Kaum Festanstellungen

Jobwunder geht an Langzeitarbeitslosen vorbei

Das deutsche Jobwunder erreicht nur wenige Langzeitarbeitslose. Nicht einmal 15 Prozent von ihnen haben 2011 eine feste Stelle bekommen.

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Trotz der guten Lage am Stellenmarkt haben es Langzeitarbeitslose weiterhin schwer, eine feste Anstellung zu bekommen.

Von den etwa 1,4 Millionen Bürgern, die länger als ein Jahr ohne Job waren und 2011 ihre Erwerbslosigkeit beendeten, haben nur 208.000 oder 14,9 Prozent eine Beschäftigung am ersten Arbeitsmarkt erhalten, wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken hervorgeht, die der „Süddeutschen Zeitung“ vorliegt.

35 Prozent wurden aufgrund von Arbeitsunfähigkeit nicht mehr als langzeitarbeitslos registriert, 11,1 Prozent galten nicht mehr als langfristig Jobsuchende „auf Grund fehlender Verfügbarkeit oder Mitwirkung“, wie es in der Antwort heißt. Weitere 23 Prozent waren nicht mehr langzeitarbeitslos, weil sie von einer arbeitsmarktpolitischen Maßnahme profitierten.

Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitiker der Regierungskoalition forderten unterdessen von der Bundesagentur für Arbeit (BA) eine Überarbeitung ihrer Statistiken zur Beschäftigungssituation älterer Arbeitskräfte. „Ich erwarte von der Bundesagentur, dass sie mit ihren Daten ein realistisches Bild liefert“, sagte Unions-Fraktionsvize Michael Fuchs (CDU) dem „Handelsblatt".

Auch FDP-Fraktionsvize Heinrich Kolb und der CDU-Arbeitsmarktexperte Carsten Linnemann forderten die Bundesagentur auf, eine bereinigte Datenreihe bereitzustellen. Hintergrund ist eine Analyse der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, wonach in der Gruppe der 60- bis 64-Jährigen 68 Prozent der Arbeitskräfte eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung haben. Die Statistik der Bundesagentur weist dagegen nur eine Beschäftigungsquote von 27,5 Prozent aus.

Das liegt daran, dass die BA-Statistik die 1,28 Millionen Beschäftigten im Alter von 60 bis 64 Jahren ins Verhältnis zur Gesamtbevölkerung dieser Altersgruppe, gut 4,6 Millionen Menschen, setzt. Letztere umfasst aber auch etwa 500.000 Beamte und Selbstständige, die für eine sozialversicherungspflichtige Stelle gar nicht infrage kommen.

Einer Umfrage der Nachrichtenagentur dpa zufolge wird die Zahl der Jobsucher im Januar erstmals wieder über die Drei-Millionen-Marke steigen . Zum Jahresbeginn seien 3,09 Millionen Männer und Frauen ohne Arbeit gewesen, berichteten Arbeitsmarkt-Experten. Dies wären rund 310.000 mehr als im Dezember 2011, aber knapp 260.000 weniger als vor einem Jahr.

Die offiziellen Arbeitslosenzahlen für Januar will die Bundesagentur für Arbeit im späteren Tagesverlauf bekanntgeben. Nach Einschätzung der Fachleute hat der starke Anstieg der Erwerbslosenzahl zum Jahresauftakt allein saisonale Gründe. Zum einen ruhe in den frostigen Wintermonaten vielerorts auf dem Bau, in der Landwirtschaft und in Gärtnereien die Arbeit. Zum anderen streiche der Handel nach dem Ende des Weihnachtsgeschäfts wieder Stellen. Auch andere befristete Arbeitsverträge endeten häufig am Jahresende, dieser Umstand lasse vorübergehend die Arbeitslosigkeit steigen.