen. Dies ist ein inakzeptables Verhalten“, erklärte ein Sprecher des Unternehmens. Man sei auch auf einen längeren Arbeitskampf eingerichtet und schule weiteres Personal, um die streikenden Vorfeldleute ersetzen zu können. Dafür sei bislang ausschließlich eigenes Personal eingesetzt worden, das früher selbst einmal auf dem Vorfeld gearbeitet habe.

Betroffen von den Annullierungen waren vor allem Verbindungen in deutsche und andere europäische Städte. An den Schaltern der Fluggesellschaften bildeten sich am Morgen lange Schlangen, ein Chaos blieb aber aus. Viele Reisende hatten sich bereits über das Internet informiert und ihre Flüge umgebucht. Bei den innerdeutschen Verbindungen galten Tickets von Lufthansa und Air Berlin auch als Bahnfahrkarten, Flüge nach Übersee wurden bevorzugt abgefertigt. Am Vormittag beruhigte sich die Lage schon wieder.

In den Zügen der Bahn wurde es eng, weil gestrandete Fluggäste auf die Schiene umstiegen. Nach Angaben eines Bahnsprechers mussten aber keine Züge gestoppt oder gar geräumt werden. Besonders auf den Strecken von Frankfurt nach Hamburg und München sei der Andrang jedoch groß gewesen, die Bahn habe einzelne Züge verlängert. Die Zugreserven sind den Angaben zufolge aber derzeit ohnehin knapp, ganz besonders an den verkehrsreichen Freitagnachmittagen.

Große Schäden

Am Donnerstag war es in sieben Stunden Streik laut Fraport zu 172 Flugausfällen gekommen, während die Gewerkschaft die Zahl deutlich höher bei mindestens 250 ansetzte. In der Zeit waren ursprünglich 526 Flüge geplant gewesen. Übernachten auf dem Flughafen musste laut Fraport niemand. „Wir haben die Situation gut gemeistert“, sagte Sprecher Jürgen Harrer.

Das mehrheitlich öffentlich kontrollierte MDax-Unternehmen will die Forderungen nach einem eigenen Tarifwerk mit hohen Gehaltssteigerungen für die rund 200 Vorfeldbeschäftigten nicht akzeptieren. Es hat auch einen Schlichterspruch des früheren Ersten Bürgermeisters von Hamburg, Ole von Beust, abgelehnt, der ebenfalls deutliche Verbesserungen für die Beschäftigten vom Vorfeld vorgeschlagen hatte. Laut Fraport laufen die Forderungen der GdF auf Steigerungen zwischen 64 und 73 Prozent mehr Geld hinaus.

In Berlin erneuerte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt seine Forderung nach einer gesetzlichen Regelung zur Tarifeinheit. Die Streiks am Flughafen Frankfurt belegten die Notwendigkeit erneut. „Eine kleine Spartengewerkschaft nutzt mit wenigen Streikenden ein Erpressungspotenzial, um völlig unverhältnismäßige Forderungen durchzusetzen, und verursacht nicht nur bei dem bestreikten Unternehmen große Schäden“, erklärte Hundt, der bereits im vergangenen Jahr mit einer entsprechenden Initiative gescheitert war.