Studie

Der Euro bringt Mitgliedsstaaten Milliardenvorteile

Die Währung sorgt für mehr als 300 Milliarden Euro Wachstum im Jahr. Kanzlerin Merkel und ihr Amtskollege Sarkozy wollen jetzt eine Finanzmarktsteuer vorbereiten.

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Deutschland ist ein Profiteur des Euro – aber beileibe nicht der einzige. Einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey zufolge haben andere Länder der Euro-Zone relativ gesehen sogar noch mehr durch die Gemeinschaftswährung gewonnen. Und diese Wohlstandsgewinne der wirtschaftlich stärkeren Länder gingen keineswegs zulasten der schwächeren, heißt es in der Studie, die der Morgenpost exklusiv vorliegt. Selbst für Krisenländer wie Portugal oder Griechenland ist die Bilanz positiv: Ohne den Euro wäre auch deren Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr 2010 geringer ausgefallen.

Argument für Erhalt der Währung

„Unsere Studie belegt: Nicht nur Deutschland hat vom Euro profitiert, andere Länder haben in Relation zu ihrer Wirtschaftskraft sogar noch mehr gewonnen. Es ist deshalb im Interesse aller Euro-Staaten, die Währungsunion zu verteidigen“, sagt Frank Mattern, Deutschland-Chef von McKinsey. Die Krisenstrategie von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sei „trotz aller Kritik derzeit insgesamt richtig“. Denn laut Berechnungen der Unternehmensberatung führt eine Kombination aus mehr Haushaltsdisziplin und Strukturreformen in Problemländern zu mehr Wachstum und weniger Verschuldung als andere denkbare Varianten.

Im Jahr 2010 hat die Währung den Wohlstand in den 17 Euro-Ländern um 332 Milliarden Euro gemehrt. Dies sind rund 3,6 Prozent des BIP der Euro-Zone. Die Hälfte davon entfällt allein auf Deutschland: Der positive Effekt für die deutsche Wirtschaft betrug stolze 165 Milliarden Euro oder 6,4 Prozent des BIP. Relativ zur eigenen Wirtschaftsleistung haben allerdings Österreich (7,8 Prozent) und Finnland (6,7 Prozent) noch stärker vom Euro profitiert. Die Wachstumsgewinne setzen sich zusammen aus intensiverem Handel, niedrigeren Zinskosten und dem Wegfall technischer Kosten, etwa für Absicherung von Währungsrisiken.

Diese Effekte kommen aber keineswegs nur den nordeuropäischen Staaten zugute. „Es gibt kein Euro-Land, das nicht von der Gemeinschaftswährung profitiert hätte,“ sagt Eckart Windhagen, Leiter der Bankenberatung von McKinsey und ein Autor der Studie. Der immer wieder geäußerte Vorwurf, dass stärkere Länder auf Kosten der schwächeren gewonnen hätten, führe in die Irre: „Eine Währungsunion ist kein Nullsummenspiel, in der einer verlieren muss, damit der andere gewinnt.“ Schließlich stünden die Euro-Staaten nicht nur im Wettbewerb untereinander, sondern vor allem in Konkurrenz zum Rest der Welt.

„Insgesamt verteilt sich der Nutzen des Euro aber sehr unterschiedlich auf die einzelnen Länder“, sagt Windhagen. In Italien stieg das BIP nur um 2,8 Prozent, für Griechenland stand 2010 sogar nur ein winziges BIP-Plus von 172 Mio. Euro zu Buche. Hauptgrund dafür: Die Einführung der Währung erhöhte den Druck auf die schwächeren Länder, wettbewerbsfähiger zu werden. Einige Staaten wie Deutschland passten sich an und reformierten ihre Sozialsysteme. Andere Länder – darunter Frankreich – verloren an Wettbewerbsfähigkeit. Sie profitierten aber immerhin von den niedrigen Zinsen.

Das Kernproblem der Währungsunion besteht darin, dass sich die Verhältnisse der einzelnen Volkswirtschaften in den vergangenen Jahren zu wenig angeglichen haben. Ausgerechnet in den Ländern, die nun in Schwierigkeiten sind, stiegen etwa die Lohnkosten lange Zeit überproportional. Gleichzeitig versagen Mechanismen, wie sie etwa innerhalb des Dollar-Währungsraums wirtschaftliche Unterschiede ausgleichen. So gingen in der EU im Jahr 2008 nur 0,18 Prozent aller Bürger in ein anderes Land, um dort zu arbeiten. Zum Vergleich: In den USA zogen 2,8 Prozent der Menschen für einen Job in einen anderen Bundesstaat. „Die Mobilität der Arbeitskräfte ist in Europa beschämend gering – das könnte sich durch die momentane Krise allerdings ein wenig ändern“, sagt Windhagen.

Unterdessen kündigten Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach einem Treffen in Berlin an, dass angesichts der Widerstände in der EU die Finanztransaktionssteuer notfalls nur in den 17 Euro-Ländern eingeführt werden könnte. Merkel räumte ein, dass sich der Koalitionspartner FDP dagegen sperrt.

Währenddessen brennt es weiter lichterloh: In Griechenland wird im Kampf gegen die Staatspleite die Zeit knapp. Merkel drang daher auf einen schnellen Abschluss der Umschuldungs-Verhandlungen mit den Banken. „Wir wollen, dass Griechenland im Euro-Raum bleibt.“

Im Streit um die Transaktionssteuer hatte die Bundesregierung zuvor einem von Sarkozy gewünschten Alleingang beider Länder widersprochen. Sarkozys Forderung, endlich Nägel mit Köpfen zu machen, sei aber richtig, sagte Merkel: „Persönlich bin ich auch dafür, dass wir uns in der Euro-Zone eine solche Steuer vorstellen könnten.“ Nach Merkels Worten sollen die Finanzminister der Europäischen Union bis spätestens März ein Konzept vorlegen. (mit dpa)