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Das frische Geld wird Air Berlin nicht viel nützen

Etihad verspricht sich vom Einstieg bei Air Berlin mehr Kunden aus Europa. Air Berlin freut sich über das Geld. Beide Airlines könnten bald enttäuscht sein.

Foto: AFP

Der Einstieg der arabischen Fluglinie Etihad bei Air Berlin zeigt, dass beide Gesellschaften ziemlich in der Klemme stecken: Air Berlin braucht schlicht Geld. Und Etihad braucht mehr zahlungskräftige Kunden aus Europa, um gegen den großen Wettbewerber Emirates aufzuholen. Gelöst sind die Probleme der beiden Gesellschaften mit den jetzt geschlossenen Vereinbarungen aber noch längst nicht.

Die Summe, die Air Berlin aus der Kapitalerhöhung einnehmen wird, reicht gerade einmal, um die größten Finanzlücken in den kommenden Monaten zu stopfen. Denn die Berliner brauchen viel Geld, weil sie ihre gesamte IT für den anstehenden Beitritt zum weltumspannenden Luftfahrtbündnis Oneworld fit machen müssen.

Als Finanzinvestment taugt Air Berlin eher weniger

Gleichzeitig brechen wegen der schwächelnden Konjunktur die Einnahmen weg, während die Betriebskosten steigen. Und nicht zuletzt wird auch der Umzug von Berlin-Tegel auf den neuen Großflughafen nach Schönefeld noch eine ganze Stange Geld kosten.

Für Etihad sind die Anbindung an das Flugnetz der Air Berlin und der Oneworld und dann auch neue Landerechte auf dem Berliner Großflughafen das Wichtigste bei diesem Deal. Denn als Finanzinvestment taugt Air Berlin eher weniger. Die Aktien der deutschen Nummer zwei haben schon anderen Großaktionären wie der türkischen Esas-Holding oder auch der TUI in der Vergangenheit nicht viel Freude gemacht.

Allerdings ist es höchst fraglich, ob Etihad künftig tatsächlich mit großen Maschinen in Berlin landen dürfen wird. Rivale Emirates ist an diesem Vorhaben bis heute gescheitert, obwohl die Araber viel Geld für Lobbying in der deutschen Hauptstadt ausgegeben haben. Warum sollte die Bundesregierung jetzt also den kleinen Nachbarn aus Abu Dhabi diese wertvollen Flugrechte einräumen?

Vielleicht, weil sonst jede Menge Arbeitsplätze bei Air Berlin und auf dem neuen Großflughafen in Gefahr wären? Denn ohne Air Berlin als sogenannten Homecarrier, der eine kritische Menge an Umsteiger in den neuen Drehkreuzflughafen Berlin fliegen würde, wird der neue Airport die erhofften positiven Effekte für die gesamte berlin-brandenburgische Wirtschaft nicht geben können.

Allerdings käme die Gewährung neuer Flugrechte in Deutschland an eine arabische Qualitäts-Airline einem Dammbruch gleich, gegen den sich der Marktführer Lufthansa wohl mit aller Kraft stemmen würde. Auch die Bundesregierung steckt demnächst wohl ziemlich in der Klemme.