Wachstum und Rendite

Hyperwettbewerb zwischen deutschen Spitzenfirmen

Für Konzerne wird es schwieriger, einmal eroberte Top-Positionen zu halten. Der starke Wettbewerb und die Konjunkturzyklen machen den Firmen zu schaffen.

Das Karussell an der Leistungsspitze der 500 umsatzstärksten deutschen Unternehmen dreht sich immer schneller. Das ist eines der Ergebnisse einer Studie der Unternehmensberatung Accenture , die der „Morgenpost Online“ exklusiv vorab vorliegt. Die Experten haben untersucht, wie viele Firmen es schaffen, über Jahre hinweg sowohl den Durchschnitt der „Top500“ als auch das Branchenmittel bei Umsatzwachstum und Rendite zu schlagen. Ergebnis: Wie im Jahr zuvor nahmen 34 Unternehmen beide Hürden. Aber: 13 vormalige „Wachstumssieger“ fielen aus der Liste heraus, 13 andere schafften es hinein.

Die Autoren der Studie sehen den immer schnelleren Wechsel der Spitzenreiter als Indiz dafür, dass der in der Wissenschaft beschriebene „Hyperwettbewerb“ die deutsche Konzernlandschaft bereits stark prägt: „Viele Konzerne schaffen es nicht, dauerhaft die hohe Wachstumsdynamik zu erhalten. Dafür gewinnen andere dazu, meist weil sie ihre Chancen in den Megatrends realisieren, zum Beispiel in der Energiewende, dem demografischen Wandel oder der wachsenden Kaufkraft in den Schwellenländern“, schreibt Accenture in der Studie „Deutschlands Top500 – Neue Chancen für Wachstum in volatilen Zeiten“.

Die Studie zeigt, dass die Top500, das sind die 500 größten Unternehmen Deutschlands, die allesamt einen Umsatz von mehr als einer Milliarde Euro verzeichnen, viel anfälliger für Konjunkturschwankungen sind als die Gesamtwirtschaft. Die von Accenture identifizierten 34 Wachstumssieger haben es aber sehr viel besser als die übrigen Top500-Unternehmen geschafft, der letzten Wirtschaftskrise zu trotzen.

Champions meistern den Umgang mit Konjunkturzyklen

Accenture folgert daraus, dass die Champions unter den Top500 sehr viel bessere Fähigkeiten besitzen, mit den zuletzt deutlich höheren Schwankungen der Konjunkturzyklen umzugehen. Das Management von Volatilitäten und Risiken definierten die Berater als das erste von fünf Aktionsfeldern, mit dem sich Konzerne Wachstum sichern können.

Volatilitätsmanagement bedeutet im Sinne der Studie, Reaktionsfähigkeit und Geschwindigkeit in der Anpassung der Produktionskapazitäten zu erhöhen. Dazu werden Daten mit einer Software gesammelt und analysiert. Mit diesen Verfahren, die als Predictive Analytics bezeichnet werden, wollen die Strategen in den Konzernen komplexe wirtschaftliche Vorhersagen treffen, um auf Krisen vorbereitet zu sein. IT-Marktanalysten bezeichnen Predictive Analytics als einen der kommenden größeren Investitionstrends.

Im Bereich des Risikomanagements weisen die Studienautoren auf die Gefahr von Störungen in der Lieferkette hin, wie sie im Rahmen der globalen Arbeitsteilung immer häufiger werden. Unternehmen, die agil genug sind, schnell Kapazitäten anzupassen oder alternative Lieferstrukturen zu entwickeln, können sich erhebliche Wettbewerbsvorteile verschaffen. Diese Konzerne müssen jedoch immense Komplexitäten beherrschen. Aktuell ist laut Accenture ein Anstieg der Investitionen für Risikomanagementsysteme zu beobachten. Doch dabei konzentrieren sich die deutschen Top500 noch sehr stark auf die Finanzen. Andere Risiken, wie etwa die der Lieferkette, werden selten einbezogen.

Ihren Erfolg werden die Wachstumssieger von morgen auch in branchenübergreifenden Partnerschaften sichern. Ein Beispiel ist die Elektromobilität. Riesenchancen sieht Accenture für die Top500 auch im „Internet der Dinge“: Mit intelligenten Gegenständen, die untereinander kommunizieren, seien neue, lukrative Geschäftsmodelle möglich.

Am Mittwoch veröffentlicht die „Welt“ die Liste der 34 Wachstumssieger aus der Accenture-Studie.