Verschuldeter Kontinent

Wenn die Euro-Krise eskaliert, reicht das Kapital nicht

80 Milliarden an Kapital und 620 Milliarden Euro an Garantien sind viel Geld, aber nicht genug. Die Probleme in der Euro-Zone sind ungelöst.

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Im Prinzip geht es der Währungsunion wie einem Menschen, der wegen starker Übergewichtigkeit zunächst eine chronische Herzerkrankung bekommen hat und dann mit einem Herzinfarkt auf der Intensivstation einer Klinik landete: Dauerhaft muss der Patient mit Bewegung fit gemacht werden, kurzfristig aber braucht er teure Medikamente, die ihn am Leben erhalten.

So wie dieser Schwerkranke wird die Euro-Zone zweifellos mittel- und langfristig ein anstrengendes Fitnessprogramm benötigen, damit sie auf die Beine kommt.

Kurzfristig aber muss sie davor geschützt werden, dass die beklemmenden Liquiditätsnöte einiger Länder das Projekt Gemeinschaftswährung zum Scheitern bringen.

Deshalb ist es richtig, dass die Regierungen der Euro-Zone jetzt versuchen, den dauerhaften Rettungsfonds ESM schneller, nämlich schon im Sommer 2012 einsatzbereit zu haben. Der Vorteil: Anders als sein Vorgänger, der EFSF, arbeitet dieser Schutzschirm nicht nur mit Finanzgarantien der Euro-Partner, denen die Investoren an den Märkten jetzt schon misstrauen.

Nein, der ESM wird auch mit Kapital – also mit echtem Geld – aus den Haushalten der einzelnen Euro-Länder befüllt. Die Anleger wissen damit, das Kapital ist auch wirklich da.

80 Mrd. Euro an Kapital und 620 Mrd. Euro an Garantien sind viel Geld. Zur Rettung der Euro-Zone aber wird diese Summe nicht reichen . Weder die Bundesregierung, noch die in vielen Fragen so destruktive Bundesbank haben bislang einen funktionierenden Weg gezeigt, wie sich dieses Dilemma lösen ließe, sollte die Krise an Dramatik gewinnen. 2012 wird das ein echtes Problem.