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Chinesen greifen nach Solarfirma Sunways

Die Solarbranche leidet unter Überkapazitäten und Preisverfall. Solon und Solar Millenium sind schon insolvent. Jetzt steht Sunways vor der Übernahme.

Foto: picture-alliance/ dpa

Die kriselnde deutsche Solarindustrie gerät ins Visier chinesischer Rivalen: Der Solarriese LDK Solar aus dem Reich der Mitte greift nach der Firma Sunways aus Konstanz. Der am Silvesterabend vorgelegte Übernahmeplan sorgte am Montag für einen Kurssprung der Sunways-Aktie. Sie schoss um 27 Prozent auf 1,95 Euro nach oben - einer der größten Tagesgewinne in der Geschichte von Sunways.

Vorstand und Aufsichtsrat von Sunways begrüßten den Einstieg von LDK. Nach Einschätzung von Experten könnten auch andere deutsche Solarfirmen zu Übernahmezielen werden, zumal die einstige Vorzeigebranche derzeit mit Überkapazitäten, einem Preisverfall und Finanzproblemen kämpft. Ein großer Ausverkauf sei aber nicht zu erwarten.

Sunways hatte am Wochenende eine Kapitalerhöhung angekündigt, die ausschließlich von LDK gezeichnet werden kann. Nach Abschluss dieser Transaktion wird die chinesische Firma ein Drittel der Sunways-Anteile halten. Für Ende Januar ist dann ein freiwilliges Übernahmeangebot an die übrigen Sunways-Eigner geplant. Die Kartellbehörden müssen allerdings noch grünes Licht geben. Sunways-Vorstandschef Michael Wilhelm erklärte, das Unternehmen freue sich, einen „strategischen Ankerinvestor„ gefunden zu haben.

LDK bekundete bereits Mitte 2011 Interesse an deutschen Solarfirmen. „Deutsches Image und deutsche Technik kombiniert mit chinesischen Lohnkosten. Daraus können sie einen globalen Markführer schaffen“, sagte LDK-Finanzchef Jack Lai damals in einem Zeitungsinterview.

LDK und Sunways arbeiten schon länger zusammen und erhoffen sich nun neue Wachstums- und Synergiepotenziale. Der Einstieg biete eine „solide Perspektive für die Zukunft“, unterstrich Wilhelm. Das Übernahmeangebot könne möglicherweise noch im ersten Quartal 2012 abgeschlossen werden. Sunways-Aktien sollten aber weiter an der Börse gehandelt werden.

Willkommene Hilfe

Sunways kann die Schützenhilfe gut brauchen: Der Umsatz halbierte sich in den ersten neun Monaten 2011 fast auf 84,2 Millionen Euro. Der operative Verlust summierte sich auf 21,6 Millionen Euro – ein Jahr zuvor stand noch ein Gewinn in den Büchern. Sunways hatte die Geschäftseinbrüche auch auf die anhaltende Debatte um die öffentliche Förderung für die Photovoltaik in Deutschland und anderen europäischen Ländern zurückgeführt. Chinesische Wettbewerber profitieren dagegen von der staatlichen Förderung in der Volksrepublik. Der deutsche Branchenriese Solarworld wirft den Konkurrenten vor, mit Dumpingpreisen den Markt aufzurollen.

Die lange Zeit erfolgsverwöhnte deutsche Solarbranche musste dagegen zuletzt Federn lassen: Solarpionier Solon schlitterte in die Pleite, auch der Kraftwerksentwickler Solar Millennium meldete Insolvenz an. Viele Experten gehen davon aus, dass die Marktbereinigung in den nächsten Monaten angesichts bestehender Überkapazitäten weitergehen wird.

Deutsche Marken sind gefragt

Die Übernahmepläne für Sunways nährten nun aber wieder Hoffnungen, sagt Analyst Sebastian Zank von Silvia Quandt Research. Chinesische Hersteller interessierten sich vor allem für einen Zugang zum deutschen Markt. Außerdem seien wegen der hohen Transportkosten nach Europa Fertigungsanlagen vor Ort vorteilhaft. Auch die Analysten von Equinet erklärten, LDK könne von der Marke Sunways profitieren und sich Vertriebskanäle in Europa sichern. Experte Zank rechnet jedoch nicht mit einer groß angelegten Shopping-Tour chinesischer Firmen, sondern eher mit kleineren gezielten Zukäufen.

Grundsätzlich seien die Zukunftsaussichten für deutsche Solarfirmen sehr unterschiedlich, betonte er. Gut sehe es aus für Unternehmen mit prall gefüllten Auftragsbüchern wie Solarhybrid oder für Firmen mit guten Produkten und Kundenzugang wie Solarworld oder Centrosolar.

Angesichts des Sunways-Deals legten auch die im Technologie-Index TecDax gelisteten Aktien von Q-Cells und Solarworld um 4,3 beziehungsweise 1,7 Prozent zu. Solarhybrid gewannen ein Prozent und Centrosolar schossen um elf Prozent in die Höhe. Die Titel der beiden insolventen Firmen Solon und Solar Millennium gewannen jeweils über fünf Prozent.