Szenario 1: Neue Hilfe der EU-Partner
Eigentlich schien es unvorstellbar. Als im vergangenen Jahr das zweite Hilfspaket für Griechenland beschlossen wurde, vereinbarten Europas Regierungschefs mit dem Internationalen Währungsfonds und der Finanzbranche Hilfen in einem gigantischen Ausmaß.
Das Land, das lediglich zwei Prozent der Wirtschaftsleistung der Euro-Zone ausmacht, sollte 100 Milliarden Euro an direkten Hilfskrediten bekommen. Weitere 30 Milliarden Euro sollten in die Absicherung der griechischen Banken fließen. Und noch einmal 100 Milliarden Euro sollten von den internationalen Kreditgebern aus der Finanzwirtschaft kommen, indem diese auf die Hälfe ihrer Forderungen verzichten.
Inzwischen ist klar, dass das nicht reichen wird. Wer nicht will, dass Athen pleitegeht, könnte dem Land höhere Hilfen zusichern. Der IWF lehnt es dem Vernehmen nach ab, sich an der Absicherung der griechischen Banken zu beteiligen.
Angela Merkel müsste also in diesem Fall vor das Parlament treten, um noch einmal neue Milliarden für die Griechen locker zu machen. Das könnte ihr zwar gelingen. In der Bevölkerung aber dürfte die Zustimmung zur Euro-Zone weiter sinken, wenn Athen sich immer mehr als Fass ohne Boden erweist.
Senario 2: Forderungsverzicht
Es galt als einer der größten Erfolge von Angela Merkel und Wolfgang Schäuble in der deutschen Politik, dass sie die Banken dazu gezwungen haben, über einen drastischen Schuldenschnitt für Griechenland auf freiwilliger Basis zu verhandeln.
Auf 100 Milliarden Euro sollen die internationalen Kreditgeber des maroden Landes freiwillig verzichten – freiwillig, damit nicht jene Kreditausfallversicherungen fällig werden, die am Kapitalmarkt eine Kaskade nach sich ziehen, in deren Folge am Ende das gesamte Finanzsystem erschüttert werden könnte.
Inzwischen aber ist die Rede davon, dass die neuen Griechen-Bonds, die im Tausch gegen die alten beim Schuldenverzicht ausgegeben werden, einen niedrigeren Zins kriegen könnten. Einerseits würde das Griechenland finanziell entlasten. Das Problem für Athen ist nur: Die neuen Anleihen dürften nach britischem und nicht nach griechischem Recht ausgegeben werden.
Nach diesem Recht wäre ein späterer zweiter Schuldenschnitt fast ausgeschlossen. Die Banken wären zudem gleichberechtigte Gläubiger zu den Staaten, die Athen Geld geliehen haben – und könnten sogar griechisches Eigentum pfänden lassen, wenn das Land nicht zurückzahlt, so Experten.
Szenario 3: Steuerzahler und Banken helfen gemeinsam
Wie schon bei den letzten Gesprächen wäre es auch bei Verhandlungen über ein größeres Rettungspaket fast ausgeschlossen, dass die Europäer allein die höheren Kosten übernähmen. Genauso unwahrscheinlich aber ist es, dass die Kreditinstitute freiwillig jenes Loch füllen, das angesichts der schlechten griechischen Wirtschaftslage in der Bilanz des Landes klafft.
Schon jetzt halten viele Banker eine Pleite des Landes für unausweichlich. Sie werden sich fragen, warum sie den Griechen noch einmal zusätzlich Geld hinterherwerfen sollen – und das, ohne die Situation vor Ort grundlegend zu verbessern.
Allerdings könnte es sein, dass die Politik noch einmal Zeit gewinnen will, um die Brandmauer um die restlichen europäischen Staaten höher zu ziehen, bevor sie Griechenland in die Pleite rutschen lassen.
Die Politiker könnten versuchen, einen Teil des nötigen Geldes den heimischen Steuerzahlern aus dem Kreuz zu leiern. Ein weiterer Teil könnte dann von den Banken kommen. Am Ende würden beide Seite etwas geben in der Hoffnung, dass dieses zusätzliche Kapital Griechenland so lange stabilisiert, bis der Rest der Euro-Zone weitgehend als gerettet gilt.
Szenario 4: Athen rutscht in die Pleite
Es ist der Albtraum. Die Bundeskanzlerin fürchtet ihn seit Beginn der Krise . Und trotzdem wird er immer wahrscheinlicher. Weil Griechenland nicht aus der Misere heraus wächst, weil jedes Sparpaket die Wirtschaftslage noch schlimmer macht, Reformen nicht umgesetzt werden und die Bevölkerung der Geberländer der dauernden Hilfen müde wird, lehnen die Europäer nicht nur eine Erhöhung des Griechenland-II-Pakets ab.
Weil der IWF unter diesen Bedingungen weitere Kredite verweigert, können sich auch die Deutschen nicht entschließen, Athen überhaupt noch einmal Geld zu geben. Ganz bewusst schickt die EU das Land in die Insolvenz. Innerhalb weniger Wochen kann es fällige Schulden nicht mehr begleichen.
Die Griechen rutschen in die Pleite. Ihre Anleihen, die mit hohen Milliardenbeträgen auch in den Büchern der Europäischen Zentralbank lagern, sind auf einen Schlag nichts mehr wert. Ein Schock geht durch das Finanzsystem. Griechenlands Banken droht über Nacht das Aus. Auch anderswo in Europa wackeln Geldhäuser. Nach den ersten Wirren verhandelt das Land mit seinen Gläubigern, wie viel von seinen Schulden es jemals zurückzahlen will. Athen ist raus aus dem Euro.




