Kreditwürdigkeit

Regierungsberater sieht deutsches AAA in Gefahr

Die Herabstufung Frankreichs könnte die deutsche Top-Note gefährden. Top-Ökonom Fuest warnt, für die Euro-Retter sei eine Grenze erreicht.

Nach Ansicht des Regierungsberaters Clemens Fuest zeigt die Abwertung der Kreditwürdigkeit Frankreichs , dass nun die Retter selbst an ihre Grenzen stoßen. "Dieser Prozess wird weitergehen, wir stehen vor einem wirtschaftlich wahrscheinlich nicht so tollen Jahr und das wird auch Deutschland und Frankreich nicht unberührt lassen", sagte der an der Universität Oxford lehrende Wirtschaftsprofessor. Der Berater von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) bezifferte die Chance, dass daher auch Deutschland seine Topbonität verlieren könnte , auf 50:50.

Man müsse aber sehen, dass dies kein fürchterliches Drama wäre. "Die USA sind ja auch herabgestuft worden. Deutschland würde dann etwas weniger als der ganz sichere Hafen angesehen werden", sagte Fuest.

Der Außenwert des Euro könnte dann stärker unter Druck kommen. "Bei einem Szenario, wo selbst Deutschland nicht mehr seine Schulden zurückzahlen könnte, würde jedermann erwarten, dass die Europäische Zentralbank auf den Plan tritt und von der geldpolitischen Seite Entlastung geben wird, so wie in den USA oder in Großbritannien", sagte Fuest. Es werde sicher nicht zum Staatsbankrott kommen.

Der Finanzexperte geht nach der Abstufung von neun Euro-Ländern nicht von größeren Verwerfungen beim Rettungsschirm EFSF aus. Die Regeln besagten, dass die Finanzierungskosten von den Kreditnehmern, also Ländern wie Irland oder Portugal, getragen werden müssen.

"Es könnte daher sein, dass die Finanzierungskosten für die Kreditnehmer etwas ansteigen." Da sie aber sehr hohe Refinanzierungskosten am normalen Kapitalmarkt hätten, seien die so immer noch besser bedient. Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Tom Mayer, befürchtet dagegen, dass durch die Herabstufung der Rettungsfonds EFSF in Mitleidenschaft gezogen wird.

Herabstufung des EFSF befürchtet

"Es zeichnet sich ab, dass von den 17 Ländern, die diesen Rettungsfonds garantieren, am Ende nur noch Deutschland, Niederlande, Finnland und Luxemburg ihr Toprating behalten werden. Damit dürfte der EFSF selbst auch seine AAA-Bewertung verlieren", heißt es in einem Beitrag Mayers für die "Bild am Sonntag".

"In den letzten Monaten war es für den EFSF schon nicht leicht, Kapital am Markt aufzunehmen", schreibt Mayer. In den nächsten Monaten müsse der EFSF erneut an den Markt, um einen zweistelligen Milliardenbetrag für das neue Griechenland-Programm zu beschaffen. "Mit einem nur noch zweitrangigen Rating wird es für den EFSF schwierig, neue Investoren zu finden." Der französische Ministerpräsident Francois Fillon kündigte unterdessen energische Anstrengungen der Regierung an, um die verlorene Top-Bonitätsnote zurückzuerlangen.

"Wir werden alles unternehmen, um die Bestbewertung wieder zu erlangen", sagte der konservative Politiker dem "Journal du Dimanche". Fillon betonte, die Wirtschaftskrise sei die gravierendste seit den 1930er Jahren. Zuvor hatte bereits Finanzminister Francois Baroin betont, Frankreich müsse seine Reformanstrengungen nach dem Verlust der Bestnote ausweiten.

Die Agentur Standard & Poor’s hatte die Bonität der zweitgrößten europäischen Volkswirtschaft am Freitag um eine Stufe abgesenkt. Das Rating Deutschland mit der bestmöglichen Bewertung Dreifach-A war aufrecht erhalten worden.