Bonitätsurteil

Standard&Poor's Schelte ist Glück im Unglück

Die Herabstufung der Euro-Länder kommt fast zu spät. Die Politik muss sich schleunigst auf ein Konzept einigen, um das Vertrauen der Märkte zurückzugewinnen.

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Leichter ist die Euro-Rettung nicht geworden. Das negative Bonitätsurteil der Ratingagentur Standard&Poor's (S&P) über gleich neun Länder der Euro-Zone birgt nicht nur die Gefahr weiterer Turbulenzen an den Märkten. Zugleich droht neuer Streit unter den Rettern, wie es nun weitergehen soll.

Trotzdem ist die Herabstufung der Kreditanalysten von S&P richtig. Welcher Anleger, der sein Geld investieren will, würde schon bestreiten, dass seine Skepsis gegenüber Anleihen aus Euro-Ländern heute markant größer ist als vor zwei oder drei Jahren? Und dass die bisherigen Rettungs- und Reformbemühungen in Europa eher Stückwerk sind und es ihnen an Einigkeit und konzeptioneller Entschlossenheit mangelt, dürfte ein Eindruck sein, den die meisten Europäer teilen.

Von daher lässt sich S&P allenfalls ein Vorwurf machen: Eigentlich kommt die Herabstufung wieder einmal zu spät. Die Ratingspezialisten geben nicht die Richtung vor, sondern folgen nur einer Einschätzung, die sich am Markt – zu dem wir irgendwie alle gehören – längst durchgesetzt hat.

Blauer Brief für Europa

Doch genau dies könnte sich nun als Glück im Unglück erweisen. Denn die Herabstufungen müssen nicht zwangsläufig zu steigenden Zinsen und Verwerfungen führen, weil sie zum Teil bereits eingepreist sind. Entscheidend für das Ausmaß des Schadens wird wie bei einem blauen Brief in der Schule sein, welche Folgerungen die Politik aus der Schelte zieht.

Gelingt ihr endlich die Einigung auf ein Konzept, das konsequente Haushaltskonsolidierung mit einer Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit vereint, wird Europa verlorenes Vertrauen auch wieder zurückgewinnen. Bleibt es hingegen bei der Suche nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner, ist die nächste Herabstufung nur eine Frage der Zeit.